Landtagswahl in Tübingen: „Alice Weidel in soft“: So tickt die AfD-Kandidatin Anna Schneider

„Absolute Herzensmenschen“: Anna Schneider, die AfD-Kandidatin für die Landtagswahl im Wahlkreis Tübingen, vor dem Verlagshaus des TAGBLATTs. Ohne angebliche Falschinformationen der Bürger durch „die Medien“, behauptet Schneider, stünde die AfD politisch viel besser da.
Carolin Albers- Anna Schneider, AfD-Kandidatin im Wahlkreis Tübingen, seit 2023 Mitglied, seit 2024 Kreissprecherin.
- Einstieg über Corona-Kritik; fühlt sich „komplett“ dem Landes-Wahlprogramm verpflichtet.
- Fordert u. a. mehr Abschiebehaft, Landes-Grenzschutz, SWR-Kürzung um 90 %, weniger Inklusion.
- Arbeitet im Büro von AfD-Schatzmeister Hans-Peter Hörner; wohnt in Bodelshausen.
- Sie sieht Medien als voreingenommen, will „normales“ Bild der AfD zeigen; keine Mandatschance 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit Corona hat alles angefangen. Damals, in den Jahren nach 2020, hatte Anna Schneider das Gefühl, dass nach der schnellen Entwicklung von neuen Impfstoffen gegen das neue globale Virus in Deutschland ein „Impfzwang“ herrschen würde. Anna Schneider ist keine Impfgegnerin, sagt sie. Aber damals, so sieht jedenfalls sie es heute, „wurde das Bild verbreitet, dass Umgeimpfte an der Pandemie Schuld hätten.“ Schneider begann damals, sich mehr für Politik zu interessieren, sie besuchte Treffen von Gleichgesinnten beim Streitthema Corona und kam dabei auch mit der AfD in Kontakt. Die hatte sich damals, nach einer kurzen Umfragekrise zu Beginn der Corona-Zeit, recht schnell als parlamentarisches Sprachrohr von Impfgegnern und Gegnern der ärztlich empfohlenen Anti-Corona-Maßnahmen neu aufgestellt.
„Die AfD war die einzige Partei, die das damals kritisch gesehen hat“, findet Anna Schneider. 2023 wurde sie Mitglied, 2024 hat sie den Sprecherinnen-Posten im Kreis Tübingen übernommen, 2025 hat sie sich bei einer Gegenstimme zur Kandidatin für den Wahlkreis küren lassen, nachdem auch Landespolitiker wie der baden-württembergische AfD-Schatzmeister Hans-Peter Hörner auf Schneider aufmerksam geworden waren. In dessen Büro arbeitet sie nämlich. Sie seien aber nicht verwandt, ergänzt sie im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.
Als Kreis- und Wahlkreis-Spitze organisiert die gelernte Mediengestalterin nun „24/7“, hält gern Kontakt zu den rund 100 Mitgliedern vor allem im ländlichen Raum und ist Sprecherin auch, „weil sich nicht jeder dem Gegenwind aussetzen möchte. Menschen in Tübingen haben große Angst, mit der AfD in Verbindung gebracht zu werden.“
Sie steht komplett hinterm AfD-Programm
Zweieinhalb Jahre nach ihrem Einstieg in die AfD unter dem Eindruck der Corona-Wirren identifiziert sich Schneider inzwischen „komplett mit dem Wahlprogramm“ der Landes-AfD. Das nimmt auch in Baden-Württemberg kein Blatt vor den Mund. Es will „den massiven Aufbau von Abschiebehaftplätzen“ und eine Landes-Grenzschutzpolizei. Dazu etwa Vorschriften für Behörden, nur noch in Baden-Württemberg zu kaufen, Verhaltenskodizes in Schulen oder auch das Schleifen des SWR und anderer öffentlicher Sender um 90 Prozent – um nur einiges aus dem so genannten „100-Tage-Programm“ der Landes-AfD zu nennen.
Apropos Medien. Für das Porträt in der SÜDWEST PRESSE hat sich Anna Schneider ausgerechnet das Verlagsgebäude des „SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs“ als Hintergrund ausgesucht. Schneider glaubt, dass sogar noch viel mehr Menschen die AfD wählen würden, wenn „die Medien“ andere Dinge über ihre Partei schreiben würden. „Wenn die Presse neutraler berichten würde, stünden wir als AfD nicht so da.“ Dass der rechtsextremen Partei so viel offene Gegnerschaft und Kritik entgegenschlägt, hält Anna Schneider lediglich für ein Ergebnis von Falschinformation, und zwar angeblich bewusster Falschinformation von Journalisten, die sie für politisch voreingenommen hält. Die AfD werde immer wieder ausgeladen von Podiumsdiskussionen, doch wenn man aufzeigen wolle, dass sie falsch liege, man sie doch einfach konfrontieren. Beim Gespräch in der Redaktion der SÜDWEST PRESSE sagt Anna Schneider, man „versucht, uns schon von vorneherein mundtot zu machen. Wo ist denn da der Diskurs?“
Zum Podium der SÜDWEST PRESSE am Dienstag, 24. 2., will sie kommen. Dort geht es um Schwerpunkte in der Landespolitik. Die Mutter zweier erwachsener Kinder sieht ihre eigenen Schwerpunkte in der Bildungs- und Familienpolitik. „Dieses Gendergedöns“, das sie offenbar in der Schullandschaft sieht, „damit gehe ich definitiv nicht konform.“ Auch Inklusion hält sie „für ein Problem an den Schulen. Wenn Schüler merken, da werden ganz andere Mitschüler versetzt, obwohl sie in einem Fach viel weniger können, dann fragen sie sich doch: Wofür soll ich dann überhaupt noch lernen?" Anna Schneider will das Schulsystem mehr gegliedert und nach Leistungsvermögen sortiert sehen. „Unterschiede sind doch auch gut und ein Ausdruck von Vielfalt“, sagt sie.
Weniger Inklusion, weniger Steuern
Als alleinerziehende Mutter würde sie sich, sagt sie, auch für die Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Freiraum für Alleinerziehende einsetzen. „Steuersenkungen“, sagt sie auf die Frage, mit welchen Mitteln man Alleinerziehende unterstützen könnte.
Anna Schneider ist 1977 in der Nähe von Danzig geboren, die Eltern kamen noch vor der Wende nach Deutschland. Der polnische Vater baute sich eine Existenz bei Daimler auf, Schneider besuchte bis zur dritten Klasse polnische Schulen. „Polen ist meine Heimat, aber mein Zuhause ist hier“, sagt die gläubige Christin und fügt hinzu: „Ich wurde nie gehänselt dafür, dass ich einen Migrationshintergrund habe. Für mich ist das eher ein Pluspunkt, auch in der Partei.“
Schneider wohnt in Bodelshausen. Die AfD hatte hier bei der Bundestagswahl 2025 mit über 25 Prozent Volkspartei-Stärke, mit weitem Abstand vor der drittplatzierten SPD (15 Prozent). Entsprechend selbstbewusst tritt Schneider auf – eine „Alice Weidel in soft“, wie sie sagt, auch wenn sie 2026 keine Chance auf ein Mandat hat. Man hat sie auf Platz 56 der Landesliste gesetzt, kreisweit könnte sie bei den Erststimmen auf Platz 3 landen. Für Anna Schneider kein Problem, sie sieht ihre Partei, „diese absoluten Herzensmenschen“, auf dem Vormarsch: „Ich möchte ein anderes Bild von der AfD nach draußen kommunizieren: Wir sind auch nur ganz normale Menschen mit ganz normalen Ängsten – und wir wollen ernst genommen werden.“
Seit 2024 Kreissprecherin der AfD: Anna Schneider
Anna Schneider wurde 1977 im polnischen Starogard Gdanski (oder auf deutsch „Preußisch Stargard“) geboren und besuchte dort noch die Grundschule. Sie wuchs in Hechingen auf und machte hier eine Ausbildung zur Mediengestalterin und Informationsdesignerin. Seit 2023 ist die Mutter zweier Kinder in der AfD, seit 2024 Sprecherin im Kreis.
Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Tübingen
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(Diese Liste wird aktualisiert.)


