• Wegen hoher Corona-Zahlen gilt seit 2. November ein „Lockdown light“, der die meisten Fitness-Studios in Deutschland betrifft.
  • Unterschiedliche Urteile in verschiedenen Bundesländern lassen bundesweit keine klare Linie zum Thema Fitness-Studio erkennen.
  • Rechtlich gesehen galten in Bayern manche Fitness-Angebote schon seit Beginn des Lockdowns als „Dienstleistungen“.
  • Nun dürfen alle Fitness-Studios im Freistaat wieder für Personal Training öffnen.
Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die vollständige Schließung von Fitnessstudios annulliert. Ein komplettes Betriebsverbot verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, entschieden die Richter. Die entsprechende Vorschrift in der bayrischen Corona-Verordnung wurde bereits außer Vollzug gesetzt. Allerdings hat der Freistaat nun kurzerhand angekündigt, mit einer neuen Verordnung jeglichen Indoor-Sport verbieten zu wollen.
In Bayern galt zwar schon seit Beginn des Lockdowns die Regelung, dass Fitnessstudios generell geschlossen bleiben. Ausnahmen gab es jedoch für Yoga-Stunden und EMS-Studios mit Elektrostimulation, da diese Bereiche rechtlich nicht als Fitness angesehen werden, sondern als „Dienstleistungen“. Es werde dort ausschließlich Individualsport betrieben, hieß es nach einigem Hickhack mit lokalen Behörden. „Seit Dienstag haben wir wieder offen – der Montag ist uns verloren gegangen“, sagte der Nürnberger EMS-Studio-Betreiber Robin Maul dem Nachrichtenportal „inFranken“. Der Terminkalender sei mittlerweile wieder voll ausgebucht, so Maul.
Nun kommen die Lockerungen auch anderen zugute: Der Senat des Verwaltungsgerichtshofs ging in seinem Urteil davon aus, dass Betreiber von Fitnessstudios durch die Regeln ohne sachliche Rechtfertigung benachteiligt würden. Denn andere Einrichtungen des Freizeitsports durften eben bereits seit 2. November 2020 „allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands“ genutzt werden. Dies ist ab sofort nun wieder überall möglich.

Fitness-Studio und Yoga: Unklarheit in Baden-Württemberg

Anderswo in Deutschland herrscht indes noch große Lockdown-Verwirrung um Fitnessstudios. Während eine Betreiberin vor dem Verwaltungsgericht Hamburg Recht bekam und ihr Fitness-Studio nun wieder öffnen darf, gab es in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen anderslautende Urteile.
Was Fitness-Studios in Baden-Württemberg betrifft, so gibt es nach wie vor widersprüchliche Aussagen von Ministerien und örtlich zuständigen Ordnungsämtern. Laut dem Wortlaut der Corona-Verordnung ist jedoch davon auszugehen, dass Personal Training und Reha-Sport auch im Fitness-Studio möglich ist – also „allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts“. Yoga sollte nach Aussage des Sozial- und Gesundheitsministeriums von „Manne“ Lucha aber wohl nur im Außenbereich erlaubt sein, wie auch aus einer tabellarischen Übersicht mit erlaubten Aktivitäten in Baden-Württemberg hervorging. Außerdem verweisen auch manche Ordnungsämter weiter auf „Personal Training“ allein im Freien. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport vertritt allerdings eine andere Auffassung. Selbst nach mehr als einer Woche Lockdown ist die Lage für Fitnesstudios in Baden-Württemberg somit noch prekär und unklar.

Fitness-Studios BW, NRW, Bayern & Co.: Klagen in mehreren Bundesländern

Unterdessen darf in Hamburg „Fitness First“ seine 8 Studios wieder öffnen. Laut Business Insider haben inzwischen fast alle großen Fitnessstudio-Ketten in mehreren Bundesländern Klagen gegen den Lockdown eingereicht. Trotz einigen Achtungserfolgen in erster Instanz gab es vor Oberverwaltungsgerichten bereits mehrere Niederlagen zu verzeichnen – zum Teil auch rechtskräftig. Eine höchstrichterliche Klärung steht noch aus und könnte mehr Zeit in Anspruch nehmen als die voraussichtliche Dauer des Lockdowns.