Landtagswahl in Tübingen: Ein Grüner in der Pole Position

Wissenschaft, Artenvielfalt, Bildung, Medizin, Klimaschutz: Daniel Lede Abal, Grünen-Kandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, hat sich den Botanischen Garten der Universität Tübingen als Foto-Location für unser Kandidaten-Porträt ausgesucht.
Carolin Albers- Daniel Lede Abal (Grüne) kandidiert erneut für den Landtag in Tübingen – Fokus auf Klima und Bildung.
- Im Botanischen Garten Tübingen betont er Themen wie Artenvielfalt, Klimaschutz und Wissenschaft.
- Bildungspolitik: Mehr Ausstattung, Personal und gebührenfreies letztes Kindergartenjahr geplant.
- Migration: Unterstützung für integrierte Menschen, Herausforderungen durch Ukraine-Krieg erkannt.
- Seit 2011 im Landtag, Tübingen gilt als grüne Hochburg, gute Chancen auf Direktmandat.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es grünt. Hier immerhin. Daniel Lede Abal, 49, sitzt mitten im Januar unter den Blättern eines hübschen subtropischen Baums bei geschätzten 24 Grad im Schatten und genießt. Links und rechts kommen sattgrüne Farne aus dem Erdreich, Lede Abal nippt am grünen Kräutertee und gerade heute haben die Bündnisgrünen die AfD in einer Umfrage überholt. Sie sind aktuell auf Platz 2 im Land, mit 23 Prozent – 6 Prozentpunkte hinter der CDU. „Das ist ein guter Tag und auch noch nicht das Ende“, glaubt Lede Abal. Er zeigt sich hoffnungsvoll, dass sich in 6 Wochen die Popularität des Spitzenkandidaten Cem Özdemir gegen den CDU-Konkurrenten Manuel Hagel durchsetzt (aktuell in Umfragen 39 versus 19 Prozent pro Özdemir). Dann nimmt er einen Schluck Tee aus seinem Recup-Becher und erzählt von seinen Wahlschwerpunkten, hier, im tropisch-warmen Neuen Botanischen Garten der Tübinger Universität.
Die Zukunft ist grün, glaubt Lede Abal
Den Botanischen Garten hat er sich fürs Interview als Treffpunkt gewünscht. Er symbolisiert für Lede Abal viel. Da sind die Kindheitserinnerungen: Weil der Sohn eines Biologielehrers in Botanischen Gärten einen Gutteil seiner frühen Jahre verbracht hat. „Mein Vater konnte an keiner Pflanze vorbeigehen, die am Wegesrand steht“, lächelt Lede Abal. „Und immer, wenn in der Wilhelma mal wieder die Titanenwurz blühte, dann musste er natürlich hin.“ Hier liegen auch die Themen Bildung und Wissenschaft in der Luft, Artenvielfalt und Klimaschutz sowieso. „Und wir schauen hier auf die Morgenstelle und die Kliniken“, so Lede Abal: Medizin, Fortschritt, Life Sciences, darin sieht er das Kapital des Landkreises Tübingen.
„Unstrittig ist, dass das Thema Wirtschaft die Menschen beschäftigt“, sagt Lede Abal. „Viele Menschen, auch in Branchen mit gut bezahlten Arbeitsplätzen, fragen sich gerade, wie es weitergehen soll. Der Fall Bosch etwa hat viele erschüttert.“ Lede Abal glaubt, dass die Landesregierung vor allem dabei helfen soll, die Transformation in die Zukunft zu gestalten. Er glaubt an die Energiewende, die Mobilitätswende und die Wichtigkeit neuer Technologien. Es will die dafür nötigen Infrastruktur schaffen, Netze auszubauen, Ladestationen ermöglichen, Fachkräfte in Zukunftsbranchen ausbilden. „Ein starker Impuls wird das Thema Green Tech sein. Dafür sind wir Experten.“
Lede Abal ist seit dem 1. Mai 2011 im Landtag, und aktuell auch Parlamentarischer Geschäftsführer der Regierungsfraktion. Noch 2010, wenigen Monate zuvor, war diese Karriere nicht absehbar. Lede Abal war Weinhändler in Tübingen. Dann kamen in kurzer Folge die Nominierung, Fukushima, der Schwarze Donnerstag, Kretschmann als mustergültiger Anti-Mappus – und Lede Abal hat nun gute Chancen, mindestens 20 Jahre seines Berufslebens im Landtag zu verbringen. Selbst wenn er am 8. März das Direktmandat nicht holt, reicht wohl Platz 10 der Landesliste. Doch wenn es so läuft wie in den vergangenen 15 Jahren, muss Lede Abal die Liste nicht bemühen, hofft er: Tübingen ist inzwischen eine grüne Bastion, der ehemalige Lehramtsstudent startet aus der Pole Position (siehe Info-Box).
Schulen besser ausstatten
Damit es aber mit seiner Wunschregierung klappt, müssen die Wahlkampfthemen überzeugen. Lede Abal will Schul- und Bildungspolitik ganz vorne sehen und dabei „über Schulsysteme gar nicht lange reden“. Stattdessen sich mehr auf Ausstattung, Personal, Förderung und Fächerangebot konzentrieren. „Es ist klar, dass wir etwa an der Sprachförderung weiter arbeiten müssen. Um alle Kinder gemeinsam auch sprachlich auf die Grundschule vorzubereiten, wollen wir das letzte Kindergartenjahr gebührenfrei machen.“ Sein Vater habe als Sohn galicischer Bauern denselben Bildungsaufstieg erfahren wie der Schwabe Cem Özdemir hier, „wir wissen, wie wichtig das ist, Weichen in der Bildungsbiografie früh zu stellen.“ Neben dem reinen Lehrpersonal will Lede Abal mehr pädagogische und psychologische Assistenzkräfte, „wir haben vielfältige Belastungen in vielen Bereichen der Gesellschaft, die oft in der Schule sichtbar werden.“
Dazu gehört auch das Thema Integration, Inklusion und Migration. Lede Abal ist seit langem migrationspolitischer Sprecher seiner Partei. „Ich halte an dem Ziel fest, dass wir als Gesellschaft Menschen, die hier unauffällig leben, die in Ausbildung oder in Arbeit sind oder kommen wollen, willkommen heißen und unterstützen.“ Klar sei aber auch, dass nach der Situation von 2015/16 dann Putins Krieg gegen die Ukraine „die Kommunen in eine Erschöpfungssituation gebracht hat.“ Alles in allem rekapituliert er diese Phasen verstärkter Migration nach Deutschland auch als Zeichen „dass wir als Politik und Gesellschaft sehr wohl in der Lage sind, Krisen zu lösen und Dinge langfristig in den Griff zu bekommen.“
Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Tübingen
Am Sonntag, 8. März, wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Hier sammeln wir für Sie die wichtigsten Artikel zur Wahl aus dem Wahlkreis Tübingen.
Porträts der Kandidatinnen und des Kandidaten der großen Parteien:
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- Irene Schuster tritt für die FDP an: „Die Grundschule ist ein Zehnkampf“
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- Daniel Lede Abal will für Bündnis 90/Die Grünen zum vierten Mal in den Landtag: Ein Grüner in der Pole Position
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- „Alice Weidel in soft“: So tickt die AfD-Kandidatin Anna Schneider
Direkt gefragt:
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zu Videoüberwachung und Sicherheit
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zur Wohnungsnot
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zur Bildungspolitik
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zur Windkraft
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zur Finanzierung der Kommunen
Das TAGBLATT-Wahlpodium:
Überblicksseite zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg:
(Diese Liste wird aktualisiert.)
Diese Handlungsfähigkeit von Politik zu betonen, sieht er als einen Baustein bei der Frage, wie man mit dem Angriff von Rechts auf die Demokratie und ihre Institutionen umgehen kann. „Der Brexit war für mich das größte Zeichen, wie schädliche Kampagnen funktionieren können und wie bestimmte Interessengruppen Politik durchsetzen“, so Lede Abal. „Inzwischen haben wir auch in Deutschland Medien und Plattformen, die keine Hemmungen vor absurden Falschmeldungen haben und populistisch agieren.“ Stuttgart habe auch deshalb neue Schulfach „Informatik und Medienbildung“ ins Leben gerufen. „Wir merken etwa auch eine gefährliche politische Kultur im Landtag. Da steht ein Redner von der AfD, aber er redet schon gar nicht mehr in den Saal, sondern zu seinem Mitarbeiter, der mit der Kamera lieber ein Video für TikTok dreht und dem er dafür einfach nur Knallersätze liefert.“
Gerade in dieser Gemengelage, wo sich Positionen von Rechts und Links neu zurecht rütteln und wo sich Bündnisgrüne in einem noch immer sehr konservativen Land behaupten müssen, sei übrigens Cem Özdemir der richtige Kandidat, findet Lede Abal. „Ich erlebe ihn gerade auch im Kontakt auf dem Land als sehr authentisch“, sagt er. „Wir waren vorletzte Woche in Nagold. Cem war in der Halle im Gespräch mit Windkraft-Skeptikern, über Migration und Erneuerbare. Die waren am Anfang reserviert. Und am Ende haben sie teils sogar geklatscht. Wenn wir es richtig machen, erreichen wir mit dem neuen Kandidaten auch wieder neue Leute – und wecken eine neue Neugier.“
Seit 2011 im Landtag: Daniel Lede Abal
Daniel Lede Abal wurde 1976 in Stuttgart geboren, als Sohn eines Spaniers und einer Deutschen, und wuchs in Korntal und Ditzingen auf. 1995 Abitur, Zivildienst in einer Behinderteneinrichtung. 1996 Beginn eines Lehramtsstudiums, später Weinhändler, bis zur Wahl zum Landtagsabgeordneten im Jahr 2011. 1988 trat Lede Abal den Grünen bei. 2011 gewann er den Wahlkreis Tübingen bei der Landtagswahl knapp vor Lisa Federle (CDU), 2016 deutlich vor Klaus Tappeser (CDU), 2021 deutlich vor Diana Arnold (CDU). Lede Abal wohnt in der Tübinger Stadtmitte, ist verheiratet und hat drei Kinder.
