Bundestagswahl 2025: Warum niemand Milliardär sein muss und der Verbrenner eine Zukunft hat

Anne Zerr (Die Linke) und Grünen-Kandidat Jaron Immer antworteten sich Seite an Seite durch den Fragenkatalog.
Thomas Kiehl- Bei einer Podiumsdiskussion in Metzingen diskutierten sieben Bundestagskandidaten 2025.
- Anne Zerr (Die Linke) betonte soziale Gerechtigkeit und kritisierte Milliardäre.
- Jaron Immer (Grüne) forderte Investitionen in die europäische Sicherheit.
- Pascal Kober (FDP) warb intensiv für seine Partei.
- Rudolf Grams (AfD) verteidigte den Verbrenner und leugnete den Klimanotstand.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
So aufgeheizt und emotional viele Podiumsdiskussionen und TV-Auftritte im Vorfeld der Bundestagswahl derzeit ablaufen, so sachlich und Hysterie-frei ging es am Dienstagabend in der Metzinger Stadthalle zu, als die SÜDWEST PRESSE vor gut 300 Besuchern sieben Kandidaten auf den Zahn fühlte. Viel Applaus und einige wenige Buhrufe gab’s in den etwas mehr als zwei Stunden, in denen bisweilen Überraschendes, manchmal auch Fragwürdiges, immer aber Aufschlussreiches gesagt wurde. Wenig erfreulich ist dagegen die Tatsache, dass die Vorher-Nachher-Umfrage unserer Zeitung ganz offensichtlich manipuliert wurde.
Hat jemand versucht, zu tricksen?
Am Hallen-Eingang hatten wir Stimmzettel verteilt, auf denen die Zuhörer ankreuzen konnten, wie sie die einzelnen Kandidaten vor Veranstaltungsstart und nach Diskussionsende beurteilen. Der einzige Erkenntnisgewinn, den wir bei der Auszählung hatten: Da hat wohl jemand versucht, zu tricksen. Anders lässt sich das Ergebnis, das wir hier aus nachvollziehbaren Gründen nicht veröffentlichen möchten, nicht deuten. Doch zurück zu jenen Menschen, die den Wahlkreis Reutlingen in den nächsten vier Jahren im Bundestag vertreten wollen. Wir arbeiten uns nach den Sitzplätzen auf dem Podium von links nach rechts vor und beginnen mit Anne Zerr.
Leib- und Magen-Thema der Bewerberin, die für Die Linke antritt, ist die soziale Gerechtigkeit. Zerrs Partei befindet sich derzeit nach einem Umfragetief im Aufwind. „Die Linke ist zurück, wir sind bei sieben Prozent“, rief sie dem Publikum vom Podium aus fast schon euphorisch zu. In Sätzen wie „Unser Problem sind nicht die Menschen in den Schlauchbooten, sondern die in den Privatjets“, fasste sie gleich mehrere ihrer Wahlkampfinhalte zusammen. Denn zum einen sieht sie die Zuwanderung als Riesenchance für Deutschland, zum anderen hat sie die – ihrer Meinung nach offenbar gar nicht so kleine – Gruppe der Milliardäre im Blick. Die, findet sie, müsste es eigentlich gar nicht geben. Also nicht die Menschen an sich, sie meint wohl eher die enorme Anhäufung von Geld bei einer Person.

Sebastian Weigle (SPD) sollte, wie alle Kandidaten, einen persönlichen Gegenstand mitbringen. Er entschied sich für sein Vesperbrett.
Thomas KiehlAuf die Milliardäre hat auch Jaron Immer ein Auge geworfen. Wobei er zwei ganz spezielle Super-Reiche im Blick hat. „So unseriösen Typen wie Trump und Musk dürfen wir unsere Sicherheit nicht anvertrauen“, findet der Grünen-Kandidat, der deshalb deutlich höhere Investitionen in die europäische Sicherheitsarchitektur fordert. Ansonsten hat Immer offenbar aus den Grünen-Fehlern der Vergangenheit gelernt. Er will es deshalb tunlichst vermeiden, den Menschen etwas vorschreiben zu wollen. „Wir sind total technologieoffen“, betonte er mit Blick auf die Energieformen, mit denen Deutschland in die Zukunft gehen soll. Wobei: Eine Einschränkung musste Immer dann doch machen. „Wenn dabei Klima-zerstörerische Gase ausgestoßen werden, sind wir dagegen.“

Pascal Kober machte kräftig Wahlwerbung für die FDP.
Thomas KiehlDas Klima und dessen Wandel beschäftigen indes auch Sebastian Weigle (SPD). Die Folgen von Hitze und Hochwasser bekommen vor allem die Kommunen zu spüren, sagt er. Weshalb Städte und Gemeinden von Bund und Ländern mehr Unterstützung bekommen sollen, um sich auf die Veränderungen vorzubereiten. Und auch zur sozialen Gerechtigkeit hat sich Weigle so seine Gedanken gemacht. Sein Credo: „Die starken Hände müssen mehr tragen als die schwachen.“ Derart zupackend soll auch das Rentensystem stabil gehalten werden. Wobei Weigle den Zuhörern in dem Kontext das Wort „Milliardäre“ dankenswerterweise erspart hat.

Was CDU-Kandidat Michael Donth da wohl gesagt hat? Jessica Tatti (BSW) hatte dafür jedenfalls ein mildes Lächeln parat.
Thomas KiehlMitten drin auf dem Podium hatte am Dienstag Pascal Kober seinen Platz gefunden. Er nutzte seine Redezeiten immer wieder dazu, Werbeblock-artig die Vorzüge der FDP aufzuzählen. Was man ihm ehrlicherweise nicht verdenken kann. Die Fünf-Prozent-Marke hängt über der Zukunft der Liberalen wie ein Damoklesschwert. Doch Kober ist guter Dinge, spricht gar von einer Aufholjagd, die seine Partei derzeit in den Wahlumfragen hinlegt. Ja, er sieht seine FDP sogar schon wieder im Bundestag aufschlagen – natürlich an der Seite der CDU. „Entscheidend ist, wer mit ihr regiert“, sagte Kober in Richtung der Zuhörer und gleich anschließend auch noch zu Michael Donth. Einen Wunsch hatte er auch noch im Gepäck: Man solle doch bittet die Zweitstimme der FDP geben.
Wer wird mit wem regieren?
Die Zweitstimmen hätte auch ein anderer Bewerber gern: Michael Donth. Wobei der CDU-Abgeordnete sicher auch nicht nein sagen würde, wenn er und seine Partei die Erststimmen der Wähler noch obendrauf bekämen. Aus dem Agieren der Ampel-Parteien in den vergangenen Jahren hat er so seine Lehren gezogen. „Wir brauchen eine starke Regierung, die sich nicht andauernd streitet“, ist die Erkenntnis, mit der er in die Zukunft und (wieder) in den Bundestag gehen will, wo sich seine Partei höchstwahrscheinlich auf der Regierungsbank niederlassen wird. Wer ihr dann als Koalitionspartner Gesellschaft leistet, ist eine der spannenden Fragen, die es nach dem 23. Februar zu beantworten gilt. Ob Donth dann noch das Angebot seinen Podiums-Nachbarn von der FDP, Pascal Kober, in den Ohren klingt?
So emsig sich derzeit die Liberalen an der Fünf-Prozent-Marke zu schaffen machen, so fleißig ist auch das BSW damit beschäftigt, die Hürde zu überwinden. Jessia Tatti ist zwar keine Direktkandidatin des Wahlkreises, ist aber Spitzenkandidatin des BSW-Landesverbandes und war deshalb zur Podiumsdiskussion eingeladen. Sie hat sich inhaltlich in vielen Fragen weit entfernt von ihrer einstigen politischen Heimat (Die Linke). Beim Thema Migration setzt sie darauf, dass man sich auf die Unterstützung derjenigen Menschen fokussiere, die ein Bleiberecht haben und Schutz brauchen. Und sie findet, dass man das „Verbrenner-Aus auf EU-Ebene zurücknehmen muss.“ Ein interessanter Ansatz, mit dem das BSW allerdings kein Alleinstellungsmerkmal vorweisen kann. Denn auch Rudolf Grams, seines Zeichens AfD-Kandidat, sind derlei Gedankengänge nicht fremd.

Rudolf Grams (AfD) visiert die 25-Prozent-Marke für seine Partei an.
Thomas KiehlDie Verbrenner, so die Grams'sche Überzeugung, sei sehr gut und sehr effizient, die Feinstaubbelastung durch den Diesel sei faktisch gleich null. Ja, er eröffnete den Zuhörern sogar die überraschende These, dass bei Diesel-Fahrzeugen die dreckige Luft vorn angesaugt werde und hinten sauber herauskomme. Ansonsten ist Grams der Meinung, dass es keinen Klimanotstand gibt und anders als andere anwesende Kandidaten und Kandidatinnen macht er den Erfolg seiner Partei nicht an der 5-, sondern an der 25-Prozent-Marke fest. Ab dann nämlich habe man parlamentarisch mehr Rechte: „Dann hätten wir mehr Redezeiten und könnten Untersuchungsausschüsse einberufen.“ Ob es denn so weit kommt, wird sich am kommenden Sonntag weisen. Wobei das Geschachere um die Koalitionsbildung erst danach richtig losgehen wird.
