Bundestagswahl 2025
: SWP-Wahlpodium: Kandidaten im Schlagabtausch

Beim Wahlpodium der SÜDWEST PRESSE haben Politiker der sieben im Bundestag vertretenen Parteien ihre Ziele vorgestellt. Kontroversen gab es beim Thema Ukraine und bei der Sozialpolitik.
Von
Regine Lotterer
Metzingen
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Beim Wahlpodium der SÜDWEST PRESSE stellten sich Anne Zerr (Die Linke), Jaron Immer (Grüne), Sebastian Weigle (SPD), Pascal Kober (FDP), Michael Donth (CDU), Jessica Tatti (BSW) und Rudolf Grams (AfD), von link, den Fragen von Redakteurin Christina Hölz und Redaktionsleiter Peter Kiedaisch.

Thomas Kiehl
  • Debatte zur Bundestagswahl 2025 in Metzingen: Kandidaten stellten ihre Ziele vor.
  • Kontroversen zu Ukraine und Sozialpolitik; Zerr (Linke) und Tatti (BSW) mit abweichenden Meinungen.
  • Donth (CDU) und Immer (Grüne) unterstützen Ukraine; Weigle (SPD) gegen höhere Verteidigungsausgaben.
  • Unterschiedliche Ansätze bei Klimaschutz und Migration; Zerr fordert Obergrenze für Milliardäre.
  • Schwerpunkte: Rente, Gesundheit, bezahlbare Wohnungen und Chancengerechtigkeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Republik ist vor der Bundestagswahl politisiert wie schon lange nicht mehr. Dennoch wissen viele Bürgerinnen und Bürger noch immer nicht, wem sie am kommenden Sonntag ihre Stimme geben sollen. Eine Orientierungshilfe bot die Podiumsdiskussion der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb am Dienstag in der Metzinger Stadthalle. Gut 300 Besucher konnten die beiden Moderatoren, Redaktionsleiter Peter Kiedaisch, und Redakteurin Christina Hölz, dort begrüßen. Sie befragten etwas mehr als zwei Stunden lang die Vertreterinnen und Vertreter jener Parteien, die aktuell im Bundestag vertreten sind.

Wie unterschiedlich die Direktkandidaten im Wahlkreis Reutlingen manches Thema beurteilen, wurde den Fragen nach der Zukunft der Nato und der Ukraine deutlich. Vor allem Anne Zerr (Die Linke) und Jessica Tatti (BSW) vertraten andere Positionen als die übrigen Kandidaten. Zerr plädierte für eine europäische Sicherheitsarchitektur, die die Nato langfristig ersetzen soll. Tatti betonte mehrfach an diesem Abend, Europa brauche jetzt vor allem Frieden.

Nato und Ukraine

Michael Donth (CDU) hielt dagegen und ließ sich auch von lauten Zwischenrufen aus dem Publikum nicht beirren, als er Russland klar als Aggressor benannte. Der Ukraine will er weiter dabei helfen, sich gegen Putins Truppen zu verteidigen. Jaron Immer (Grüne) betonte ebenfalls, die Ukraine müsse in der Lage sein, bei anstehenden Friedensgesprächen auf Augenhöhe zu verhandeln: „Die Alternative wäre ein Diktatfrieden.“ Immer sprach sich ebenso wie Donth, Pascal Kober (FDP) und Rudolf Grams (AfD) dafür aus, die Verteidigungsausgaben auf mehr als zwei Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Sebastian Weigle (SPD) ist zwar gegen diese Anhebung, will Trump und Putin aber nicht als alleinige Gestalter einer künftigen Weltordnung sehen, sondern auch Europa beteiligt wissen.

Verschiedene Ansätze verfolgen die Kandidaten ebenfalls beim Klimaschutz. Während es für AfD-Mann Grams „keinen Beweis für eine Klimanotlage“ gibt, erklärte Pascal Kober, um das Klima zu schützen, brauche es Lösungen, die global wirkten. Im Blick hat er dabei insbesondere den CO2-Zertifikatehandel. Skeptisch sei er beim Bau von Windrädern, deren Bau sich nur dank Subventionen rentiere, so Kober. Anne Zerr vertritt die Meinung, mit hohen Investitionen in den ÖPNV werde das Klima geschützt und die Menschen beim Thema zugleich mitgenommen. Dabei müsse der Nahverkehr auch in der Fläche funktionieren.

Klimaschutz und Nahverkehr

Rudolf Grams glaubt dagegen, dass der ÖPNV keine große Zukunft hat. Zu unsicher sei es für die Bürger an den Bahnhöfen („dort wird gemessert“) und zu unsauber. Sebastian Weigle überraschte diese Aussage. Er fahre häufig Bus und Bahn und fühle sich dabei sehr sicher. Jaron Immer sagte, seine Partei sei technologieoffen, es sei denn, es handle sich um eine Technologie, die klimaschädliche Gase ausstoße. Zudem biete der Invest in Klimatechnologien die Chance auf langfristiges Wirtschaftswachstum. Michael Donth hielt den Bürgern den Spiegel vor: Jeder wolle, dass mehr Güter auf der Schiene transportiert würden, aber niemand wolle, dass Gleise in seiner Nachbarschaft verlegt würden. Gleiches gelte für Windräder. Jessica Tatti wandte sich gegen Klimaschutz „der für jeden das Leben nur teurer macht“.

Einige Leser hatten die SÜDWEST PRESSE im Vorfeld des Wahlpodiums gebeten, auf eine Debatte über die Migration zu verzichten. Dieser Bitte sei der Verlag nicht nachgekommen, weil damit genau diejenigen bestärkt würden, die behaupten, Medien seien nicht objektiv, erklärte Moderator Peter Kiedaisch. „Aber wir sind objektiv.“ Einig waren sich alle Politiker, weiterhin politisch Verfolgte in Deutschland aufzunehmen. Anne Zerr vertrat sogar die Ansicht, jede Person, die an die deutsche Grenze komme, solle aufgenommen werden. Nicht die Menschen in den Schlauchbooten seien das Problem, sondern die Milliardäre im Land. „Wir brauchen eine Obergrenze für Milliardäre.“

Rente und Gesundheit

Gerechter und effizienter will Zerr das Gesundheitssystem gestalten, niemand solle Profit daraus ziehen dürfen. Michael Donth konterte: Wenn ein Mediziner nichts mehr verdienen dürfe, müsse jede Hausarztpraxis sofort schließen. Um Altersarmut zu verhindern, möchte Sebastian Weigle die Zahl der Betriebsrentner deutlich vergrößern und das derzeitige Rentenniveau halten.

Pascal Kober hält es für unerlässlich, bereits im frühen Kindesalter anzusetzen, um Chancengerechtigkeit herzustellen. Es gelte, einzugreifen, bevor sich Armut verfestige. Um mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen, solle es deutlich einfacher werden, neue Häuser zu bauen, sagt Michael Donth. „Es gibt eine Vielzahl sich widersprechender Vorschriften.“ Fördern will er insbesondere den privaten Wohnungsbau. Um Armut zu verhindern, möchte Jessica Tatti die Tarifbindung von Betrieben fördern und dafür sorgen, dass kräftig ins Bildungssystem investiert wird. In einem reichen Land dürfe kein Kind auf der Strecke bleiben.