Die Messer-Attacke auf zwei Mädchen in Illerkirchberg, bei der eine 14-Jährige zu Tode kam, wühlt viele Menschen in der Region und bundesweit auf. In manchen Online-Kommentaren und auch Presse-Berichten heißt es: „Schon wieder Illerkirchberg“. Denn bereits im Jahr 2019 wurde in dem 5000-Einwohner-Ort im Alb-Donau-Kreis eine 14-Jährige zum Opfer. In der Halloween-Nacht wurde sie damals in einer Flüchtlingsunterkunft im Ort von fünf jungen Männern vergewaltigt. Eine Übersicht zum Fall.

Was ist bei der Vergewaltigung an Halloween 2019 in Illerkirchberg passiert?

Das Opfer, ein 14-jähriges Mädchen, war am Halloween-Abend 2019 (31. Oktober) in Ulm mit einer Freundin unterwegs gewesen. Sie ließ sich laut Anklage der Staatsanwaltschaft überreden, mit den fünf jungen Asylbewerbern in eine Unterkunft am Rande von Illerkirchberg zu gehen. Dort wurden ihr Drogen in ein Getränk gemischt, und sie wurde von vier Tätern in der Nacht mehrfach vergewaltigt. Im späteren Gerichtsverfahren bestätigten sich die Vorwürfe weitestgehend.

Handelt es sich bei beiden Taten um dieselbe Asylunterkunft?

Nein. Die Tat von 2019 spielte sich in einer Unterkunft am Rande eines kleinen Teilorts von Illerkirchberg ab, eine ehemalige Hofstelle, in der einer der Täter untergebracht war. Der Eritreer, dem die tödliche Messer-Attacke vorgeworfen wird, lebte hingegen in einem Haus im Teilort Oberkirchberg. In einer der Wohnungen dort lebt eine siebenköpfige Familie, in der anderen vier Männer aus Eritrea. Das Haus wird derzeit zur Sicherheit von der Polizei bewacht.

Wer waren die Täter der Vergewaltigung von 2019?

An der Tat in der Halloween-Nacht 2019 waren insgesamt fünf junge Männer beteiligt – es handelte sich um Asylsuchende aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak im Alter von 15, 16, 17, 25 und 27 Jahren. Einer der Beschuldigten, ein 15-Jähriger, war mit dem Opfer bereits vorher befreundet gewesen.

Wie wurden die Täter verurteilt?

Der Prozess gegen die fünf jungen Männer hatte im Juli 2020 begonnen. Für zwei der Angeklagten, die noch nicht volljährig waren, lautete das Urteil auf zwei Jahre und drei Monate Haft nach Jugendstrafrecht. Die beiden erwachsenen Angeklagten erhielten Strafen von zwei Jahren und zwei Monaten Haft. Gegen den jüngsten Angeklagten – den 15-jährigen, der mit dem Opfer befreundet war – war das Verfahren gegen einen Täter-Opfer-Ausgleich eingestellt worden.

Warum waren die Strafen für die Vergewaltigungen so milde?

Drei der Angeklagten waren noch minderjährig, daher wurde bei zwei Urteilen Jugendstrafrecht angewandt – es hat grundsätzlich eine „erzieherische“ Funktion. Der Strafrahmen für Vergewaltigung beträgt mindestens eine Freiheitsstrafe zwei Jahre bis zu 15 Jahren. Hauptgrund für die relativ milden Urteile im Fall ist ein „Deal“ zwischen den Verfahrensbeteiligten: Um den Prozess zu einem schnelleren Abschluss zu bringen und dem Opfer die Fortsetzung der psychisch extrem belastenden Vernehmungen zu ersparen, legten die Angeklagten Geständnisse ab, im Gegenzug signalisierte das Gericht, einen gewissen Strafrahmen beim Urteil nicht zu überschreiten. Wolfgang Schädler, der das Opfer als Anwalt der Nebenklage im Prozess vertreten hatte, nannte das Urteil „milde“ – und zeigt sich von der Urteilsbegründung enttäuscht. Die Mutter des Mädchens sagte „Es gibt aus Sicht von uns Eltern keine Gerechtigkeit“.