Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Tübingen: „Wir brauchen mehr Sozialwohnungen“

Katharina Poppei kandidiert bei der Landtagswahl für die Linke. Als Treffpunkt fürs Gespräch hat sie sich das besetzte Haus in der Tübinger Sigwartstraße ausgesucht. Nicht ohne Grund.
Carolin Albers- Katharina Poppei, Kandidatin der Linken im Wahlkreis Tübingen, fordert mehr bezahlbaren Wohnraum.
- Sie kritisiert Leerstand und schlägt ein landesweites Leerstandskataster vor.
- Die Linke plant jährlich 20.000 neue Sozialwohnungen durch eine landeseigene Wohnbaugesellschaft.
- Poppei fordert einen besseren ÖPNV, kostenlose Tickets für Geringverdiener und weniger Straßenbau.
- Seit sechs Jahren politisch aktiv, kandidiert Poppei erstmals für den Landtag und will mitbestimmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die „Siggi 11“ ist ein teilweise besetztes Haus in der Sigwartstraße 11. Katharina Poppei, die Tübinger Landtagskandidatin der Linken, hat sich das Haus als Treffpunkt für das Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE ausgesucht, denn bezahlbares Wohnen ist ihr ein großes Anliegen. Das Haus in der Sigwartstraße gehört dem Land, es war jahrelang an Studenten vermietet – mit befristeten Verträgen, die immer wieder verlängert wurden. Bis 2022. Das Land gab damals bekannt, dass es das Haus abreißen wolle. Einige zogen aus, immer mehr Zimmer standen leer. Andere aber blieben trotz der Kündigungen. Am Ende gab es einen Kompromiss: Mieter und Besetzer dürfen bleiben, längstens bis Oktober 2026.
„Das Land möchte hier ein neues Haus bauen mit Sozialwohnungen für Landesbedienstete“, erklärt Poppei. Schöner fände sie es, wenn der sozial geförderte Wohnraum nicht nur für Landesbedienstete wäre, sondern allgemein. Aber immerhin: Durch die Hausbesetzung und den Kompromiss wurde Leerstand verhindert. Und an den will die Linke ran. „In Tübingen stehen 2000 Wohnungen schon länger als ein Jahr leer“, so Poppei. Da helfe auch die Zweckentfremdungssatzung der Stadt nicht. „Die ist zahnlos, das kann man auf Landesebene verschärfen“, sagt sie. Ihr schwebt ein landesweites Leerstandskataster vor, weil nicht alle Kommunen die Kapazitäten hätten, ein eigenes solches Kataster aufzustellen.
„Keine Luxuswohnungen“
Außerdem will die Linke eine landeseigene Wohnbaugesellschaft gründen, die jedes Jahr 20.000 neue geförderte Wohnungen baut. Vor allem an Sozialwohnungen nämlich mangele es, sagt Poppei. „Von den 30 teuersten Städten in Deutschland liegen elf in Baden-Württemberg.“ Damit sich das ändert, will die Linke Baugenossenschaften und andere Formen von gemeinwohlorientem Wohnen fördern. Und Baugemeinschaften oder andere private Bauherren nicht? Poppei schwankt. Dann sagt sie: „Wir wollen keine Luxuswohnungen, die den Mietspiegel weiter nach oben treiben, wir wollen, dass man sich Wohnen wieder leisten kann.“
Sie selbst wohnt in einer WG, „zu fairen Konditionen“. Dieses Glück haben nicht alle. Weshalb die Linke eine „Mietwucher-App“ entwickelt hat, mit der man feststellen kann, ob die Miete, die man zahlt, überhöht ist. „Wenn ja, kann man sich an die Kommune wenden, die den Vermieter kontaktiert.“
Seit sechs Jahren in Tübingen
Seit sechs Jahren lebt Katharina Poppei in Tübingen. Und seither ist die jetzt 31-Jährige auch politisch aktiv. „Ich war eher aktivistisch unterwegs“, sagt sie. Sie hat den CSD (Christopher Street Day) in Tübingen mitaufgebaut und war dort drei Jahre lang Vorstandsvorsitzende. „Das ist ein fancy Titel, ich hab alles gemacht, was halt so anstand.“ Inzwischen haben andere die Arbeit im und für den CSD übernommen, und Poppei hat sich nach ihrem Informatikstudium herausgezogen. Sie fand eine Stelle bei einem Photovoltaikbetrieb als Softwareentwicklerin und trat im Mai 2025 bei den Linken ein. Dort machte sie gleich eine kleine Politkarriere: Sie ist Mitglied im Kreisvorstand und im Landesvorstand – und jetzt eben Kandidatin für den Landtag. Auf der Landesliste steht sie auf Platz 13. „Wenn wir reinkommen, habe ich gute Chancen auf einen Platz“, sagt sie. Auf sieben Prozent der Stimmen kommt die Linke nach den aktuellen Umfragen, was, so Poppei, zeigen würde, „dass die Menschen müde werden von den rechten Narrativen“. Dass die AfD aktuell bei 20 Prozent liegt, entkräftet für Poppei diese These nicht. „Man sieht an uns, dass nicht jede Partei den Rechten hinterherläuft.“
Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Tübingen
Am Sonntag, 8. März, wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Hier sammeln wir für Sie die wichtigsten Artikel zur Wahl aus dem Wahlkreis Tübingen.
Porträts der Kandidatinnen und des Kandidaten der großen Parteien:
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Direkt gefragt:
- Das sagen die Tübinger Kandidierenden zu Videoüberwachung und Sicherheit
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Das TAGBLATT-Wahlpodium:
Überblicksseite zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg:
(Diese Liste wird aktualisiert.)
Den Erfolg der Linken macht Poppei aber auch daran fest, dass in deren Programm einfloss, was beim Haustürwahlkampf zur Bundestagswahl herauskam. Und auch bei den Besuchen nach der Wahl, denn die Linke hat das Klingeln an den Türen einfach weitergemacht. Poppei hat seit der Wahl an 167 Türen geklingelt. Mit 74 Bewohnern hinter den Türen kam sie ins Gespräch. „Ich mach das richtig gerne“, sagt sie. „Manche sind überrascht, viele freuen sich richtig, dass man sie nach ihrer Meinung fragt.“ Zum Einstieg fragt Poppei gerne, was die Menschen machen würden, wenn sie einen Zauberstab hätten. „Manche sagen, sie würden sich eine größere Wohnung wünschen, andere ärgern sich darüber, dass da immer das eine Fahrrad vor ihrer Garage steht.“
„Der ÖPNV muss besser werden“
Ein anderes Thema, das Poppei umtreibt, ist der ÖPNV. Sie ist in Albstadt geboren und aufgewachsen, lange pendelte sie mit dem Zug nach Stuttgart. „Und das ist kontinuierlich schlechter geworden.“ Dabei müsste der ÖPNV besser werden, die Züge von Albstadt oder Balingen sollten jede halbe Stunde fahren, und das verlässlich. Und er muss, findet Poppei, für Geringverdiener kostenfrei sein. „Wir müssen eine Bestandsaufnahme machen, um zu erfahren, welche Kommunen nicht gut angebunden sind“, sagt sie, und: „Da muss Geld in die Hand genommen werden.“ Dafür solle weniger in Straßen investiert werden. Denn: „Eine Oma auf dem Dorf oder ein Kind kann sich nicht einfach ins Auto setzen und in die nächste Stadt fahren.“ Und es könne nicht sein, dass diese Oma dann dreimal umsteigen müsse oder der Zug gar nicht kommt. „Der ÖPNV muss besser sein als das Auto.“
„Lust, Abgeordnete zu sein“
Wenn Katharina Poppei in den Landtag gewählt wird, gibt sie ihre Arbeit auf. „Wenn ich nach fünf Jahren wieder in meinen Job einsteigen will, muss ich erstmal eine Fortbildung machen“, sagt sie. Denn die Informatik entwickle sich rasant. Sie habe „richtig Lust“, Abgeordnete zu sein und „das politische Leben mitzubestimmen“. Reden halten könne sie, sie habe beim CSD und auch bei Landesparteitagen gesprochen, sei also nicht ungeübt. „Nur den Politsprech habe ich nicht drauf und will das auch nicht.“