Tödlicher Gondel-Absturz im Mai
: „Hinweise auf menschliches Versagen“ bei Horber Hochbrücken-Unfall

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach dem Absturz einer Gondel an der Horber Hochbrücke gegen den 36-jährigen Kranführer. Unter anderem belastet ihn ein Video.
Von
Moritz Hagemann
Horb am Neckar
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Das Gelände rund um die Horber Hochbrücke war weiträumig abgesperrt.

Am vorderen Betonpfeiler ereignete sich am 20. Mai der tödliche Unfall.

Moritz Hagemann
  • Drei Tote bei Gondel-Absturz an Horber Hochbrücke am 20. Mai.
  • Ermittlungen gegen Kranführer wegen fahrlässiger Tötung.
  • Hinweise auf menschliches Versagen; Gondel verfing sich in Seilen und stürzte ab.
  • Video eines österreichischen Kranführers belastet den Verdächtigen.
  • Staatsanwaltschaft und Polizei prüfen Zeugenaussagen und Beweismittel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem tödlichen Unfall an der Horber Hochbrücke, bei dem am 20. Mai drei Männer zwischen 40 und 46 Jahren ums Leben gekommen sind, „liegen Hinweise auf ein menschliches Versagen vor“, geben die Staatsanwaltschaft Rottweil und das Polizeipräsidium Pforzheim am Montagmorgen in einer Mitteilung bekannt.

Die Ermittlungen richten sich demnach gegen den 36-jährigen Kranführer, der die Gondel nach oben gezogen hatte. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Welche Pflichten er genau verletzt haben soll, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, erklärt Polizeisprecher Benjamin Koch auf Nachfrage. Weshalb er die Gondel nicht anhielt, nachdem sich das Zugseil in Querseilen verfangen hatte, „ist eine Frage, die sich stellt“, sagt Koch. Das abschließende Gutachten liege jedoch noch nicht vor.

Der bereits zwei Tage nach dem Unfall geäußerte Verdacht, „dass sich die Kranflasche, an deren Haken auch die Transportgondel bei der Personenbeförderung befestigt war, an querlaufenden Drahtseilen verfing und das Kranseil letztendlich riss“, wie die Ermittler in ihrer Mitteilung schreiben, habe sich indes weiter verdichtet.

„Ein bisschen was rauslesen“ aus Video

In einem zwischenzeitlich wieder gelöschten „Youtube“-Video hatte ein in Österreich tätiger Kranführer schon wenige Tage nach dem Unfall schwere Vorwürfe gegen den in Horb beteiligten Kollegen erhoben. „Das ist eines von vielen Beweismitteln, das es zu würdigen gilt“, sagt Polizeisprecher Koch. Da könnten die Ermittler „ein bisschen was rauslesen“. Etwa Anhaltspunkte, wie lange die Gondel an den Querseilen festgehangen haben könnte. Koch: „Flankiert mit Zeugenaussagen sollte sich so ein klares Bild von diesem Unfall ergeben.“