Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat Deutschland im Griff. Mit sinkenden Temperaturen steht auch die Grippesaison bevor. Gegen Influenza gibt es eine Impfung, gegen das Coronavirus nicht. Welche Auswirkungen Corona auf die Grippewelle haben könnte.

Tote und Symptome: Wie unterscheiden sich Covid-19 und die Grippe?

Die Krankheiten ähneln sich und sind doch nicht gleich. Die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten:
  • Ansteckung: Sowohl Corona- als auch Influenzaviren werden von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektionen übertragen. Auch eine Übertragung über Oberflächen ist bei beiden Viren möglich. Das RKI geht davon aus, dass nach derzeitiger Studienlage das Coronavirus ansteckender ist als die einfache Influenza.
  • Symptome: Zu den typischen Symptomen einer Grippe zählen plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, allgemeine Schwäche, Kopf- und Halsschmerzen, Schnupfen und trockener Reizhusten. Ähnliche Symptome kann auch Covid-19 haben, allerdings zählen auch der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, sowie Hautausschlag oder Somnolenz zu den Symptomen.
  • Risikogruppen: Ähnliche Bevölkerungsgruppen haben ein höheres Risiko schwer an der Grippe oder Corona zu erkranken. Menschen über 65 und Personen mit Vorerkrankungen sind besonders durch beide Krankheiten gefährdet. Bei Covid-19 zählen zudem: Männer, Raucher und adipöse Menschen zu der Risikogruppe.
  • Sterblichkeit: Der Anteil der Fallsterblichkeit - also der Anteil der Infizierten, der stirbt - liegt nach Angaben des RKI bei durchschnittlich 0,1 bis 0,2 Prozent. In einer schweren Grippesaison sterben etwa 25.000 Menschen an der Grippe. Der Fall-Verstorbenen-Anteil - die Zahl der gemeldeten verstorbenen Fälle durch die Zahl der gemeldeten Fälle - bei einer Infektion mit dem Coronavirus liegt nach Angaben des RKI bei 3,8 Prozent. Angaben zur tatsächlichen Lethalität, also dem Anteil am Zahl der tatsächlich erkrankten Fälle, macht das RKI aufgrund fehlender Daten nicht.

Influenza in der Corona-Pandemie: Wann beginnt die nächste Grippewelle?

Der genaue Zeitpunkt ist nicht vorhersagbar. In den vergangenen Jahren begann die Grippewelle meist im Januar und dauerte drei bis vier Monate. Die ersten Fälle treten aber schon deutlich früher auf. Auch die Dauer einer Grippewelle kann nicht prognostiziert werden.

Wie heftig wird die nächste Grippewelle ausfallen?

Auch das können Experten nicht genau voraussagen. Die Stärke der Grippewellen schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. Das zeigt etwa ein Blick auf die influenzabedingten Arztbesuche: In der eher moderaten Influenzasaison 2018/2019 gab es 3,8 Millionen Besuche, in der Saison 2017/2018 dagegen rund neun Millionen. Während dieser besonders starken Grippewelle starben laut Robert-Koch-Institut 25.100 Menschen.

Impfstoff: Wie viel Grippeimpfstoff steht zur Verfügung?

Bislang stehen nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts mehr als 16 Millionen Impfdosen bereit. Insgesamt soll es 25 bis 26 Millionen Impfdosen geben. Der Herstellungsprozess ist aufwändig, und der Grippeimpfstoff für die kommende Saison längst produziert und kann deshalb auch nicht nachproduziert werden.

Grippe-Impfung: Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Schutzimpfung in erster Linie
  • älteren Menschen über 60 Jahre
  • chronisch Kranken mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herzkreislauferkrankung
  • medizinischem Personal und Pflegekräften
  • sowie Schwangeren.
Die Risikogruppen ähneln jenen, die auch bei Corona schwere Verläufe fürchten müssen. Die ausdrückliche Empfehlung für Risikopatienten bedeutet aber nicht, dass allen anderen von einer Impfung abgeraten wird.

Impfung im Herbst: Sollen sich alle gegen Grippe impfen lassen?

Nein, für alle würde der Impfstoff auch nicht reichen. Selbst wenn sich nur die Risikopatienten impfen ließen, würden bereits 40 Millionen Impfdosen benötigt. Allerdings holten sich zuletzt nur 35 Prozent der über 60-Jährigen überhaupt eine Impfung.

Was passiert, wenn Corona und Grippe zusammentreffen?

Das Gesundheitssystem könnte an seine Grenzen kommen, wenn nicht nur Grippekranke in Arztpraxen und Kliniken behandelt werden, sondern zusätzlich Menschen mit Corona-Infektionen medizinische Hilfe benötigen. Experten zufolge könnten die Corona-Zahlen im Herbst und Winter steigen, weil etwa Menschen mehr Zeit in Innenräumen verbringen und sich das Virus so schneller verbreiten kann.

Coronavirus und Grippe: Welche Folgen hat eine Doppelinfektion mit Corona und Influenza?

Dazu gibt es wenige Daten. Es wird vermutet, dass gleichzeitige Infektionen mit Sars-CoV-2 und Influenzaviren besonders bei Risikogruppen schwerer verlaufen könnten. Untersuchungen unter anderem des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie weisen zudem darauf hin, dass die Grippe die Übertragungsrate für Corona mehr als verdoppeln könnte, weil sie Menschen anfälliger macht. Bestätigt ist das nicht.
Doch auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt vermutet einen positiven Effekt der Grippeimpfung auf das Corona-Risiko. Jede Impfung sei "ein Trainingsprogramm für das Immunsystem", so dass eine Corona-Infektion harmloser verlaufen könne.

Corona, Grippe, Erkältung: Wie unterscheiden sich die drei Krankheiten?

Im Gegensatz zu einer normalen Atemwegserkrankung, die meist nach wenigen Tagen überstanden ist, schlägt die Virusgrippe schnell und heftig zu. Allerdings gibt es sowohl bei Grippe als auch bei Corona und Erkältungen leichte Verläufe, die nur durch Laborbefunde zu unterscheiden sind - und die Labore geraten schnell an ihre Kapazitätsgrenzen.
Mit Fieber und Schnupfen im Bett: Viele Erkrankte fragen sich, ob es Covid-19 oder eine Grippe ist.
Mit Fieber und Schnupfen im Bett: Viele Erkrankte fragen sich, ob es Covid-19 oder eine Grippe ist.
© Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Helfen Corona-Schutzmaßnahmen auch gegen Grippe?

Helfen die allgemeinen Corona-Schutzmaßnahmen dabei, die Ausbreitung des Influenza-Virus zu verhindern und so die Grippewelle 2020/2021 einzudämmen? Gesicherte Erkenntnisse waren nicht zu erfahren, aber man kann offenbar davon ausgehen. Die Ständige Impfkommission des RKI weist auf Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit der Grippesaison 2019/2020 hin. Deren Daten für den Monat März 2020 würden zeigen, „dass die Influenza-Meldungen mit Beginn der Kontaktbeschränkung im Vergleich zu den Vorjahren sehr deutlich und abrupt sanken“.
Dazu beigetragen haben dürften auch die Schulschließungen - und vermutlich auch die immer wieder angemahnten Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regel:
  • Abstand
  • Hygiene
  • Alltagsmaske.
Dazu heißt es beim RKI auf Anfrage: Inwieweit sich die AHA-Regeln und weitere derzeit ergriffene Maßnahmen auf die nächste Grippewelle auswirken, könne man nicht vorhersagen – das hänge davon ab, wie gut sie umgesetzt würden.

Corona-Pandemie: Spahn will mit Fieberambulanzen Praxen entlasten

Der Bund hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und der gleichzeitig zu erwartenden Grippewelle in der Herbst- und Winterzeit den Einsatz von Fieber-Ambulanzen vorgeschlagen. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf einer Beschlussvorlage des Bundes für die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Dienstag heißt es, Bund und Länder sollten zeitnah ein Konzept vorlegen, wie eine Überlastung vor allem von Krankenhäusern und Hausarztpraxen verhindert werden könnten. Ein solches Konzept sollte die Möglichkeiten von Fieber-Ambulanzen, Schwerpunktsprechstunden und Schwerpunktpraxen ausloten

Lauterbach fordert kostenlose Grippe-Impfung

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert wegen der Corona-Pandemie in diesem Herbst und Winter kostenlose Grippeschutz-Impfungen für bundesweit alle Versicherten. „Wir wissen schon lange, Corona und Grippe sind [eine] gefährliche Mixtur“, erklärte der Bundestagsabgeordnete am Sonntag auf Twitter. In der „Welt am Sonntag“ sprach er von einer „sehr sinnvollen Maßnahme mit geringen Kosten“. Derzeit übernehmen einige Krankenkassen die Kosten nur für Patienten, die zu einer Risikogruppe zählen, andere dagegen für alle Versicherten.