Großbritannien wird im Jahr 2022 insgesamt drei Premierminister haben – mindestens. Am 20. Oktober 2022 trat Liz Truss zurück nach nur 44 Tagen im Amt. Der Rücktritt kam nach einer Woche voller Turbulenzen, die dazu führten, dass Truss das Vertrauen ihrer eigenen Partei verloren hat.
Berechtigt kommt nun die Frage: Was nun? Truss kündigte in ihrer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz an, dass bis kommende Woche ein neuer Parteivorsitzender bestimmt werden würde. Neuwahlen sind aber noch immer unwahrscheinlich. Warum das so ist, erklären wir hier.

Nach Truss-Rücktritt: Keine Neuwahlen in Sicht

Die Forderung der Oppositionsparteien lautet schon länger: Es braucht Neuwahlen. Direkt nach dem Rücktritt von Truss forderte der Vorsitzende der Labour-Partei Keir Starmer erneut neue Wahlen. Doch sind diese nicht besonders wahrscheinlich, was mit dem britischen Wahlsystem zusammenhängt.
In Großbritannien finden Wahlen mindestens alle fünf Jahre statt. Die Partei, die den Premierminister stellt, kann aber im Grunde jederzeit eine Wahl ausrufen. 2019 fand die letzte Parlamentswahl statt, die nächste müsste also spätestens 2024 abgehalten werden. Die Tories haben aktuell kein Interesse daran, eine vorgezogene Wahl auszurufen – denn in den Umfragen sieht es für sie sehr schlecht aus. Eine neue Umfrage prognostiziert, dass die Konservativen 28 Prozent der Stimmen bekommen würden, die Labour käme auf 43 Prozent. Für die Tories wäre das das schlechteste Ergebnis seit 1906. Da die Konservativen also die einzigen sind, die Wahlen ausrufen können, werden sie es so lange wie möglich hinauszögern. 2019 gewannen sie eine satte Mehrheit mit 43,6 Prozent der Stimmen – diese wollen sie so schnell nicht wieder aufgeben.
Für die Tories geht es also um die richtigen Zeitpunkt. Warten sie zu lange, könnten sie auch gerade deswegen von den Wählern und Wählerinnen abgestraft werden. Und es geht um den richtigen Spitzenkandidaten. Dieser ist nämlich weit und breit nicht zu sehen.

Chaos in Großbritannien: Wer wird der neue Premierminister?

Wer also kommt jetzt? Die Regierungspartei muss nun einen neuen Premierminister bestimmen, was wohl schnell passieren soll. Aktuell werden drei Namen öffentlich als potentielle Nachfolger gehandelt: Rishi Sunak - der im Sommer bei der Abstimmung gegen Truss unterlegen war -, der aktuelle Finanzminister Jeremy Hunt oder die Parlamentsvorsitzende Penny Mordaunt. Aber auch Boris Johnson will Medienberichten zufolge erneut kandidieren.