Spätestens seit Montag, dem 27. April, gehören Masken zum alltäglichen Bild beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach Bayern und Baden-Württemberg zogen angesichts der Corona-Pandemie nun alle Bundesländer nach und machten aus einer „dringenden Empfehlung“ eine Maskenpflicht. Doch was ist mit Kindern? Können und sollen auch sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen? Wir haben alle Informationen für euch zusammengestellt und mit einer Ulmer Kinderärztin gesprochen.

Gilt für Kinder in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht?

Kinder, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Kinder bis zum sechsten Geburtstag werden von der Maskenpflicht in Baden-Württemberg ausgenommen. So lautet die Neufassung der Corona-Verordnung, die am Donnerstag beschlossen wurde und am Montag in Kraft treten soll. Während des Unterrichts an den Schulen im Land soll keine Maskenpflicht gelten, allerdings für die Fahrt zur Schule mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Maskenpflicht in Bayern: Kinder müssen ab siebtem Lebensjahr eine Maske tragen

In Bayern soll die Maskenpflicht für Kinder ab dem siebten Lebensjahr gelten also auch ab 6 Jahren. Das beschloss das Kabinett am Dienstag in München, nachdem das grundsätzliche Vorhaben bereits am Montag angekündigt worden war. Von Montag an gilt im Freistaat in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr die Pflicht, Mund und Nase zu verhüllen.

Rund um das Mindestalter hatte es einige Verwirrung gegeben. Der bayrische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) hatte zunächst erklärt, die Maske sei ab sieben Jahren Pflicht. Später korrigierte die Staatsregierung ihre Angaben. Die Maskenpflicht gilt bereits ab dem siebten Lebensjahr, also sobald ein Kind den sechsten Geburtstag gefeiert hat.

Maskenpflicht in Deutschland: Ist ein Mund-Nasen-Schutz für Kinder bedenklich?

In den vergangenen Tagen machte auf Whatsapp und in sozialen Netzwerken ein Gerücht zum Thema Maskenpflicht für Kinder die Runde. In der anonymen Warnung heißt es, dass Atemmasken für Kinder gefährlich sein können. Darunter sammle sich nämlich in der ausgeatmeten Luft enthaltenes schädliches Kohlendioxid (CO2), das gerade bei Kindern zu Atemlähmungen führen könne. Kinderärzte haben dazu mittlerweile Statements abgegeben – und gleichzeitig Entwarnung.

Ulmer Kinderärzte zum Thema Masken bei Kindern

Dr. med. Christian Buck ist Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin in Blaustein – unter anderem mit dem Praxisschwerpunkt der Kinderpneumologie. Er hält es für sinnvoll, wenn auch Kinder Masken tragen. Doch ab welchem Alter funktioniert es, dass Kinder einen Mund-Nasen-Schutz tragen? „Ich würde bei Kindern das Vorschulalter mit vier oder fünf Jahren als Grenze sehen“, sagt der Mediziner. Die Voraussetzung sei dabei, dass Eltern ihre Kinder „gut anleiten“. Dabei gilt: „Wichtig ist, dass gewährleistet wird, dass die Hände von der Maske im Gesicht wegbleiben. Sie sollte zudem gut sitzen.“

Der Kinder- und Jugendarzt hat mit dem Tragen von Mundschutz bei Kindern in seiner Praxis gute Erfahrungen gemacht. Er ist der Meinung, dass „viele Kinder schon sehr gut aufgeklärt sind“. Sie würden verstehen, was ihre Eltern ihnen über das Coronavirus und die aktuellen Umstände erklären. Eine Maske aufzusetzen sei dabei nur noch ein zweiter Schritt. Eine Gefahr sieht der Mediziner im Tragen einer einfachen medizinischen Maske oder den Alltagsmasken bei Kindern nicht. „Dass es eine sogenannte CO2-Narkose gibt, ist mit diesen Masken nicht möglich.“

Dr. med. Regina Gaissmaier ist Kinder- und Jugendärztin im u-kidz Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm. Auch sie hält das Tragen von Schutzmasken bei gesunden Kindern für unbedenklich – „sofern die Maske gut angepasst und das Material ausreichend luftdurchlässig ist“. Der Atemwiderstand erhöhe sich zwar durch das Tragen einer Maske, doch sollten prinzipiell herz- und lungengesunde Kinder dies problemlos kompensieren können. "Ein gesundes Kind, das wach ist, bemerkt, wenn der CO2-Gehalt im Blut steigt. Es atmet dann automatisch schneller, um das CO2 abzuatmen oder nimmt die Maske ab“, sagt die Medizinerin. Denn: "Jedes Kind, dem es nicht gut geht, zeigt das auch“.

Die Kinder- und Jugendärztin spricht von ihrer Erfahrung in der Praxis: Sie habe viele Kinder mit Maske gesehen, teilweise hätten sie den Mund-Nasen-Schutz über eine Stunde getragen. "Wenn Kinder eine Maske akzeptieren und sich mit der Maske ruhig verhalten oder spielen, kann man davon ausgehen, dass sie keine Atemnot haben“, erklärt Dr. Gaissmaier.

Das ist zu beachten, wenn Kinder eine Maske tragen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) erklärt, welche Bedingungen zu beachten sind, wenn Kinder einen Mundschutz tragen:

  • Die Maske muss Kinn bis Nasenrücken vollständig bedecken und dabei keine Öffnungen bilden.
  • Einmal aufgesetzt, sollte der Träger sie möglichst nicht berühren.
  • Vor allem letzteres klappt bei Kindern vermutlich nur, wenn Eltern immer wieder darauf hinweisen – je jünger das Kind, desto öfter.