Landtagswahl BW 2026: SWP-Forum: Özdemir setzt in „krassen Zeiten“ auf die Mitte

Will Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden: Cem Özdemir von den Grünen.
Matthias Kessler- Özdemir tritt in Ulm auf: volle Halle, Ziel klar – Ministerpräsident werden.
- „Krasse Zeiten“: AfD dominiert Osten, Trump in Amerika; wünscht sich Reagan/Bush zurück.
- Dialog-Prinzip: „Gespräche funktionieren nur, wenn der andere recht haben könnte.“
- Keine Berliner Grünen: nennt BaWü-Grüne „gallisches Dorf“, lobt Kretschmanns Rolle.
- Auto ohne Kulturkampf, Fokus auf KI/Robotik; Ulm als Erfolgsstory mit Batterieforschung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein schwarzer Mercedes-Benz-Bus rollt am Montagabend vor dem Ulmer Stadthaus vor – und schon das Kennzeichen wirkt wie eine Ansage: S-OE 2026. Als würde da nicht nur ein Gast ankommen, sondern gleich eine Wahlbotschaft auf Rädern. Drinnen, im Stadthaus, ist der Saal voll, bis hinauf auf die Empore stehen die Leute. Draußen steigt Cem Özdemir aus, dunkler Anzug, dynamischer Schritt Richtung Bühne – er will ausstrahlen, was auf seinen Plakaten steht: „Der kann es.“ Er will Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Am 8. März wählt das „Ländle“.
Moderiert wird das Form der SÜDWEST PRESSE an diesem Abend von Stuttgart-Korrespondent Axel Habermehl und Chefredakteur Ulrich Becker. Özdemir sagt, zuletzt sei er vor zwei Jahren in Ulm gewesen – und legt dann gleich den Ton fest: Es seien „krasse Zeiten“, in denen wir leben. Die AfD dominiere den Osten Deutschlands, Donald Trump Amerika. Und er schiebt einen Satz hinterher, der im Publikum hörbar verfängt: Er hätte nie gedacht, dass er sich einmal Ronald Reagan oder „einen Bush“ zurückwünschen würde. Applaus.
Gespräch statt Gehässigkeit
Özdemir, zuletzt Landwirtschaftsminister in der gescheiterten Ampel-Regierung, sagt: An Berlin vermisse er wenig – vor allem nicht den Umgangston. Er betont, worauf es ihm im Dialog ankommt: „Voraussetzung für ein Gespräch ist, dass der andere recht haben könnte.“ Das gelte in der Politik mehr denn je. Seine Partei müsse nicht immer recht haben; im Zweifel sei das bessere Argument wichtiger als Parteilogik.
Es sind diese Momente, in denen der Saal ganz bei ihm ist – und dann wieder die kleinen Szenen, die so einen Abend erden. Irgendwo niest jemand. Özdemir schaut ins Publikum und sagt trocken: „Gesundheit.“

Cem Özdemir: „Bei uns Schwaben kommt es nicht aufs Gehalt an, sondern aufs Schaffen.“
Matthias KesslerDie Grünen in Baden-Württemberg, macht er deutlich, seien mit den Grünen in Berlin ohnehin schwer vergleichbar. Er nennt sie ein „gallisches Dorf“. Und er erzählt von den letzten Zügen der Ampel, in denen er sogar zwei Ministerien geführt habe – aber nur ein Gehalt bezogen. Dazu der Satz, der sitzen bleibt, weil er so bewusst auf Bodenhaftung zielt: „Bei uns Schwaben kommt es nicht aufs Gehalt an, sondern aufs Schaffen.“
Über Winfried Kretschmann spricht Özdemir mit Respekt: Der Noch-Amtsinhaber und Parteikollege habe große Spuren hinterlassen, gelte bei den Grünen als „Hausphilosoph“. Als Ministerpräsident würde Özdemir gern in seinem Sinne weitermachen und die Mitte zusammenhalten – das Erstarken der Ränder mache ihm große Sorgen.
Kein Kulturkampf ums Auto
Natürlich kommt auch die Autokrise im „Ländle“ zur Sprache. Özdemir warnt vor einem „Kulturkampf ums Auto“ – den brauche es nicht. Gleichzeitig betont er, dass die Menschen im Land – gut 7,7 Millionen – trotz allem auch anerkennen sollten, wie gut es ihnen noch gehe. Er setzt den Kontrast bewusst hart: verglichen mit dem Leid im Iran oder dem Leid der Kurden in Syrien. Es sei keine Zeit, immer nur zu klagen.

Beim SWP-Forum im Ulmer Stadthaus am Montag war Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Ministerpräsidenten, zu Gast.
Matthias KesslerUnd dann dreht er den Blick nach vorn, auf das, was Baden-Württemberg könne: KI-Expertise in Mannheim und Tübingen, Metzingen als Standort für humanoide Roboter. Und Ulm? Sei ohnehin eine eigene Erfolgsgeschichte: Wissenschaftsstadt, die Nutzfahrzeug-Krise der 60er überstanden, Exzellenz-Cluster, Forschung an der Batteriezelle der Zukunft. Die Welt, sagt er sinngemäß, könne von Ulm einiges lernen.
Bei der Frage nach der Konkurrenz wirkt Özdemir auffallend kontrolliert: Über Manuel Hagel von der CDU wolle er nichts Schlechtes sagen. Schließlich sieht alles danach aus, dass man am Ende zusammen regiert.
Landtagswahl 2026
Am 8. März 2026 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Können die Grünen mit Cem Özdemir den zweiten grünen Ministerpräsidenten der Landesgeschichte stellen oder holt Manuel Hagel Baden-Württemberg für die CDU wieder zurück? Wie stehen die Chancen der anderen Parteien?
Infos, Hintergründe und Interviews zur Wahl finden Sie in unserer Übersicht.
- Das sind die Spitzenkandidaten der sechs größten Parteien
- „BaWü“-Check zur Landtagswahl 2026: Özdemir in Umfrage weiter vorn
- Die Spannung kehrt zurück – Fünf Thesen zur neuen Wahl-Umfrage
- Umfrage zur Landtagswahl: Der Özdemir-Faktor ist Hagels Dilemma
- Landtagswahl Baden-Württemberg: Parteien in den Startlöchern
- Erfolge, Pannen und Visionen – Das Team Kretschmann in der Einzelwertung
Wie funktioniert die Wahl?
- Die 20 wichtigsten Fragen und Antworten zur Landtagswahl
- Wen soll ich wählen? Der „Party-Check“ hilft
- Von Wahlbenachrichtigung bis Stimmzettel – alles Wichtige zum Urnengang
- Wie funktioniert die Briefwahl?
- So funktioniert die Auszählung der Stimmen
- So funktioniert das neue Wahlrecht im Südwesten

