Mord an Ece in Illerkirchberg
: Anklage verlesen: So lief der erste Verhandlungstag um den tödlichen Messerangriff

Der tödliche Messer-Angriff auf Ece (14) aus Illerkirchberg bewegte Deutschland. Heute, 02.06.2023, fand am Ulmer Landgericht der erste Verhandlungstag statt. Eindrücke vom Mordprozess.
Von
Helga Mäckle,
Sven Kaufmann,
Amelie Schröer
Ulm
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  • Der Mord an Ece im Dezember 2022 löste bundesweit Entsetzen aus. Heute, 02.06.2023, beginnt der Prozess vor dem Landgericht Ulm.

    Der Mord an Ece im Dezember 2022 löste bundesweit Entsetzen aus. Heute, 02.06.2023, beginnt der Prozess vor dem Landgericht Ulm.

    Volkmar Könneke
  • Warten vor dem Gerichtssaal auf Einlass. Vor dem Landgericht Ulm beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg.

    Warten vor dem Gerichtssaal auf Einlass. Vor dem Landgericht Ulm beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg.

    Sven Kaufmann
  • Pressevertreter strömen ins Landgericht Ulm. Dort beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg.

    Pressevertreter strömen ins Landgericht Ulm. Dort beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg.

    Sven Kaufmann
  • Vor dem Landgericht Ulm beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg. Rund 20 Reporter und mehrere Zuschauer verfolgen das Verfahren, die Sicherheitsvorkehrzungen sind hoch.

    Vor dem Landgericht Ulm beginnt am 02.06.2023 der Prozess um den Mord an Ece aus Illerkirchberg. Rund 20 Reporter und mehrere Zuschauer verfolgen das Verfahren, die Sicherheitsvorkehrzungen sind hoch.

    Sven Kaufmann/Helga Mäckle
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Die Bluttat vom 05.12.2022 macht bis heute fassungslos: Zwei Freundinnen, 13 und 14 Jahre alt, sind an dem Wintermorgen wie jeden Tag auf dem Weg zur Schule. Plötzlich stürmt ein Mann auf sie zu und greift sie völlig unvermittelt mit einem Messer an, er sticht auf die Mädchen ein. Die 13-Jährige überlebt schwer verletzt. Die erst 14 Jahre alte Ece aus Illerkirchberg dagegen schafft es nicht: Sie erliegt im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Mord-Prozess um Eces Tod: Hoffen auf Antworten

Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus. Nicht nur angesichts der grausamen Bluttat selbst. Es gab auch politische Debatten um aufkommende Hetze und die Migrationspolitik in Deutschland: Der Tatverdächtige ist ein zur Tatzeit 27 Jahre alter Mann aus Eritrea.

Und über allem steht bis heute die Frage nach dem Warum. Laut Staatsanwaltschaft plante der Mann einen Überfall auf das Landratsamt in Ulm, um einen Ausweis zu erzwingen. Mit dem jetzt beginnenden Prozess gegen den jungen Mann, der des Mordes, des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt ist, hoffen die Angehörigen der beiden Mädchen und die vielen Menschen, die mit ihnen fühlen, auf weitere Antworten. Ein Urteil wird Anfang Juli erwartet. Bis dahin wird es, wie Illerkirchbergs Bürgermeister Markus Häußler vor Beginn des Prozesses sagte, „für alle Beteiligten und für alle Betroffenen ein harter Weg werden.“

Wenige Plätze für Medien: Reporter stehen Schlange

Entsprechend groß ist der Aufmerksamkeitsgrad bei den Medien vor dem Landgericht Ulm, dessen 3. Große Strafkammer zunächst fünf Verhandlungstage für den Mordprozess angesetzt hat. Weil das Gericht lediglich 20 Plätze für die Presse und 50 Plätze für die Öffentlichkeit vorgesehen hat, stehen bereits am frühen Morgen gegen 7 Uhr erste Reporter vor dem Landgericht in der Olgastraße, obwohl die Verhandlung erst um 10 Uhr beginnt.

Um 8 Uhr, als der Haupteingang geöffnet wird, sind es bereits rund 20 Reporterinnen und Reporter, die in das Gebäude strömen.

Ece-Prozess: Kontrollen am Eingang des Landgerichts Ulm

Das Gericht hat sich auf den Aufsehen erregenden Prozess vorbereitet: Schon am Eingang sind die Zugänge getrennt nach Zuschauern und Medienvertretern. „Presse rechts, Zuschauer links“, sagt einer der Justizbeamten. Etliche Polizeibeamte im Foyer beobachten das Treiben. Oben, vor dem Saal 126, wird jeder Besucher noch einmal von vier bis fünf Beamten genauer kontrolliert: Alle müssen durch eine Metallschleuse, Taschen müssen in Schließfächern deponiert werden.

Zuschauer zum Messerangriff: Das liegt an der Politik

Private Zuschauer gibt es gegen 8.45 Uhr erst zwei, zum Prozessbeginn werden es mehr. Einer davon ist ein Mittfünfziger. Er komme nicht direkt aus Illerkirchberg, sagt er, aber er kenne viele Menschen dort. Er will den Mord-Prozess um das Verbrechen in Illerkirchberg im Saal verfolgen. Zur Tat sagt er: „Das liegt an der Politik.“ Diese müsse aktiver werden. Er habe nichts gegen die aktuelle Asylpolitik, aber das müsste besser gesteuert werden. Er sei früher oft in den USA gewesen. Dort sei seit den Anschlägen vom 11. September 2001 die Kontrolle von jedem, der in das Land einreise, stark intensiviert worden.

Einlass in den Gerichtssaal: Der Prozess beginnt gleich

Der Einlass in den Gerichtssaal beginnt gegen 9 Uhr nach Taschenkontrollen und Körperscans. Unterdessen postieren sich neun Polizisten vor dem Gebäude. Eine Gruppierung hat vor dem Gericht ein Banner ausgerollt.

Vor dem Landgericht Ulm rollen vier Personen ein Banner aus, während innen der Prozess beginnt.

Amelie Schröer

Im Saal hat die Anwältin des Angeklagten, Corinna Nagel, ihre Tasche abgelegt, auch der Nebenklägeranwalt Süleyman Pozan hat Platz genommen. Die Anwältin Sylvia Urban vertritt die Eltern der 13-Jährigen, sie kommen nicht zum Prozess.

Anwältin Nagel sagt, dass noch nicht klar sei, ob der Angeklagte sich äußern werde. Er sei in keinem guten Zustand. Er habe die Nacht vor dem Prozess in der Untersuchungshaft in Ulm verbracht, nun sitzt er hinten.

Auch ein psychiatrischer Gutachter, Dr. Peter Winckler, ist im Saal. Der Gong erklingt um 10.02 Uhr. Erst eine gute halbe Stunde später geht es wirklich los – bis dahin ließ ein Dolmetscher auf sich warten. Um 10.29 Uhr wird der Angeklagte abgeholt.

Anklage verlesen: Erster Verhandlungstag endet früh

Etwa 15 Minuten später, um 10.46 Uhr, ist alles bereits vorbei. Unmittelbar zuvor wurde im Gerichtssaal die Anklage verlesen: „Die Anklage wirft dem Angeklagten vor, einen versuchten Mord und einen Mord in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung. Die Anklage fordert eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten“, bestätigt nach dem Ende der Verhandlung Staatsanwältin Nadine Schmelzer.

Vertreterinnen und Vertreter, die an dem Prozess um den Mord an Ece beteiligt sind, stehen im Anschluss Rede und Antwort. Auch die Anwältin des Angeklagten, Corinna Nagel, beantwortet Fragen: „Ein Prozessbeginn ist für alle Beteiligten immer sehr schwierig. Auch für die Angeklagten. Ihm geht es dementsprechend auch nicht gut. Er hat mehrere Tage nicht richtig schlafen können und ist für heute sehr aufgeregt gewesen.“

Corinna Nagel, Anwältin des Angeklagten, nach dem Prozessauftakt.

Helga Mäckle

Der 27-Jährige zeige sich nach der Tat Anfang Dezember schuldbewusst: „Er ist sehr still und zurückhaltend. Er ist sehr introvertiert und hat ja auch versucht sich umzubringen. Ein größeres Anzeichen für Reue gibt es nicht“, so Nagel.