Jahresrückblick für Rottenburg und Mössingen: Unfälle bis Wahlen: Was ist im Jahr 2024 im Landkreis passiert?

2024 ist im Tübinger Landkreis einiges passiert.
Stadtwerke Tübingen/Markus Ulmer/Erich Sommer- Rottenburg und Mössingen erlebten 2024 zahlreiche Ereignisse, von Bauernprotesten bis Bürgermeisterwahlen.
- Am 17. März verpasste Rottenburgs OB Stephan Neher die absolute Mehrheit, gewann aber die Stichwahl.
- Großbrand am 17. April in Ofterdingen: Pferdehof brannte, Verletzte durch Rauchvergiftung.
- Der neue Bischof Klaus Krämer wurde am 2. Oktober ernannt, Weihe im Dezember.
- Windpark Rammert erhält grünes Licht, Fertigstellung für 2028 geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bauernproteste im Landkreis und ein gesperrter Autobahnzubringer
„Pommes und Schnitzel wachsen nicht im Supermarkt“ – mit solchen Bannern bestücken Landwirte ihre Traktoren und blockieren am 8. Januar frühmorgens den Autobahnzubringer. Bei Versammlungen an nächtlichen Mahnfeuern machen die Landwirte ihrem Ärger auf die Ampel-Regierung Luft. Diese will zur Rettung des Haushalts unter anderem den Agrar-Diesel besteuern.
Demo gegen Rechts: "Wehret den Anfängen"
Das Erstarken rechtsextremer Gruppierungen und die „Remigrations“-Forderung der AfD alarmiert allerorten Demokraten. 4000 Menschen aller Altersgruppen beteiligen sich am 23. Januar in Rottenburg am Eugen-Bolz-Gedenktag an der Demo „Wehret den Anfängen“.
- 7. Februar: Ein junger Mann attackiert an der Bushaltestelle beim Rottenburger Bahnhof einen 51-jährigen Busfahrer mit einem Messer. Der Fahrer hatte ihn mangels gültigem Fahrschein abgewiesen.
- 16. Februar: Zu 12 Jahren Haft wird ein junger Mann aus Bodelshausen verurteilt, weil er seine 22-jährige Freundin in Mössingen getötet hat. Die einjährige Tochter war während der Tat in der Wohnung.
- 20. Februar: Die stadtbildprägende Weide am Rottenburger Neckarufer wird gefällt. Kurz darauf wird ein Tulpenbaum gepflanzt – der Beginn einer giftigen Diskussion.
Klatsche für den Rottenburger OB
Es wird verdammt knapp am 17. März. Statt nach 16 Jahren als Oberbürgermeister mit einer absoluten Mehrheit gleich im ersten Wahlgang wiedergewählt zu werden, bekommt Stephan Neher nur 49,92 Prozent aller Stimmen. Eine Stichwahl ist fällig.
Nehers Kontrahenten Christl Glauder (4,5 Prozent) und Volkmar Raidt (19,1 Prozent) sind deutlich aus dem Rennen. Aber Klaus Weber ist noch da: Der 72-jährige Mediziner bestreitet den Wahlkampf mit seiner Forderung nach einer transparenten Verwaltung und einer besseren Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern. Die Wählerinnen und Wähler danken ihm das im ersten Durchgang mit 25,8 Prozent aller Stimmen. Weber bekommt im zweiten Wahlgang am 7. April auch die Stimmen derer, die vorher Raidt gewählt haben, aber es reicht ihm nicht. Neher siegt mit 57,6 Prozent, kann sich aber nicht so recht freuen. Denn in Ergenzingen, Hailfingen, Oberndorf, Seebronn, Schwalldorf und Kiebingen stimmt die Mehrheit gegen ihn.
Großbrand auf dem Speidel-Hof in Ofterdingen
Am Morgen des 17. April bemerkt Thomas Speidel Rauch und Brandgeruch: Die Hallen seines Pferdehofs am Ortsrand von Ofterdingen stehen in Flammen. Die Pferde können gerettet werden, Speidels Ehefrau Manuela und die gemeinsame Tochter kommen danach wegen des Verdachts einer Rauchvergiftung in ein Krankenhaus. Die Einsatzkräfte sowie viele ehrenamtliche Helfer sind zunächst damit beschäftigt, die ungefähr 30 Pferde in Sicherheit zu bringen. Feuerwehrleute von Ofterdingen, Mössingen, Bodelshausen, Nehren, Tübingen, Hechingen, Belsen und Öschingen schützen die weiteren Gebäude des Hofes und bekämpfen noch Tage später Glutnester.
Die Hallen müssen aufgegeben und zur Seite gekippt werden, um den Verkehr auf der Straße zu schützen. Zwei Feuerwehrleute werden durch die Hitzestrahlung verletzt. Als Brandursache stellen Ermittler später die Selbstentzündung von Heu fest. Die Versicherung begleicht jedoch den Schaden.
Neuer Chef in Ofterdingen
Simon Wagner ist seit dem 23. März neuer Bürgermeister von Ofterdingen. In erster Wahlrunde und Stichwahl setzt er sich gegen fünf weitere Kandidatinnen und Kandidaten durch. Die Stichwahl gewinnt der Studienrat mit knapp 43 Prozent klar vor seinen Konkurrentinnen Desiree Sallwey und Anette Buess. Die Nachfolge von Joseph Reichert tritt der Mittdreißiger am 1. August an.
Windpark Rammert nimmt wichtige Hürde
Im April karren Windkraftgegner mittels Lastwagen 440.000 oft gleichlautende Einwendungen gegen die Windkraftflächenplanung vor die Tore des Regionalverbands. In Dußlingen ist die Stimmung anders: Dort stimmt der Gemeinderat am 16. Mai für die Verpachtung von Flächen an einen Betreiber, um auf Dußlinger Gemarkung grünen Strom zu produzieren. Da sieht die Stimmungslage in Starzach, auf deren Gemarkung auch sieben Anlagen entstehen sollen, anders aus.
Der Vertrag für den Windpark Rammert wird im Oktober von der Gemeinde und den Stadtwerken Tübingen in Dußlingen unterzeichnet. Die Anlagen könnten im Frühjahr 2028 fertig sein. Für die Freunde von regenerativer Energie gibt es zum Ende des Jahres hin noch einen Schock: Obwohl sich ab 2026 hier die Windräder drehen sollten, liegen die Pläne für den Windpark Großholz in Kusterdingen zunächst auf Eis. Der Grund? Eine Tiefflugstrecke für Hubschrauber der Bundeswehr.
- 6. Mai: Ein Großbrand zerstört in der Ergenzinger Ortsmitte ein altes Bauernhaus. Zündelnde Kinder haben in der Scheune das Feuer entfacht.
- 3. Juni: Bodelshausen wird mit einer erfolgreichen Erhebung ortsansässiger Hunde und steuersündiger Hundehalter zum Vorbild: Andere Gemeinden möchten nun ebenfalls nachzählen lassen.
- 30. Juni: Viele Kinder leiden während des Rottenburger Neckarfests an Durchfall und Erbrechen. Das neue Wasserspiel im Schänzle war durch Keime verunreinigt.
750 Jahre Rottenburg – der Höhepunkt der Feierlichkeiten
Der große Festumzug markiert im Juli den Höhepunkt der Feierlichkeiten und Veranstaltungen zum Stadtjubiläum. 750 Jahre Rottenburg gilt es darzustellen, aber zuerst kommt mit Tschingderassabum die Bürgerwache, gefolgt von 30 weiteren historischen Bürgergarden und -wehren, die gerade beim Landestreffen der Bürgerwehren in Rottenburg zu Gast sind. Danach 30 Laufgruppen, die den Wandel der Stadt im Lauf der Zeit zeigen: Römer, Adlige und Fußsoldaten, Gräfin Mechthild, Schuljungen in Knickerbockern, Mädchen in Kleidern. Und nicht zu vergessen die Vereine.

Der große Umzug zum Jubiläum in Rottenburg.
IMAGO/Eibner-Pressefoto/Ralph KunzeAuch Mössingen feiert – unter anderem mit Jubiläumssommerfest
Im Laufe des Jahres feiert Mössingen mit mehreren Veranstaltungen seinen doppelten Geburtstag: 774 wurde der Ort in einer Urkunde des Klosters Lorsch erstmals erwähnt und 1974 zur Stadt erhoben. Dauerhaft begleitet wird das Jubiläumsjahr von mehreren kostenfreien Ausstellungen. In einer Festschrift liefern Historiker und Archäologen dann noch wertvolle und auch kritische Beiträge zur Geschichte Mössingens und der später eingemeindeten Nachbarorte Öschingen und Talheim. Beim Jubiläumssommerfest am 6. und 7. Juli regnet es zwar zeitweise, doch dadurch fällt es nicht ins Wasser. Abgesagt wird nichts, die Mössinger feiern weiter.
Streit um den Kirchentellinsfurter Baggersee und seine Nutzung
Die Badesaison am Kirchentellinsfurter Baggersee startete mit einem neuen Bezahlsystem fürs Parken. Doch damit sollten die Nachrichten um die Geschehnisse am Baggersee erst beginnen. Denn Streitigkeiten um die Nutzung des Gewässers bewegen Fischereiverein, Gastronomen und die Leserinnen und Leser aber das ganze Jahr. Das TAGBLATT berichtet über Fraßdruck der Kormorane, Riesenwels und Klonkrebse. Die jüngste Neuigkeit: Patricia und Sascha Bosch geben ihr „SUP am See“ auf. Der Termin für die Normenkontrollklage, mit der der Fischereiverein die Gültigkeit des Bebauungsplanes am Baggersee vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim überprüfen lassen möchte, ist zweimal verschoben worden. Neuer Termin: Donnerstag, 10. April.

Die Stand Ups auf dem See gehören nun der Vergangenheit an.
Evi Miller- 1. August: Wegen Umbau geschlossen – Das Rottenburger Diözesanmuseum macht bis Herbst 2025 zu.
- 4. September: Tödlicher Unfall auf dem Autobahnzubringer B 28 – ein 36-Jähriger stirbt, weil ihm auf seiner Fahrspur ein 60-jähriger Autofahrer entgegenkommt.
- 16. Oktober: Nach schwerem Unfall stirbt bei Gomaringen ein 14-jähriger Pedelec-Fahrer. Der Autofahrer war laut Polizei betrunken.
Klaus Krämer ist der neue Bischof
Nur zehn Monate nach dem regulären Rücktritt von Bischof Gebhard Fürst (im Dezember 2023 wird er 75 Jahre alt), ernennt Papst Franziskus am 2. Oktober schon den Nachfolger: Neuer Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird der 60-jährige Theologe Klaus Krämer. Die Weihe Krämers im Rottenburger Dom ist auf den 1. Advent angesetzt – da ist für die Vorbereitungen wenig Zeit. Es gilt, Hotels für zig kirchliche Würdenträger aus aller Welt zu buchen und ein Fest für 2500 Gäste beim Bischofshaus zu organisieren.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind groß. An der Weihe sind Krämers Vorgänger Fürst und dessen Vorgänger Kardinal Walter Kasper anwesend. Auch weltliche Prominenz ist im vollbesetzten Dom, etwa Ministerpräsident Kretschmann und Wilhelm Herzog von Württemberg. Der SWR überträgt zwei Stunden lang live.
- 9. November: Ende nach 113 Jahren mitten im Ort: Die Hirrlinger Bäckerei Leins schließt.
- 26. November: Rund 50 Landwirte und Metzger gründen die neue Betreibergesellschaft für den Rottenburger Schlachthof.
- 3. Dezember: Der Nehrener Gemeinderat stimmt der Ernennung eines Mitglieds der Feuerwehr zum Ehrenkommandanten zu, selbst nachdem dieser Hassbotschaften auf Facebook verbreitete.
- 5. Dezember: Kundgebung beim Autozulieferer Bosch in Kusterdingen: Der Konzern will die Geschäftsbereiche „Radar und Lenkung“ auflösen. Die Beschäftigten sorgen sich um ihre Arbeitsplätze.
- 11. Dezember: Die zahlreichen Einwendungen machten bei den Planern wenig Eindruck: Das RP erteilt die Baugenehmigung für die umstrittene Ofterdinger Ortsumfahrung „Endelbergtrasse“
Fast 60 Millionen Euro für die Bildung in Gomaringen
Der Gomaringer Gemeinderat stellt im Jahr 2024 die Weichen auf Zukunft. Das kostet Geld. Das größte Projekt schlägt mit 7,68 Millionen Euro zu Buche. Dafür gibt es ein frisch saniertes Feuerwehrhaus mit neuer Halle, für das der Gemeinderat den Weg im Dezember freimacht. Ab Mitte des kommenden Jahres soll gebaut werden. Noch teurer wird das Schulzentrum auf dem Höhnisch, das die drei Gemeinden Dußlingen, Nehren und Gomaringen gemeinsam bauen.
Von 19 auf knapp 57 Millionen Euro schießen die Kosten in die Höhe. Zum Ende des Jahres diskutiert der Verband der drei Gemeinden das weitere Vorgehen: Erst soll die Gemeinschaftsschule bis Ende Juli 2026 erweitert werden, dann geht es bis Juli 2027 mit der Mensa weiter und zum Schluss der große Anbau im Gymnasium bis Mitte 2029. Oder zuerst Gymnasium dann Mensa, oder man baut doch nur zwei der drei. Die Entscheidung darüber soll im Frühjahr fallen.




