• Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs treffen sich am kommenden Mittwoch, 03.03.2021, zum nächsten Corona-Gipfel, um über die weiteren Maßnahmen in der Corona-Pandemie zu entscheiden
  • Der Lockdown wird bis zum 28. März verlängert
  • Vieles hängt davon ab, ob die Impfungen beschleunigt werden können
Kurz vor dem Corona-Gipfel (Mittwoch, 03.03.2021) erreichte Deutschland einen kleinen Meilenstein: Rund fünf Prozent der Bevölkerung hat nun mindestens eine Dosis Corona-Impfstoff erhalten. Auf dem Gipfel wurde beschlossen, dass ab Ende März auch die Hausärzte gegen Corona impfen dürfen. Dadurch soll das Tempo bei den Corona-Impfungen gehöht werden.

Video Corona-Impfungen spätestens Anfang April in vielen Praxen

Corona-Gipfel Beschlüsse: Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens - Die neuen Regeln im Überblick

Die Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten war lang und zäh. Um viele Beschlüsse wurde hart gerungen. Nach über neun Stunden standen die Ergebnisse fest, aus denen die Bundesländer nun regional neue Regeln formen.
So sieht der Stufenplan mit fünf Öffnungsschritten nach dem Corona-Gipfel aus.
So sieht der Stufenplan mit fünf Öffnungsschritten nach dem Corona-Gipfel aus.
© Foto: Bundesregierung.

Impfquote Deutschland: Zahl der Impfungen laut RKI

Den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge wurden bislang etwa 6,6 Millionen Dosen des Impfstoffs verabreicht (Stand 3.3., 8.00 Uhr). Davon haben rund 4,3 Millionen Menschen eine Erstimpfung und fast 2,2 Millionen bereits die Zweitimpfung bekommen. Zum zweiten Mal wurden im Bundesdurchschnitt bisher 2,7 Prozent der Einwohner gepikst.

Corona Impfung: Thüringen führt im Ländervergleich

Bei den Erstimpfungen führt Thüringen die Liste im Ländervergleich mit einer Quote von 5,9 Prozent an, Brandenburg ist mit 4,5 Prozent bislang das Schlusslicht. Bei den Zweitimpfungen liegt Rheinland-Pfalz (3,4 Prozent) vorn, die kleinste Quote haben derzeit Hessen und Niedersachsen (2,2 Prozent).
Bei den meisten Geimpften handelt es sich laut RKI-Statistik um alte Menschen, Personal in Krankenhäusern und Altenheimen sowie Pflegeheimbewohner.

Corona Gipfel 03.03.2021: Impfung beim Hausarzt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine deutliche Beschleunigung der Corona-Impfkampagne angekündigt. „Wir glauben, dass wir hier noch Steigerungspotenzial haben“, sagte Merkel nach einer Bund-Länder-Runde zur Corona-Lage am späten Mittwoch in Berlin. Die Impfungen würden deutlich forciert. „Wir wissen, dass wir auch in einem Wettlauf gegen die Zeit sind“, so die Kanzlerin.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) versicherte, es lägen keinesfalls Millionen von Impfdosen herum und würden nicht verimpft. Es gebe in den Ländern einen Puffer von rund einer Woche, bei dem Impfdosen zurückgehalten würden, falls eine nächste Lieferung sich verzögere. „Wir verimpfen alles, was geht“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
Höhere Geschwindigkeit bei Impfungen: Ab Ende März sollen auch Hausärztinnen und Hausärzte impfen dürfen.
Höhere Geschwindigkeit bei Impfungen: Ab Ende März sollen auch Hausärztinnen und Hausärzte impfen dürfen.
© Foto: Hannibal Hanschke/DPA
Aktuell würden täglich bis zu 200.000 Impfungen durchgeführt, stellen Bund und Länder in ihrem Beschluss fest. Die Impfkampagne werde nun deutlich an Fahrt gewinnen. Ab der zweiten Märzwoche würden ausgewählte niedergelassene Ärzte einen festen Rahmen für die Übernahme von Impfungen bekommen. Ab Ende März/Anfang April sollen mit steigenden Mengen an Impfdosen haus- und fachärztliche Praxen generell in die Impfkampagne eingebunden werden. Die Entscheidung der Priorisierung erfolge dann durch die Ärzte. Dann werden auch Betriebsärzte dem Konzept zufolge mehr impfen.
Die für die Zweitimpfung zurückgehaltenen Dosen würden reduziert - auch so sollten schneller mehr Menschen erreicht werden.
Bund und Länder weisen auf Studienergebnisse aus Großbritannien hin: Demnach weise der Impfstoff von Astrazeneca eine hohe Wirksamkeit auch in der älteren Bevölkerung auf. „Dazu erwarten Bund und Länder eine kurzfristige Entscheidung der Stiko über die Empfehlung des Impfstoffs für die Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre“, so die Regierungschefs an die Adresse der Ständigen Impfkommission. Derzeit ist er nur für unter 65-Jährige zugelassen.

Scholz: Keine Corona-Beschränkungen für Geimpfte

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich unterdessen für eine zügige Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte ausgesprochen. „Nachdem erste Studien nun nahelegen, dass Geimpfte die Virus-Erkrankungen nicht mehr übertragen und damit kein Ansteckungsrisiko darstellen, sollten wir als nächstes diskutieren, welche Beschränkungen für diese Gruppe wegfallen können“, sagte Scholz der „Süddeutschen Zeitung“. Er könne sich gut vorstellen, dass der Impf-Nachweis wie ein negativer Schnelltest genutzt werden könne: „Geimpfte erhalten Zugang zu all jenen Orten, die ansonsten nur mit einem Schnelltest zugänglich sind.“ Demnach könnten Geimpfte Theater, Kinos, Sportanlagen oder Biergärten besuchen, ohne einen tagesaktuellen Test vorlegen zu müssen.
Scholz sagte zur Begründung, die Corona-Beschränkungen griffen tief in die Rechte der Bürgerinnen und Bürger ein. Derart tiefe Eingriffe gegenüber dem Einzelnen seien solange gerechtfertigt, wie es einen schwerwiegenden Grund dafür gebe, erklärte der Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat: „Das heißt auch, je schneller wir mit dem Impfen vorankommen, desto mehr gewinnen wir unseren gewohnten Alltag Stück für Stück zurück.“

Impfung: Spanne zwischen Erst- und Zweittermin soll ausgereizt werden

Wie Merkur.de berichtet, gibt es Konsens, dass die Spanne zwischen Erst- und Zweitimpfung ausgereizt werden soll bei allen Corona-Impfstoffen. Es sollen weniger Dosen als Reserve zurückgehalten werden. Das Vakzin AstraZeneca wird zudem in Kürze für Über-65-Jährige empfohlen. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe direkt zu verimpfen, wäre ein Vorgehen ähnlich zum britischen Modell.

Bund und Länder wollen Lockdown bis 28. März verlängern

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch in Berlin in stundenlangen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen in einer Region, werden automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

Corona Impfung: Termin, Impfreihenfolge, Nebenwirkungen

Wie bekomme ich einen Termin für die Impfung? Welche Nebenwirkungen hat die Corona-Impfung? Wann werde ich geimpft? Rund um die Corona-Impfung stellen sich zahlreiche Fragen. Alle Informationen zu Terminvergabe und Priorisierunggruppe gibt`s online auf der Seite 116117.de

Impfstrategie: Markus Söder will „das System verändern“

Im Vergleich mit Ländern wie Israel oder den USA hinkt Deutschland beim Impfen allerdings hinterher. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat deshalb seine Forderung nach einer Änderung des Impfkonzepts vor dem Bund-Länder-Treffen bekräftigt. Spätestes im April, wenn mehr Impfstoff komme, müsse jede Dose verabreicht werden, „wo es nur geht“, sagte Söder bei einer Online-Pressekonferenz mit seinem sächsischen Kollegen Michael Kretschmer (CDU). Deshalb müsse man „das System verändern“: Der Astrazeneca-Impfstoff solle neben den Impfzentren auch von Hausärzten, Betriebsärzten und Schulärzten verabreicht werden. Es brauche deshalb eine schnelle Änderung der Impfverordnung des Bundes.
Söder regte etwa auch an, ältere Schüler vor den Abiturprüfungen zu impfen - das würde dort „ein hohes Maß an Sicherheit“ bringen. Und Kretschmer äußerte den Wunsch, der gesamten Bevölkerung über 18 Jahren in Hotspot-Regionen an der Grenze bald ein Impfangebot machen zu können. Neben den Kriterien der Ständigen Impfkommission müssten also weitere Kriterien dazukommen - auch darüber müsse man am Mittwoch reden.
Aus einer rechtlich fixierten Priorisierung könnte nach Worten Söders am Ende eine „Empfehlung“ werden, die dann angewandt werde. „Nur so können wir den dramatischen Rückstand, den Deutschland beim Impfen hat, aufholen“, sagte Söder. Hier müsse man besser werden.

Beschlussvorlage zum Corona-Gipfel: Impfen ist wichtiger Punkt

Im Vorfeld des Corona-Gipfels ist eine Beschlussvorlage durchgesickert. Das Thema Impfen nimmt in dem Papier breiten Raum ein. So heißt es: „Die Impfverordnung des Bundes wird dahingehend geändert, dass ab der zweiten Märzwoche die Beauftragung ausgewählter Leistungserbringer der niedergelassenen ärztlichen Versorgung durch die Länder einen festen Rahmen hat.“
Für den April sei der Übergang in die nächste Phase der nationalen Impfstrategie vorgesehen, in der die haus- und fachärztlichen Praxen umfassend in die Impfkampagne eingebunden werden. Die Priorisierung der Corona-Impfverordnung gelte als Grundlage auch für die Impfungen in den Arztpraxen. Dazu heißt es aber ergänzend: „Die tatsächliche Entscheidung der Priorisierung erfolgt nach jeweiliger ärztlicher Einschätzung vor Ort.“

Wirken Impfstoffe gegen Mutationen?

  • „Die vorhandenen Vakzine schützen bislang alle vor schwerer Krankheit und Tod“, sagt der Gießener Virologe Friedemann Weber laut der dpa. Und wenn bereits geimpfte Menschen positiv auf B.1.1.7. getestet wurden, sei das „nicht besorgniserregend, sondern zeigt, dass die Impfung funktioniert“, sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Die Impfung würde schwere Verläufe verhindern, und das sei die Aufgabe.
  • Bei der südafrikanischen Mutante warfen Studienergebnisse jüngst Zweifel an der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs auf. Beim Impfstoff der Hersteller Biontech/Pfizer deuten erste Laborergebnisse auf eine Wirksamkeit auch gegen Schlüsselmutationen der britischen wie auch der südafrikanischen Variante hin.
  • Der Biontech-Impfstoff schützt einer aktuellen Untersuchung zufolge wahrscheinlich auch vor der südafrikanischen Virusvariante - allerdings ist die Zahl der dagegen gebildeten Antikörper wohl geringer. Es ist noch unklar, welchen Effekt dies für die Wirkung der Impfung gegen die südafrikanische Virusvariante hat.

Können Impfstoffe an Mutationen angepasst werden?

Das kommt auf die Mutation an. Die aktuellen Corona-Impfstoffe können relativ schnell an neue Virusvarianten angepasst werden. Sie könnten dann entweder eine neue oder eine zusätzliche Komponente enthalten, erklärte Klaus Cichutek, Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Bei mRNA-Impfstoffen wie Biontech oder Moderna sei eine Umstellung binnen sechs Wochen möglich und die Herstellung von Millionen Dosen innerhalb weiterer sechs Wochen, sagte Cichutek.

Studie: Infektion mit südafrikanischer Mutante schützt auch vor anderen Varianten

Johannesburg. Menschen, die sich mit der zuerst in Südafrika entdeckten Mutante des Coronavirus angesteckt haben, sind einer neuen Studie zufolge auch vor anderen Varianten besser geschützt. Antikörper aus dem Blutplasma von Menschen, die sich mit der ansteckenderen Variante infiziert haben, hätten bei ersten Tests die Antikörper des ursprünglichen Erregers und der aus Brasilien stammenden Variante gut neutralisiert, teilte das südafrikanische Forscherteam um den Virologen Tulio de Oliveira am Mittwoch mit.
Das Ergebnis der Studie weckt Hoffnungen, dass Vakzine gegen die südafrikanische Mutante auch bei künftigen Mutanten schützen könnten. Gesundheitsminister Zweli Mkhize sprach von einer „guten Nachricht für alle“.

RKI warnt vor Zunahme der britischen Variante

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht „Signale einer Trendumkehr“ bei der Corona-Pandemie in Deutschland. Es erwartet, dass die ansteckendere britische Mutante demnächst die Oberhand gewinnt: „Es ist absehbar, dass B.1.1.7 bald die vorherrschende Variante in Deutschland sein wird“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag (5.3.21) in Berlin. „Dann wird es noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten.“ Die in Großbritannien entdeckte Variante sei „noch ansteckender und noch gefährlicher“.

Corona Impfung Astrazeneca: Länder wollen Rückstau abbauen

In den Bundesländern wächst nach dem zögerlichen Start die Hoffnung auf einen schnellen Abbau des Astrazeneca-Impfstaus. Mehrere Länder rechnen mit einem deutlichen Hochfahren der Impfungen mit dem britisch-schwedischen Vakzin, wie eine Abfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Bis zuletzt hatte nur ein kleiner Teil der gelieferten Dosen den Weg in die Oberarme der Menschen gefunden. Die Gründe dafür sind teils überraschend.