Eberhard Aspacher im Porträt
: Der einst jüngste Küchenmeister Deutschlands kocht heute nur noch privat

1972 wurde er jüngster Küchenmeister Deutschlands, 1984 erkochte er seinen ersten Michelin-Stern. Das Ulmer Stadtmagazin acht.neun hat nachgefragt: Was macht Eberhard Aspacher eigentlich heute?
Von
Karsten Sander
Illereichen
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Sternekoch Eberhard Aspacher im acht.neun-Porträt

Sternekoch Eberhard Aspacher im acht.neun-Porträt

Karsten Sander
  • Porträt eines Sternekochs: Eberhard Aspacher kocht heute nur noch privat in Illereichen.
  • 1972 wurde er jüngster Küchenmeister Deutschlands, 1984 erhielt er seinen ersten Michelin-Stern.
  • Zwanzig Jahre führte er die Schlosswirtschaft Illereichen – durchgehend mit einem Stern.
  • Seine Küche war klassisch französisch mit schwäbischem Anklang, der Druck war nach eigener Aussage enorm.
  • Heute engagiert er sich im Gemeinderat, ist stellvertretender Bürgermeister und Golfer.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Von Ulm aus ist Illereichen nur einen Katzensprung entfernt. Der Teilort von Altenstadt wäre nur eine x-beliebige Gemeinde inmitten der schwäbischen Hügellandschaft im Kreis Neu-Ulm, wenn nicht der Sternekoch Eberhard Aspacher mit seiner Frau Renate hier zwanzig Jahre lang die „Schlosswirtschaft Illereichen“ betrieben hätte. Das Restaurant hielt während dieser Zeit durchgehend einen Michelin-Stern und setzte so den Ort auf die Landkarte von Feinschmeckern aus ganz Deutschland.

Das Wohnhaus des Ehepaars liegt mitten in einer gediegenen Einfamilienhaussiedlung, die an diesem Nachmittag wie ausgestorben wirkt. Kein Mensch ist auf der Straße, nur ein dunkelblauer Mittelklassewagen biegt um die Kurve und ist Sekunden später wieder verschwunden. An die Rückseite des Gebäudes schließt sich ein weitläufiger Garten an, auf dem in einem eingezäunten Abschnitt die Schafe des Nachbarn grasen. Es herrscht eine wohltuende Stille, die nur durch gelegentliches Blöken der Tiere unterbrochen wird.

Seit Juni 2024 am Start: acht.neun

Dieser Text erschien zuerst im neuen Stadtmagazin acht.neun. Es ging im Juni 2024 an den Start. Jeden Monat gibt es darin Geschichten rund um Leute, Lifestyle, Kultur, Gastronomie und Stadtgeschehen. Den Link zur aktuellen Online-Ausgabe gibt es hier.
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Die Küche spiegelt den Beruf des Gastgebers

„Lassen Sie die Schuhe ruhig an, wir sind hier nicht im Kloster“, sagt Eberhard Aspacher zur Begrüßung und macht sich auf den Weg in Richtung Küche. Die grenzt an einen geräumigen Eingangsbereich und setzt als Entree zum Wohnbereich gleich den Ton. Edelstahlfronten und griffbereit an Haken hängende Siebe sowie Kellen in allen Größen vermitteln auf den ersten Blick mehr Restaurant- als Privatatmosphäre. „Wenn meine Frau und ich Gäste haben, erwarten die ein anständiges Essen“, sagt der heute 77-Jährige und beantwortet so die in der Luft hängende Frage nach dieser professionell anmutenden Küche.

Wenn meine Frau und ich Gäste haben, erwarten die ein anständiges Essen
Eberhard Aspacher
Profikoch und einst Deutschlands jüngster Küchenmeister

Der Spätsommer treibt an diesem Septembernachmittag die Temperaturen noch einmal richtig in die Höhe. Aspacher möchte deshalb das Gespräch auf der Terrasse führen. Immer wieder geht er von dort in sein Arbeitszimmer, um einen Ordner zu holen. Zwischen roten Umschlagdeckeln sind die Stationen seines Lebens feinsäuberlich in Klarsichthüllen abgelegt. „BILD“, „Der Feinschmecker“, Fachzeitschriften und lokale Medien. Die Artikel erzählen von einer langen Karriere.

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Aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet

Die begann Mitte der 60er-Jahre zunächst bescheiden. Eberhard Aspacher wurde 1949 in der schwäbischen Kleinstadt Backnang geboren. Sechs Monate nach seiner Geburt starb der Vater. Die Mutter von drei Söhnen war auf einen Schlag alleinerziehend. Es war in den ohnehin schon harten Nachkriegsjahren eine entbehrungsreiche Zeit.

Im Alter von sechzehn Jahren wollte Aspacher dann ausziehen, doch dafür stellte seine Mutter drei Bedingungen. Essen, Trinken und ein Platz zum Schlafen müssten dauerhaft gesichert sein. Eine Ausbildungsstelle zum Koch im „Hotel Herzog Christoph“ in der Landeshauptstadt erfüllte alle. Die Lehrzeit war kein Zuckerschlecken, der Ton in der Küche rau, die Wochen arbeitsreich.

Dennoch erinnert sich Aspacher gerne an diese Zeit. „Schon damals habe ich gespürt, dass ich Talent habe, das Kochen ging mir leicht von der Hand.“ Zudem war er ehrgeizig. Sieben Jahre, nachdem er zum ersten Mal eine Gastronomieküche betreten hatte, wurde er mit gerade einmal 23 Jahren jüngster Küchenmeister Deutschlands. Es folgten zahlreiche Stationen im In- und Ausland, bis der Jungkoch 1974 Küchenchef im Maritim und später Küchendirektor der gesamten Hotelgruppe wurde. Die Häuser waren zu dieser Zeit der Inbegriff einer gehobenen Hotellerie. Diese Position brachte Aspacher deshalb nicht nur Prestige, sondern auch Personalverantwortung.

Beim Bewerbungsgespräch funkte es

Bei einem Bewerbungsgespräch für die Stelle einer „Sales-Managerin“ saß ihm eines Tages seine heutige Frau gegenüber. „Ich wusste sofort, dass ich diese Frau heiraten möchte“, sagt Aspacher und ergänzt: „Acht Wochen später haben wir uns das Ja-Wort gegeben und 2025 Goldene Hochzeit gefeiert.“ Er sagt dies mit einem schelmischen Lächeln, bei dem sich die Mundwinkel nur leicht nach oben heben und seine stahlblauen Augen zu leuchten beginnen. Es ist ein Lächeln, das er immer wieder zeigt, wenn er sich selbst über eine Begebenheit oder einen besonderen Coup amüsiert.

Sternekoch Eberhard Aspacher im acht.neun-Porträt

Sternekoch Eberhard Aspacher im acht.neun-Porträt

Karsten Sander

Mit der ersten Schwangerschaft seiner Frau änderte sich auch die Karriereplanung. Den vor den Toren Stuttgarts geborenen Aspacher und seine aus Ravensburg stammende Frau zog es zurück in den Süden. Aspacher arbeitete in einem Hotel im Schwarzwald, bis er ein Angebot vom Bundesbahnhotel in Ulm erhielt. Seine erste Reaktion war: „I gang net an Bahnhof“, dann aber konnte ihn der Eigentümer doch von einem Wechsel nach Ulm überzeugen. Noch keine 30 Jahre alt, war er für 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich, bis das Hotel fünf Jahre später verkauft wurde.

Den ersten Stern auf Anhieb erkocht

Da kam der Anruf eines Restaurantbesitzers aus dem niedersächsischen Weyhausen wie gelegen. Er hatte von Aspacher gehört und bot ihm das Lokal zur Pacht an. Der sagte nach kurzer Bedenkzeit zu. Das Ehepaar betrieb das Restaurant zwei Jahre, bis erneut das Telefon klingelte. Diesmal war die „Schlosswirtschaft Illereichen“ zu verpachten. Zwanzig Jahre lang kochte Aspacher dort und erhielt im ersten Jahr auf Anhieb einen Stern.

Er selbst beschreibt seine Kulinarik als klassisch französisch mit schwäbischem Anklang. In der Küche arbeiteten 12 Mitarbeiter. „Ich war ein harter Chef, zudem ein Arbeitstier und duldete keine Widerrede. Ich hätte es besser machen müssen.“ Kurz denkt er nach und ergänzt: „Es ging ständig um die Existenz, der Verlust eines Sterns heißt immer Umsatzverlust und meist schlechte Presse, der Druck war enorm.“ Ohne seine Frau hätte er das alles nicht erreicht. Bei gelegentlichen Höhenflügen hätte sie ihn wieder geerdet und bei Niederlagen aufgerichtet. Was für manche wie eine Plattitüde klingt, ist für ihn eine unumstößliche Gewissheit.

Die Frage, ob sein Talent auch einen familiären Hintergrund haben könnte, beantwortet er mit einer Anekdote. „Meine Mutter war eine furchtbar schlechte Köchin, aber meine Großmutter die Köchin des Herzogs von Württemberg. Vielleicht hat das Talent eine Generation übersprungen.“

Zum Abschluss nochmal zwei Jahre im Lago

Nach zwei Jahrzehnten stand der Entschluss fest, das Restaurant zu verkaufen. Die Jahre zwischen Silberbesteck, Riedel-Gläsern und einem täglich wechselnden À-la-carte-Angebot hinterließen Spuren. Der Rest ist schnell erzählt. Aspacher gründete eine Consulting-Firma und kehrte 2003 für zwei Jahre noch mal an den Herd des „Lago“ zurück.

Wer sich für Eberhard Aspacher interessiert, kommt am Thema Fußball nicht vorbei. Schon als Knirps kickte er leidenschaftlich und gehörte später zu den frühen Mitgliedern der „Deutschen Fußballnationalmannschaft der Spitzenköche“, deren Ehrenpräsident und Ehrenspielführer er noch heute ist. Teamkollegen waren unter anderem Harald Wohlfahrt, Johann Lafer und Lothar Eiermann.

Aspacher engagiert sich auf dem Golfplatz und in der Politik

Mit sechzig verschoben sich seine sportlichen Prioritäten dann Richtung Golf. Wie bei allem legte er auch hier einen solchen Ehrgeiz an den Tag, dass sein Handicap bis vor Kurzem einstellig war. Vielleicht liegt es daran, dass er sich gegenüber seinen älteren Brüdern immer behaupten musste. Für den Bruchteil einer Sekunde denkt Aspacher über seine These nach, dann wechselt er das Thema. Seit 25 Jahren sitzt er im Gemeinderat, seit zehn Jahren ist er stellvertretender Bürgermeister. Das sei vor allem Ausdruck seiner Verbundenheit mit Illereichen.

Eberhard Aspacher steht vor seinen an Haken baumelnden Kochutensilien und bietet zum Schluss noch ein kleines Glas Champagner an. Nicht, weil er seinem Gast nicht mehr gönnen würde, sondern weil der Rückweg nach Ulm mit dem Auto erfolgt.