Corona Handel BW
: „Click & Collect“: Regierung spricht sich gegen Abhol-Angebote aus

Der Lockdown kommt: Von Mittwoch an müssen Geschäfte zu bleiben. Der Handel will aber zumindest Abholangebote wie in der Gastronomie durchsetzen. Die Landesregierung hat aber Bedenken.
Von
Alexander Kern mit dpa
Ulm
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Die baden-württembergische Landesregierung ist gegen „Click & Collect“ im Handel.

afp
  • Ab dem 16. Dezember geht der Handel in Baden-Württemberg in den Lockdown
  • Geschäftsinhaber setzen auf „Click & Collect“-Angebote
  • Doch die Landesregierung lehnt dieses Konzept ab

Die Einzelhändler in Baden-Württemberg hoffen auf Ausnahmen vom Corona-Lockdown und wollen zumindest im Internet bestellte Waren an die Kunden herausgeben dürfen – das sogenannte Click&Collect. „Wir gehen fest davon aus, dass wir Click&Collect haben können“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, Sabine Hagmann, am Montag. Die Landesregierung hält davon allerdings nichts. „Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv“, sagte ein Regierungssprecher. „Dann stehen die Leute wieder in den Straßen vor den Läden.“ Oppositionspolitiker und Handelsverbände befürchten allerdings gerade wegen der scharfen Lockdown-Auflagen einen Last-Minute-Ansturm und fordern zur Entzerrung eine durchgehende Öffnung über 48 Stunden hinweg.

Handelsverband verweist auf Hygienemaßnahmen

Hagmann sagte, viele Händler hätten in den vergangenen Monaten entsprechende Click&Collect-Angebote unter Einhaltung aller Hygienemaßgaben entwickelt, die müssten sie nun auch nutzen dürfen. Fraglich sei auch, welche Regeln zum Beispiel für den Elektrohandel gelten sollten - ob etwa schon bestellte Waschmaschinen noch geliefert und angeschlossen werden dürften.

Bund und Länder hatten sich am Wochenende darauf verständigt, dass Geschäfte von Mittwoch an geschlossen bleiben müssen. Es gibt allerdings Ausnahmen für bestimmte Branchen - und am Montag waren auch noch nicht alle Details endgültig geklärt.

Der Regierungssprecher betonte, es gelte jetzt, Kontakte radikal zu reduzieren. Das sei der Geist des Bund-Länder-Beschlusses vom Sonntag. Je weniger Kontakte, um so weniger könne das Virus wüten. „Je mehr Ausnahmen wir machen, desto länger brauchen wir, bis die Infektionszahlen deutlich runter sind, desto länger dauert das Elend des Lockdowns, desto länger müssen die Geschäfte zubleiben.“

Sabine Hagmann: Stimmung im Handel ist „furchtbar verzweifelt“

Hagmann sagte, die Stimmung unter den Händlern sei „furchtbar verzweifelt“. „Für uns ist das eine Vollkatastrophe.“ Manche Händler machten in der Weihnachtszeit bis zu 40 Prozent ihres Jahresumsatzes. „Die Kosten, die wir über das gesamte Jahr haben, werden damit bezahlt“, sagte sie. Was bisher an Kompensationsmöglichkeiten auf dem Tisch liege, sei „unterirdisch“.

Natürlich hoffe und setze man nun darauf, bis zur Schließung am Mittwoch noch einmal gute Geschäfte zu machen. „Wir rechnen nicht mit einem riesengroßen Ansturm“, sagte Hagmann. In den kleineren Städten sei der Handel schon am vergangenen Wochenende nicht zufrieden gewesen. Gerade in den großen Städten gehe man aber schon davon aus, dass noch einmal viele Kunden ihre Einkäufe erledigten. Nach Angaben der City-Initiative Stuttgart etwa waren am Montagmittag etwas mehr Menschen in der Innenstadt unterwegs als im Durchschnitt an einem solchen Tag.

Anders als beim Lockdown im Frühjahr sind dieses Mal übrigens auch die Baumärkte von der Schließung betroffen.