Schwörmontag 2023 Ulm
: Was steckt hinter der Schwörrede an Schwörmontag?

Sie ist das Herzstück des Ulmer Stadtfestes: Die Schwörrede. Jedes Jahr zieht sie tausende Zuschauer an den Weinhof an. Doch was ist die Schwörrede überhaupt?
Von
Amelie Schröer
Ulm
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  • „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt, so wahr ihm Gott helfe“ – das schwörte Ulms OB Gunter Czisch im vergangenen Jahr in seiner Schwörrede.

    „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt, so wahr ihm Gott helfe“ – das schwörte Ulms OB Gunter Czisch im vergangenen Jahr in seiner Schwörrede.

    Volkmar Könneke
  • Ulms OB Gunter Czisch 2022 bei der Schwörrede auf dem Balkon des Schwörhaus am Weinhof. Hier spricht er die Schwörformel.

    Ulms OB Gunter Czisch 2022 bei der Schwörrede auf dem Balkon des Schwörhaus am Weinhof. Hier spricht er die Schwörformel.

    Lars Schwerdtfeger
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Viel Party und Feierei sind Kennzeichen des Schwörmontag in Ulm. Am vorletzten Montag im Juli verwandelt sich die Münsterstadt in ein buntes Spektakel, bei dem — vor allem aus politischer Sicht — die Schwörrede im Mittelpunkt steht. Aber was verbirgt sich hinter der Tradition?

Schwörrede an Schwörmontag: Wer schwört da eigentlich was?

Die Schwörrede ist fester Bestandteil an Schwörmontag. Vor allem aus politischer Sicht gilt ihr ein besonderer Fokus, denn der Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin tritt um 11 Uhr vor die Ulmer Bürgerinnen und Bürger und legt in einer etwa einstündigen Rede Rechenschaft ab. Zuletzt hielt OB Gunter Czisch die Rede vor tausenden Zuschauern auf dem Balkon des Schwörhaus am Weinhof.

Auch nach jahrelanger Tradition spielt die Schwörrede noch heute eine wichtige Rolle. Sie kennzeichnet Beginn und Ende des politischen Jahres in Ulm. Nach ihr beginnt die kommunalpolitische Sommerpause. Zunächst berichtet der OB — in diesem Jahr wieder Gunter Czisch — in seiner Rede, was in der Stadt seit dem vergangenen Schwörmontag passiert ist — er legt Rechenschaft dafür ab. Danach stellt er vor, was politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich für das nächste Jahr geplant ist. Abschließend erhebt Czisch die rechte Hand und gelobt den Ulmer Bürgerinnen und Bürger in der Schwörformel, „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne Vorbehalt, so wahr ihm Gott helfe“.

Schwörrede in Ulm: So alt ist die Tradition

Die Geschichte der Schwörrede reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Stadt Ulm verbunden. Der Ursprung der Schwörrede liegt im Ulmer Stadtrechtsschwur — eine Vereinbarung zwischen den Bürgern von Ulm und den Landesherren, um die Bürgerrechte und Privilegien der Stadt zu schützen.

Der Schwur entwickelte sich mit der Zeit zu einem Ritual, bei dem der amtierende Oberbürgermeister beziehungsweise die Oberbürgermeisterin vor der Bürgerschaft einen Eid ablegte, das Wohl der Stadt zu wahren und das Amt gewissenhaft auszuführen. Die feierliche Vereidigung fand traditionell am vorletzten Montag im Juli statt und wurde bald als Schwörmontag bekannt.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Schwörrede zu einem Symbol für die politische Verantwortung der Amtsträger gegenüber den Bürgern. Für den OB war die Rede eine Möglichkeit, sich vor der Bürgerschaft zu rechtfertigen, die aktuellen Herausforderungen anzusprechen und den Bürgern zu versichern, dass sie ihre Aufgaben gewissenhaft erfüllen würden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Schwörrede vor allem dazu genutzt, die nationalsozialistischen Ziele und politischen Programme zu betonen und die Bürger zur Unterstützung des Regimes aufzurufen. Die Nationalsozialisten verstanden die Schwörrede als Treuegelöbnis zwischen „Führer und Gefolgschaft“. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtete der neue OB Robert Scholl auf den Schwörakt. Sein Nachfolger, Theodor Pfizer, führte ihn 1949 wieder ein.

Wirtschaft, Umwelt und Stadtentwicklung: Welche Themen sind Bestandteil der Schwörrede?

Die Schwörrede ist natürlich nicht jedes Mal gleich. Ihr Inhalt variiert von Jahr zu Jahr. Die Themen orientieren sich immer an den aktuellen Geschehnissen. Zum Beispiel:

  • Stadtentwicklung und Infrastruktur
  • Soziale Themen.
  • Wirtschaft und Arbeitsplätze
  • Umwelt und Nachhaltigkeit
  • Kultur und Tourismus

Die konkreten Schwerpunkte der Schwörrede werden vom amtierenden OB festgelegt.

Schwörformel: Was genau verspricht der Oberbürgermeister?

Höhepunkt der Schwörrede ist die sechseinhalb Jahrhunderte alte Schwörformel. Sie folgt immer zum Ende der Rede und enthält den Eid, den der OB ablegt, um die Verpflichtungen gegenüber der Stadt Ulm und den Bürgerinnen und Bürgern zu bekräftigen: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“

Der Satz unterstreicht die Verpflichtung des OB, unparteiisch zu handeln und gleiche Chancen und Rechte für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Er symbolisiert außerdem die demokratischen Werte und den Einsatz für eine gerechte Gesellschaft. Zeitgleich hebt der OB die rechte Hand zum Schwur–Zeichen und es erklingt die Schwörglocke des Ulmer Münsters, die nur an diesem Tag geläutet wird.

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