Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich zunehmend auch in Deutschland aus. Obwohl die Inzidenzwerte sinken, sorgen sich die Infektiologen: Delta ist nämlich noch ansteckender als die vorherrschende Alpha-Variante aus Großbritannien. Zuerst wurde die Mutation Delta in Indien entdeckt, schnell grassierte sie aber weltweit. In Deutschland wurde sie in allen Bundesländern nachgewiesen und könnte die Zahl der Neuinfektionen wieder steigen lassen – in Baden-Württemberg breitet sie sich schnell aus. Gefährdet die Mutation die Herdenimmunität? Wie gut schützen die Impfstoffe gegen die Mutante?
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als „besorgniserregend“ eingestuft
  • Wissenschaftlern zufolge ist die Mutation ansteckender ist als die Ursprungsform des Coronavirus Sars-CoV-2
  • Auch der Anteil der Delta-Variante in Deutschland steigt.
  • Alle aktuell wichtigen Fragen und Antworten zur indischen Mutation gibt es hier – wirkt die Corona-Impfung gegen die Variante

Corona-Impfung gegen Delta-Variante: Absolute Priorität laut Drosten

Der Virologe Christian Drosten plädiert angesichts der Entwicklung dafür, das Bewusstsein für die Bedeutung der Impfung zu stärken. „Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen“, sagte der Experte im Podcast „Coronavirus-Update“. Er legte sich nicht fest, ob es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante bereits im Sommer oder erst im Herbst zu einer Trendumkehr kommen könnte. Im Herbst werde die Inzidenz auf jeden Fall wieder steigen, sagte Drosten und betonte die Wichtigkeit der Impfung bei Eltern von Schulkindern. „Wir müssen einfach schnell impfen“, lautet der Appell des Virologen. Reiche dies nicht, müsse man erneut mit Kontaktbeschränkungen gegensteuern. „Aber es gibt auch gute Gründe zu denken, dass das in Deutschland nicht notwendig wird.“

Wirkung Biontech und Astrazeneca: Corona-Impfstoffe wirken gegen Delta-Variante

Mehrere Laboruntersuchungen zeigen, dass sie offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten. Was ergab die Anfang Juni in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte britische Studie?

Biontech/Prizer: Wirksamkeit gegen Delta-Variante des Coronavirus

Die Studie ergab, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen von Pfizer/Biontech bei der Delta-Variante sechs Mal niedriger ausfiel als beim Wildtyp des Virus. Dennoch war der Impfstoff von Pfizer/Biontech laut einer Studie zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung, bei der Alpha-Variante (aus Großbritannien) sind es 93 Prozent.

Astrazeneca: Wirksamkeit gegen Delta-Variante des Coronavirus

Das Astrazeneca-Vakzin hat nach der Zweitimpfung bei der Studie von den britischen Gesundheitsbehörden eine 60-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante aus Indien bewiesen und eine 66-prozentige gegen die Alpha-Variante aus Großbritannien. Einen großen Unterschied gibt es hierbei also nicht.

Astrazeneca-Impfstoff gegen Delta: Stiko gibt neue Empfehlung

Angesichts der schnellen Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante in Deutschland passt die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Corona-Impfempfehlung an. So sollen Menschen, die eine erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten, schreibt das Gremium am Donnerstag in einer Mitteilung. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Impfschutz gegen Delta-Variante: Wie hoch ist die Wirksamkeit von Moderna?

Anders als bei den Impfstoffen von Astrazeneca und Biontech/Pfizer liegen zum Präperat von Moderna noch keine Daten vor. Der medizinische Berater des US-Präsidenten, Anthony Fauci, äußerte sich in einem Interview mit der Washington Post jedoch optimistisch. Denn der Wirkstoff basiert auf derselben mRNA-Technologie wie der der Firma Biontech/Pfizer.

Hilft Johnson&Johnson gegen Delta-Variante?

Auch bei dem Impfstoff der Firma Johnson & Johnson liegen noch keine Daten vor, die eine genaue Einschätzung der Wirksamkeit erlauben. Experten gehen dennoch davon aus, dass der Impfstoff vor schweren Verläufen und Tod schützt.

Delta-Variante Coronavirus: Schwerer Verlauf und Symptome verhindert

Mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag, 21.06.21, vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Pfizer/Biontech verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von Astrazeneca lag die Quote bei 92 Prozent.

Erste Corona-Impfung nur begrenzt Schutz gegen die Delta-Variante

Einig sind sich Wissenschaftler darin, dass eine einzelne Dosis nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die Delta-Variante bietet. So ergab die in "The Lancet" veröffentlichte Studie, dass 79 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Pfizer/Biontech "eine quantifizierbare neutralisierende Antikörperreaktion" gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten, bei der Variante B.1.617.2 hingegen nur 32 Prozent. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne Astrazeneca-Dosis habe „wenig bis gar keine Wirksamkeit“ gegen die Delta-Variante.

Delta-Variante Baden-Württemberg: Neuinfektionen und Impfstoff in BW

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich im Südwesten rasant aus – allerdings auf geringem Niveau. Deshalb soll es jetzt mehr Impfstoff von Johnson & Johnson für Kreise in Baden-Württemberg geben, die von der Variante betroffen sind. Aktuell betrifft das etwa 40 Stadt- und Landkreise – diese bekommen Extra-Lieferungen. Mehr erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Symptome Delta-Variante: Wie äußert sich die Delta-Variante?

Es gibt Vermutungen, dass sich die Delta-Variante anders äußert als die Alpha-Variante (B 117). In einer britischen App zur Überwachung der Corona-Symptome wurden folgende Symptome für die Delta-Variante gemeldet:
  • Kopfschmerzen
  • Schnupfen oder laufende Nase
  • Halsschmerzen
Das typische Symptom Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns scheint weniger häufig vorzukommen. Der Virologe Christian Drosten wies im Podcast „Das Coronavirus-Update“ daraufhin, dass die verändert Symptomatik auch damit zusammenhängen könnte, dass sich vor allem junge ungeimpfte Menschen anstecken. Diese haben generell einen leichteren Verlauf.