Am Tag nach dem Rücktritt von Liz Truss als Premierministerin geht es nur noch darum, möglichst schnell und geordnet einen Nachfolger zu finden. Die Tories denken dabei gar nicht erst daran, Neuwahlen auszurufen – dazu stehen sie in den Umfragen viel zu schlecht da. Stattdessen muss die Regierungspartei jetzt ihren fünften Parteivorsitzenden in sechs Jahren finden. Bis spätestens Freitag, den 28. Oktober soll der neue Premierminister feststehen.
Bei der Suche nach dem Truss-Nachfolger werden aktuell drei Namen gehandelt: Rishi Sunak, der im Sommer bei der letzten Parteiabstimmung gegen Liz Truss verlor, Penny Mordaunt, die aktuelle Vorsitzende des Parlaments, und Boris Johnson.

Comeback von Boris Johnson: Kann das wirklich sein?

Ja, Boris Johnson wird ernsthaft gerade in Betracht gezogen. Aktuell befindet sich der Ex-Premierminister, der im Juli 2022 nach einer Reihe von Skandalen zum Rücktritt gezwungen wurde, im Urlaub in der Karibik. Am Freitagabend wurde jedoch bekannt, dass Johnson bereit ist zu kandidieren. Johnson habe gesagt, er „sei bereit“ und wolle antreten, sagte der konservative Abgeordnete James Duddridge am Freitagabend dem Sender Sky News.
Erste Parteimitglieder haben sich auch schon für Johnson ausgesprochen. Verteidigungsminister Ben Wallace und der Abgeordnete Jacob Rees-Mogg gehören zu denen, die öffentlich für eine Johnson-Kandidatur sind.
Experten zufolge würde Johnson nur dann antreten, wenn er sich sicher ist, dass er gewinnt. Um die Kandidatur zu gewinnen braucht er mindestens 100 Abgeordnete, die für ihn stimmen würden. Die Tories haben insgesamt 357 Sitze im Parlament. Es kann also maximal drei Kandidaten geben.
Johnson gilt innerhalb seiner Partei weiterhin als höchst umstritten. Während sich Johnson-Befürworter öffentlich positionieren, haben sich auch seine Gegner schon deutlich zu Wort gemeldet. Einige haben bereits angekündigt, aus der Partei auszutreten, wenn Johnson wirklich nochmal Premierminister werden würde. Bei der Parteibasis und die Mitgliedern gilt Johnson aber weiterhin als sehr beliebt.
Johnson wird aktuell außerdem noch wegen seines Verhaltens im „Partygate“-Skandal untersucht. Denn immer noch läuft eine Untersuchung im Parlament, die klären soll, ob Johnson im Zusammenhang mit der „Partygate“-Affäre über verbotene Lockdown-Feiern in der Downing Street das Parlament angelogen hat, was ein K.o.-Kriterium im Regierungsamt wäre. Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, könnten Wochen oder gar Monate vergehen.

Neuer Premierminister in UK: So wird gewählt

Um den neuen Premierminister und Vorsitzender der Tories zu bestimmen hat die Partei folgende Regeln aufgestellt:
  • Kandidaten, die sich aufstellen lassen wollen, brauchten bis Montag um 14 Uhr (15 Uhr MESZ) mindestens 100 unterstützende Abgeordnete.
  • Gibt es mindestens zwei Personen mit über 100 Unterstützer, stimmen die Abgeordneten ab. Diese Wahl findet am Montagabend statt.
  • Sollte es keinen klaren Sieger geben, stimmt die Parteimitgliedschaft über die beiden übrigen Kandidaten ab. Die Wahl findet online statt.
  • Am Freitag, 28. Oktober endet die Abstimmung und der neue Premierminister wird bekannt
Es ist also möglich, dass der neue Premierminister am Montagabend bekannt wird. Denkbar ist aber genauso, dass erst am Freitag nach Ausgang der Online-Wahl der Sieger bekannt wird.

Sunak, Mordaunt oder Johnson: Aktuelle Umfragen

Die drei stärksten Kandidaten sind Rishi Sunak, Boris Johnson und Penny Mordaunt. Keiner der drei hat bisher die notwendigen 100 Stimmen zusammen, aber britische Medien vermuten, dass Sunak sie inoffiziell schon hat. Aber auch Johnson scheint nicht gerade wenige Unterstützer zu haben. Das ist der aktuelle Stand (vom Freitag, 21.10.):
  • Rishi Sunak: 81 bestätigte Unterstützer
  • Boris Johnson: 44 bestätigte Unterstützer
  • Penny Mordaunt: 22 bestätigte Unterstützer