Gruppenvergewaltigung von 2019: Täter von Illerkirchberg nach Afghanistan abgeschoben

Im Jahr 2020 stehen mehrere Angeklagte wegen einer Gruppenvergewaltigung in Illerkirchberg vor dem Ulmer Landgericht. Jetzt ist einer der Täter nach Afghanistan abgeschoben worden.
Matthias KesslerErstmals seit drei Jahren ist aus Deutschland am Freitagmorgen wieder ein Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet – um 6.56 Uhr vom Flughafen Leipzig/Halle. Mit an Bord: Ein 31-jähriger Afghane, der im Jahr 2019 mit drei anderen Männern eine Gruppenvergewaltigung an einer 14-Jährigen begangen hatte. Das teilte die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges (CDU) am Freitag mit. „Unter den abgeschobenen Personen befindet sich ein verurteilter Straftäter, der im Raum Ulm gemeinsam mit drei weiteren Tätern eine damals 14-Jährige über mehrere Stunden vergewaltigt hatte“, heißt es in der Mitteilung. „Die Geschädigte war zuvor unter Alkohol- und Drogeneinfluss gesetzt worden. Die Tat hatte tiefe Bestürzung in der Bevölkerung hervorgerufen.“
Der Afghane war im November 2015 eingereist, sein Asylantrag wurde im April 2017 abgelehnt. Nach der Gruppenvergewaltigung an Halloween 2019 wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt. Ende 2022 kam er auf freien Fuß – und kehrte zum Unverständnis vieler Menschen ausgerechnet in die Gemeinde Illerkirchberg zurück, in der er die Tat begangen hatte. Der Fall wurde daraufhin zum Politikum, auch das baden-württembergische Justizministerium setzte sich ein und machte Druck auf die Bundesregierung.
Insgesamt seien fünf „schwere Straftäter“ aus Baden-Württemberg an Bord des Fliegers gewesen, teilte das Landesjustizministerium mit. Vier davon saßen zuletzt im Gefängnis. Der 31-jährige Afghane aus Illerkirchberg war dabei offenbar der einzige, der erst kurz vor der Abschiebung von der Landespolizei festgenommen worden war.
Versuchte Tötungsdelikte und Intensivtäter
Bei den weiteren abgeschobenen Personen handelt es sich nach Angaben des Ministeriums um schwere Gewalttäter, die wegen versuchter Tötungsdelikte zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren, sowie einen verurteilten Mehrfach- und Intensivtäter, der über 160 Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten war.
Die Abschiebungen seien unter anderem in enger Abstimmung mit dem „Sonderstab gefährliche Ausländer“ geschehen, der in Baden-Württemberg bereits seit 2018 insbesondere Gefährder und Straftäter in den Blick nimmt und deren Abschiebung forcieren soll.
„Seit 2021 haben Ministerin Gentges und ich die Bundesregierung aufgefordert, Abschiebungen nach Afghanistan wieder zu ermöglichen. Es ist gut, dass wir heute eine Chartermaßnahme nach Afghanistan erfolgreich durchgeführt haben“, sagte Siegfried Lorek (CDU), der als Staatssekretär im Ministerium für Migration zuständig ist. „Wir konnten heute fünf schwere Straftäter nach Afghanistan abschieben. Das ist ein Gewinn für die Sicherheit in unserem Land. Ich danke allen, die an der Maßnahme beteiligt waren, für ihren Einsatz.“



