Von Kritikern der Corona-Maßnahmen heißt es immer wieder, das Coronavirus sie nicht gefährlicher als die Grippe. Der Virologe Christian Drosten hat nun im NDR-Podcast „Coronavirus Update“ eine Studie vorgestellt, die aufzeigt wie viel höher die Infektionssterblichkeit bei Corona im Vergleich zur Grippe ist.

Corona Tote weltweit: Das unterscheidet Fallsterblichkeit und Infektionssterblichkeit

Lange ließen sich über die Infektionssterblichkeit - also den Anteil der Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind und versterben - nichts sagen. Denn nicht bei allen Infizierten wird die Infektion nachgewiesen. Im Gegensatz dazu ist die Fallsterblichkeit bei Corona bekannt. Die Fallsterblichkeit ist der Anteil an Menschen mit einer nachgewiesenen Infektion, die versterben. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland bei 3,8 Prozent. Eine neue Meta-Studie, die der Virologe Drosten im NDR-Podcast besprochen hat, gibt nun für einige Länder Aufschluss über die Infektionssterblichkeit bei Corona. Die Zahl der Corona-Toten hat weltweit in dieser Woche die traurige Marke von einer Millionen überschritten.

Grippe Tote 2019: Warum ein Vergleich mit einzelnen Zahlen keinen Sinn ergibt

Die im Podcast vorgestellte Studie schließt Fehlerquellen durch eine besonders sorgfältige Auswahl der untersuchten Studien aus. Dadurch liefert sie wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Drosten spricht sich im Podcast auch gegen den Vergleich einzelner Werte von Grippe Toten beispielsweise aus dem vergangenen Jahr mit den an Corona verstorbenen zu vergleichen.

Corona vs Grippe Tote: So hoch ist die Sterblichkeit bei einer Infektion mit dem Coronavirus

Die neue Studie aus den USA zieht einen wissenschaftlich fundierten Vergleich der Infektionssterblichkeit zur saisonal auftretenden Grippe. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Infektionssterblichkeit in den USA bei 0,8 Prozent liegt. Zum Vergleich: Bei der Grippe liegt diese bei 0,05 Prozent. Drosten setzt die Zahlen in Zusammenhang: „Für jeden Influenza-Toten gibt es 16 Covid-19-Tote in den USA.“ Für Deutschland ist keine solche Studie veröffentlicht. Bei der Bewertung der Situation sei allerdings zu bedenken, dass die Sterblichkeit im hohen Alter steige. „Das Alter macht es aus und sonst praktisch nichts.“, fasst Drosten die Ergebnisse der ländervergleichenden Studie zusammen. „Jetzt ist aber die amerikanische Bevölkerung jünger als die deutsche“, erläutert Drosten. Das heißt man müsse damit rechnen, dass die Infektionssterblichkeit in Deutschland höher liegt. Der Virologe hält für Deutschland einen Wert von 1,0 Prozent oder etwas darüber für plausibel.

Corona Tote: 200-mal wahrscheinlicher als ein tödlicher Autounfall

Der Virologe erklärt auch die von der Studie aufgezeigten Besonderheiten hinsichtlich des Alters. So gefährlich ist Corona für die unterschiedlichen Altersgruppen:
  • Für die Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren gilt im Mittel, dass eine Coronainfektion ungefähr so gefährlich ist wie die Grippe.
  • Bei der Altersgruppe zwischen 45 und 54 Jahren liege die Infektionssterblichkeit mit 0,2 Prozent höher.
  • Für die Gruppe von 55 und 64 Jahren beträgt der Wert laut der Studie schon 0,7 Prozent.
  • Bei der Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren liegt die Infektionssterblichkeit bereits bei einem Wert von 2,2 Prozent. Das heißt laut Drosten: „In dieser Altersgruppe kommen auf einen Grippe-Toten 30 Covid-19-Tote.“
  • Die Zahlen für die Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen seien furchtbar,, so Drosten. Dort liegt die Sterblichkeit bei 7,3 Prozent.
  • Bei den über 85-Jährigen stirbt fast jeder dritte mit dem Coronavirus infizierte Mensch.

Coronavirus Test: PCR-Test ist laut Drosten zuverlässig

Des Weiteren betonte Christian Drosten die Zuverlässigkeit der PCR-Tests auf das Coronavirus Sars-CoV-2 . Angesichts von Behauptungen in sozialen Medien, die Tests seien oft falsch positiv und wiesen mitunter nur Fragmente des Virus nach, sagte der Virologe der Berliner Charité am Dienstag: „Ohne ein volles Virus-Genom gibt es keine Virus-Reste.“ Es gebe auch keine Verwechslungen mit sonstigen Viren wie etwa anderen Erkältungsviren und Coronaviren, fügte er im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ hinzu. „Die PCR ist da einfach zweifelsfrei.“ Daten zur Validierung habe schon die erste Publikation zu dem PCR-Test im vorigen Januar enthalten.
„Unsere PCR war zwar die erste, die ist aber längst nicht mehr die einzige“, sagte Drosten. „Die Labore sind eigentlich alle inzwischen dazu übergegangen, die Tests von Herstellern zu beziehen. Die haben unsere PCR zum Teil übernommen, zum Teil aber auch ein bisschen modifiziert. Und allen ist gemeinsam, dass die zusätzlich zu unserer Validierung noch mal wieder selber Validierungen gemacht haben.“ Andernfalls dürfe man solche Tests nicht verkaufen. „Die muss man ja zertifizieren lassen.“ Das PCR-Verfahren biete „eine sehr wasserdichte Diagnostik“.