Unruhe nach Göppinger Verbrechen: „Ich hoffe, unsere Kinder wachsen weiterhin so behütet auf wie bisher“

Blaulicht, Straßensperrungen, Polizei: Szenen nach Verbrechen in Göppingen, die sich in jüngster Zeit häufen – und die Menschen verunsichern.
Giacinto Carlucci, SDMG/Kern- Drei Tötungsdelikte in sechs Wochen erschüttern Göppingen, Täter teils noch flüchtig.
- Am 2. Oktober wurde ein Mann in der Shorty’s Bar erschossen, Täter und Waffe sind noch unbekannt.
- Ein weiterer Mord am 16. Oktober, Frau in U-Haft, Motiv unklar.
- Am 23. Oktober starb ein 43-jähriger Vietnamese durch Messerstiche, Verdächtige festgenommen.
- Bürger sind verunsichert und besorgt, Polizei sucht intensiv nach Tätern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Augenzeuge steht unter Schock, kann nach dem Anschlag nicht über das Erlebte sprechen. Er hatte gesehen, wie der Täter am Abend des 2. Oktober die Shorty‘s Bar in der Göppinger Gartenstraße betrat und sofort das Feuer eröffnete: Der Schütze soll – einer Hinrichtung gleich – mit einer Maschinenpistole einem 29-Jährigen gezielt in den Kopf geschossen haben. Der Mann wurde bei dem Anschlag getötet, zwei weitere Opfer kamen schwerverletzt in die Klinik und wurden operiert. Der Täter flüchtete in Richtung Bahnhof und wurde bis jetzt nicht gefasst. Auch die Tatwaffe ist bisher nicht auffindbar, eine akribische Suche von Polizeitauchern in der Fils blieb erfolglos.
46-Jähriger stirbt durch Messerstiche – Verdächtige in U-Haft
„Ich hoffe, unsere Kinder wachsen weiterhin so behütet auf wie bisher“, sagt eine Mutter, die mit ihrer Familie im Göppinger Wohngebiet Schiefergrube wohnt – unweit eines weiteren Tatorts im Gerokweg. Dort kam ein 46-jähriger Mann am Abend des 16. Oktober, genau zwei Wochen nach den tödlichen Schüssen in der Bar, gewaltsam zu Tode. Eine 25 Jahre alte Frau aus dem Großraum Stuttgart soll den Mann mit Messerstichen umgebracht haben. Sie sitzt wegen Mordverdachts in U-Haft. Derzeit wird geprüft, ob die Frau psychisch krank ist. Es war das erste und einzige Treffen zwischen mutmaßlicher Täterin und ihrem späteren Opfer, die Hintergründe der Bluttat sind nicht bekannt.
43-Jähriger stirbt an Stichverletzungen
Und diese Woche nun ein weiteres Verbrechen: Am Montagabend wurde ein Mann mit Stichverletzungen vor einem Haus in der Hohenstaufenstraße gefunden. Der 43-jährige Vietnamese starb noch am Tatort, ein 33-jähriger Tatverdächtiger aus Vietnam und eine gleichaltrige vietnamesische Staatsangehörige wurden vorläufig festgenommen, die Frau war kurze Zeit später wieder auf freiem Fuß. Auch die Hintergründe dieser Tat liegen völlig im Dunkeln, eine Tatwaffe war bisher nicht auffindbar.
„Leben wir in Chicago?“. Diese rhetorische Frage hört man oft in diesen Tagen. Bei der Arbeit, an der Supermarktkasse, im Gespräch mit Nachbarn. Hinzu kommt eine lähmende Ungewissheit. Die Menschen sehnen sich nach Antworten, nach Informationen, nach Aufklärung. „Der Buschfunk ist wie stille Post. Ständig kommt etwas dazu, und es wird immer dramatischer“, meinte eine Frau nach dem mutmaßlichen Mord im Gerokweg. „Verrückte Welt“, spricht ein Mann, der im Wohngebiet Schiefergrube wohnt, das aus, was derzeit viele denken. „Eine seltsame Zeit. Und viele schlechte Nachrichten.“
Die Gerüchteküche brodelte nach diesem Verbrechen im Gerokweg, vor allem in der direkten Nachbarschaft, die ihre heile Welt erschüttert sieht. Der Ulmer Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger entkräftet einige der ungesicherten Informationen, die im Umlauf waren, zum Beispiel die Mutmaßung, dass bei dem Mord Sex im Spiel war. „Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich um ein Sexualdelikt gehandelt haben dürfte. Die Beschuldigte ist auch keine Prostituierte.“
Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto nach Schüssen in Bar
Auch zu den Schüssen in der Shorty's Bar gibt es jede Menge Theorien. Vielen Menschen in der Stadt ist unwohl bei dem Gedanken, dass der Täter noch nicht gefasst ist. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Vielleicht kommen Polizei und Staatsanwaltschaft der Aufklärung des Falls ein Stück näher: Am Mittwoch wurde ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Es zeigt einen Mann, der bislang nicht identifiziert werden konnte. Dieser hielt sich im Tatzeitraum in Tatortnähe auf. „Es ist nicht auszuschließen, dass der Mann mit der Tat in Verbindung gebracht werden oder in sonstiger Weise etwas zur Tataufklärung beitragen kann“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Jener 2. Oktober hat sich scharf ins Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt. Vor allem derer, die an dem Abend das Weinfest auf dem Göppinger Marktplatz besucht hatten, wenige hundert Meter entfernt von der Bar, in der die tödlichen Schüsse fielen. Aber auch derjenigen, die aus irgendwelchen Gründen an diesem Abend spontan entschieden hatten, nicht auf dem Weinfest feiern zu gehen, und froh waren, dass die Tochter erst am nächsten Tag abends in die Stadt wollte und nicht zur falschen Zeit am falschen Ort war. In diesen Abendstunden nicht mit dem Zug vom Cannstatter Wasen zurückkamen und am Bahnhof ausstiegen. In diese Richtung soll der Täter geflohen sein. Von ihm fehlt jede Spur, doch Polizei und Staatsanwaltschaft gehen weiterhin davon aus, dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht.
Schüsse auf FDP-Politiker bei „Aktenzeichen XY“ nachgestellt
Just in diesen Wochen rollte die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ ein Verbrechen auf, das nicht in Vergessenheit, aber etwas aus dem Fokus geraten ist: die Schüsse auf den FDP-Politiker Georg Gallus - ein Attentat, das den Landkreis Göppingen in der Nacht auf den 19. März 2023 erschütterte und bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Das heute 67-jährige Opfer war in jener Nacht durch Schüsse von einem Unbekannten schwer verletzt worden. Der Täter feuerte um 4 Uhr morgens mehrmals von außen durch ein Fenster auf den Landwirt, der in seiner Wohnung auf dem abgelegenen heimischen Uhlandhof in der kleinen Voralbgemeinde Hattenhofen schlief. Gallus wurde bei dem Mordanschlag so schwer verletzt, dass er in der Klinik am Eichert in Göppingen notoperiert werden musste. Der Politiker ist „körperlich wieder hergestellt“, sagt er. Seine politische Arbeit lenke ihn ab und sei eine Art der Therapie, mit dieser Ausnahmesituation fertig zu werden. Was bleibt, ist die Angst, dass der Täter wiederkommt. Von ihm fehlt nach wie vor jede Spur.



