Nikki Adler heute: „Ich finde, jeder Mensch sollte boxen“

Profiboxerin Nikki Adler im acht.neun-Porträt. Boxen spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im Leben der 39-Jährigen.
privat- Porträt von Nikki Adler: Ex-Weltmeisterin prägt Frauenboxen und bleibt dem Sport treu.
- Karriere: Sechsmal deutsche Meisterin, 2013 WBC-Titel im Supermittelgewicht in Grosny.
- Ulm prägte sie, WM-Kampf in der Ratiopharm-Arena, Training im Mekong-Gym in Neu-Ulm.
- Corona stoppte Kämpfe, sie studierte Sportmanagement und engagiert sich „Integration durch Sport“.
- Seit 2022 Sportschule in Südafrika, gibt Selbstverteidigungskurse und leitet die „Aquarena“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn Nikki Adler in die Kamera strahlt, spürt man ihre Energie und Lebensfreude sofort – selbst durch den Bildschirm hindurch. Ihr neues Zuhause hat die gebürtige Augsburgerin vor ein paar Jahren in Köln gefunden, doch auch Ulm hat sie nachhaltig geprägt. Betrachtet man ihre herzliche und zugewandte Art, würde man im ersten Moment kaum vermuten, dass diese Frau eine absolute Ausnahmeathletin ist: Nikki war lange Zeit Profiboxerin und führte die Weltspitze in ihrer Gewichtsklasse über sieben Jahre lang an. Als ehemalige Weltmeisterin in sechs Verbänden hat sie den Frauenboxsport maßgeblich geprägt.
„Sport war schon immer präsent in meinem Leben“, stellt Nikki klar, wenn man sie auf ihre Anfänge anspricht. Mit sechs Jahren startete sie mit Taekwondo, es folgten Selbstverteidigungskurse, mit 15 Jahren Kickboxen und schließlich mit 17 der Schritt zum Boxen. „Jean-Claude Van Damme war damals mein Traummann, und so entstand auch die Liebe zum Boxen“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.
Anfangs wurde sie oft ausgelacht
Damals bot sich ihr die Chance, sich innerhalb von nur vier Wochen auf die deutsche Meisterschaft im Amateurboxen vorzubereiten. Sie nutzte die Gelegenheit sofort, gab alles und gewann zwei Kämpfe in Folge durch K. o. „Dann war mir klar: Okay, das hier ist einfach mein Weg“, erinnert sie sich. Schon früh kündigte sie in ihrem Umfeld an: „Ich werde Boxweltmeisterin!“ Zwar wurde sie dafür anfangs oft ausgelacht, doch das Boxen lehrte sie eine fundamentale Lektion: „Boxen hat mir gezeigt, dass ich alles erreichen kann und dass es keine Grenzen im Leben gibt.“

Schon immer hegte Profiboxerin Nikki Adler den Traum, nach ihrer aktiven Laufbahn eine Sportschule in einem benachteiligten Land zu gründen. Im Herbst 2022 eröffnete sie eine Sportschule in Südafrika.
privatEs folgte eine glanzvolle Karriere: Sechsmal wurde sie deutsche Meisterin, boxte international für ihre Heimat Kroatien, belegte den dritten Platz bei der Europameisterschaft und wurde Fünfte bei der Weltmeisterschaft. Als sie schließlich die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt, sollte sie für Deutschland in den Ring steigen. Doch unerwartet blockierte eine langjährige Sperre des Weltverbandes ihren Traum von einer weiteren Amateurkarriere im DGB-Trikot.
Anstatt aufzugeben, ergriff sie die Chance für einen Neustart und wechselte 2010 zum Berliner Profi-Boxstall Wiking − der Grundstein für ihre Profikarriere war gelegt. Ihr dortiger Promoter riet ihr, ihren bürgerlichen Namen Nikolina Orlović einzudeutschen. Sie entschied sich für die Kurzform „Nikki“, während die Übersetzung ihres Nachnamens perfekt passte: Orlović bedeutet Adler. „Der Name passt einfach, und es war die beste Entscheidung.“
Das Leben einer Profiboxerin ist alles andere als eintönig. Der Tag begann früh am Morgen, meist mit einer Laufeinheit. Nach dem Frühstück und einer kurzen Ruhephase ging es zur Physiotherapie und direkt in die nächste Trainingseinheit: „Eigentlich trainiert man den ganzen Tag.“ Der Sonntag blieb der einzige freie Tag, der oft mit Interviews, TV-Terminen und weiteren Verpflichtungen gefüllt war.
Zu Gast beim „Perfekten Dinner“ und bei GZSZ
Dass sie auch außerhalb des Rings eine gute Figur macht, bewies Nikki bei diversen Fernsehformaten: Sie kochte bei „Das perfekte Dinner“, belegte bei „Shopping Queen“ den zweiten Platz und übernahm einen Gastauftritt bei der Daily Soap GZSZ, in der sie sich selbst verkörperte. „Das war ein kleiner Fan-Moment für mich, weil ich die Show selbst sehr gerne schaue.“

Neben ihrm Projekt in Afrika gibt die 39-Jährige regelmäßig Selbstverteidigungskurse und setzt sich als Botschafterin für das Projekt „Integration durch Sport“ ein.
privatIn ihrer Karriere gab es prägende Erlebnisse, die bis heute nachhallen. Im November 2013 schrieb Nikki in Grosny Sportgeschichte: Als erste Frau überhaupt stieg sie in einem muslimischen Land in den Ring und sicherte sich in einem WM-Kampf gegen die Lettin Zane Brige den WBC-Weltmeisterschaftsgürtel im Supermittelgewicht – einen Titel, den zuvor keine Geringere als Laila Ali, die Tochter der Boxlegende Muhammad Ali, getragen hatte. „Beim Einmarsch in den Ring herrschte zunächst absolute Stille – bis der Präsident aufstand und applaudierte. Erst dann brandete der Jubel der Fans auf. Ein echter Gänsehautmoment.“ Ob in Russland oder in den USA, sie kämpfte auf der ganzen Welt: „Man lebt ja schließlich nur einmal, und deswegen wollte ich jede Herausforderung annehmen.“
Nikki Adler über ihre Ulmer Zeit
Eine besonders wichtige Ära verbrachte Nikki in Ulm. Nach ihrer Zeit in Berlin trainierte sie bis 2014 mit einem Trainerteam hier vor Ort. Ihr Coach war damals Thomy Wiedemann, der Gründer der Kampfschule Mekong-Gym in Neu-Ulm. Im Januar 2013 bestritt sie dort in der Ratiopharm-Arena einen erfolgreichen Weltmeisterschaftskampf und trat 2014 als Gastrednerin beim Ulmer Unternehmertag auf.
Das Restaurant und Hotel Posthorn in Neu-Ulm fungierte als Sponsor, hier fand sie einen Rückzugsort und wohnte in dieser Zeit auch dort. Ihre damalige Trainingspartnerin war die Ulmerin Rola El Halabi. An ihren seltenen freien Tagen verbrachte Nikki viel Zeit mit einem guten Freund, den sie im Posthorn kennengelernt hatte und den sie bis heute regelmäßig in Ulm besucht.
acht.neun – das Ulmer Stadtmagazin
Dieser Text erschien zuerst im neuen Stadtmagazin acht.neun. Es ging im Juni 2024 an den Start. Jeden Monat gibt es darin Geschichten rund um Leute, Lifestyle, Kultur, Gastronomie und Stadtgeschehen. Den Link zur aktuellen Online-Ausgabe gibt es hier.
acht.neun als gedrucktes Magazin ist an mehr als 250 Auslagestellen kostenlos zu haben. Es liegt an vielen hochfrequentierten Plätzen in der Doppelstadt aus: in der Gastronomie, im Einzelhandel, in Banken und Parkhäusern.
Bevor ihre Profikarriere Fahrt aufnahm, ging Nikki allerdings einen ganz anderen Weg. Auf Wunsch ihrer Eltern absolvierte sie zunächst eine klassische Ausbildung. „Ich habe recherchiert, welche Ausbildung am schnellsten geht, und mich deshalb für die zweijährige Ausbildung bei der Post entschieden“, erzählt sie lachend. Die Post übernahm sie im Anschluss, gewährte ihr jedoch die nötigen Freiheiten, um ihre Boxkarriere parallel voranzutreiben. „Das war eine super Stütze, denn im Profisport weiß man ja nie, was passiert.“ Zehn Jahre lang jonglierte sie beide Welten, ehe sie alles auf die Karte Boxen setzte. Lächelnd fügt sie hinzu: „Das Austragen der Post hat mir auf jeden Fall eine Menge Ausdauer gebracht.“
Corona bringt einen tiefen Einschnitt
Die Coronazeit bedeutete aber auch für sie einen tiefen Einschnitt: zwei Jahre ohne reguläres Training und ohne Kämpfe. „Man kommt einfach nicht weiter“, stellt sie fest. Sie nutzte die Zwangspause sinnvoll, absolvierte die DOSB-Vereinsmanager-C-Lizenz für die Vorstandsarbeit in Sportvereinen und setzte sich als Botschafterin für das Projekt „Integration durch Sport“ ein – Herzensprojekte, die sie bis heute antreiben. Nebenher widmete sie sich dem Studium des Sportmanagements.
Eine Boxschule für Mädchen in Afrika
Schon immer hegte sie den Traum, nach ihrer aktiven Laufbahn eine Sportschule in einem benachteiligten Land zu gründen. Gesagt, getan: Im Herbst 2022 eröffnete sie eine Sportschule in Südafrika. „Die Vergewaltigungsquote in Südafrika ist erschreckend hoch, und da wusste ich, dass Selbstverteidigung dort dringend gebraucht wird und wir genau dort unsere Schule eröffnen müssen.“ Inzwischen trainieren dort überwiegend Mädchen, die sich in ihrem Umfeld spürbar sicherer fühlen. Nikki hält wöchentlich online den Kontakt, schult die Trainer vor Ort und fliegt einmal im Jahr selbst dorthin.
Heute ist Nikki zudem seit 2023 Gesamtbetriebsleiterin der „Aquarena“ in Neunkirchen-Seelscheid und hat rund 70 Mitarbeitende in ihrem Team. „Mein Herz hängt daran, und ich merke heute, dass man mit Sport auch auf anderen Wegen erfolgreich sein kann.“ Nach jahrelangem Reisen hat sie in Nordrhein-Westfalen ihre feste Heimat gefunden. „Die Coronazeit hat mich auf diese Spur gebracht, und alles ist gut so, wie es kam. Ich habe nie gedacht: Schade, dass es mit dem Boxen nicht mehr klappt. Denn man darf einfach nie stehen bleiben.“
Nikki Adler gibt Selbstverteidigungskurse
Ein absolutes Herzensprojekt sind ihre aktuellen Selbstverteidigungskurse. Eine Lehrerin einer Gesamtschule hatte bei ihr ein Boxtraining absolviert und sie gefragt, ob sie ein solches Angebot auch für Schülerinnen und Schüler etablieren könne – zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur Mobbingprävention. Von Beginn an war der Andrang riesig. Das gemeinsame Gruppentraining zeigt spürbare Erfolge, und der Kurs findet bis heute jeden Freitag statt. „Ich finde, jeder Mensch sollte boxen. Man kann über die eigenen Grenzen gehen, stärkt sein Selbstbewusstsein, bekommt einen freien Kopf – jeder zieht sich genau das heraus, was er braucht!“
Das Rampenlicht vermisst Nikki heute nicht mehr. Sie hat all das erreicht, was sie sich erträumt hatte, und ist dankbar für ihr neues Kapitel als Trainerin und Mentorin. Natürlich bedeutete die Karriere im Leistungssport auch viel Verzicht: Während sich andere im Sommer zum Eisessen trafen, musste sie oft absagen, um ihr Wettkampfgewicht zu halten. Doch sie hat es gerne getan, und es hat sich ausgezahlt. Heute genießt sie ihre Zeit, reist gerne, probiert Neues aus und lässt sich auf unbekannte Erfahrungen ein. „Ich wollte immer etwas Großes erreichen. Im Boxen wollte ich Weltmeisterin werden, und danach wollte ich beweisen, dass man auch nach dem Leistungssport seinen Traum auf anderen Wegen leben kann!“


