Tödliche Schüsse in Göppinger Bar: Täter weiter auf der Flucht – OB Maier: „Wir sind alle geschockt“

In der Café-Bar "Shorty's" in Göppingen fielen am Mittwochabend tödliche Schüsse.
SDMG / KernGroßeinsatz für die Polizei am späten Mittwochabend in der Göppinger Innenstadt: Kurz vor 22 Uhr waren mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Die Anrufer berichteten von Schüssen in einem Lokal. Nach NWZ-Informationen handelt es sich beim Tatort um die Café-Bar „Shorty's“ in der Gartenstraße unweit des Finanzamts. Das Lokal befindet sich zwischen einem Spielcenter und einer weiteren Bar. Es handelt sich, entgegen ersten Zeugenaussagen und Darstellungen nicht um eine Shisha-Bar. Der Tatort wurde von der Polizei versiegelt.
Die ersten Polizeibeamten, die vor Ort eintrafen, stellten drei Verletzte mit Schusswunden fest. Für einen von ihnen, einen 29-Jährigen, kam die ärztliche Hilfe zu spät. Er starb noch am Tatort. Zwei weitere Menschen wurden lebensgefährlich verletzt und in Krankenhäuser gebracht. Dort wurden sie noch in der Nacht operiert.

Großeinsatz der Polizei in Göppingen: Bei einer Schießerei in einer Bar in der Gartenstraße wurde ein 29-Jähriger tödlich verletzt, zwei weitere Opfer wurden mit schweren Verletzungen in die Klinik gebracht.
Marius Bulling/dpaSchütze auf der Flucht – so lautet die Täterbeschreibung
Die Polizei leitete eine intensive Fahndung nach dem Täter ein. Bisher ohne Erfolg – auch am späten Donnerstagabend war der Mann noch auf der Flucht. Zu dem Schützen ist nach Polizeiangaben (Hinweise an 0731 188-0) bisher Folgendes bekannt:
- schwarz gekleidet
- zirka 18 bis 24 Jahre alt
- etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß und schlank
Der Mann flüchtete zu Fuß vom Tatort in der Gartenstraße in Richtung Bahnhof. Die Polizei war auch dort und in der näheren Umgebung mit starken Kräften vertreten, der Bereich um den Tatort in der Gartenstraße war weiträumig abgesperrt, SEK und Kripo waren vor Ort. Rettungsfahrzeuge standen in den umliegenden Straßen. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Die Polizei hat inzwischen eine Sonderkommission "Kurz" gebildet, auch am Donnerstagvormittag waren Spezialisten der Kriminalpolizei Ulm und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg zur Spurensicherung vor Ort, um mögliche Beweismittel sicherzustellen. Auch Zeugen wurden befragt.
Ermittelt werde in alle Richtungen, betonten Staatsanwaltschaft und Polizei. „Auch ein Zusammenhang mit Konflikten von kriminellen Gruppen im Großraum Stuttgart in der Vergangenheit wird derzeit geprüft“, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Spurensicherung suchte am Donnerstagmorgen nach möglichen Beweismitteln im Zusammenhang mit der Bluttat.
SDMG / KernLaut Polizei keine Gefahr für Bevölkerung
Nach Angaben von Oberbürgermeister Alex Maier, der am späten Mittwochabend in ständigem Austausch mit den Sicherheitsbehörden stand und auch weiterhin steht, gibt es keine akute Gefahr für die Bevölkerung. Maier begab sich am Mittwochabend zum Einsatzort, um dort die aktuelle Lage mit der Polizei zu besprechen. „Die Polizei hat mir sehr frühzeitig mitgeteilt, dass keine Gefährdung für die Bürgerinnen und Bürger besteht, es sich also nicht um eine Amoklage handelt“, sagte Maier.
Weinfest ging ohne Beeinträchtigung zu Ende
Wenige hundert Meter vom Tatort entfernt fand auf dem Göppinger Marktplatz am Mittwochabend der Auftakt des Göppinger Weinfests statt. Nachdem das Musikprogramm auf dem Marktplatz zu Ende war, gingen die Besucher ganz normal nach Hause. Nach Angaben von Rathauschef Alex Maier gab es keinerlei Panik. „Das Weinfest war von dem Einsatz nicht betroffen. Deshalb war es richtig, das Fest nicht aufzulösen.“ Das Göppinger Weinfest, das noch bis Sonntagabend dauert, wurde am Donnerstag auch normal fortgesetzt.
„Wir sind natürlich alle geschockt von dem Verbrechen“, meinte der Rathauschef am Donnerstagvormittag gegenüber der NWZ. Jetzt gelte es, die Ermittlungen abzuwarten und zu hoffen, dass der Täter schnell gefasst wird. Maier bat die Öffentlichkeit darum, keine Gerüchte weiterzutragen. „Spekulationen helfen keinem weiter, weder den Ermittlern, und erst recht nicht den Opfern“, betonte der OB.
Zusammenhang mit Gewaltserie in der Region wird geprüft
Nach den Schüssen in Göppingen ermittelt die Polizei in alle Richtungen. Derzeit gibt es keine Bestätigung dafür, dass die Schüsse in der Bar in der Gartenstraße am Mittwochabend im Zusammenhang mit der brutalen Fehde um Ehre, Macht und Territorien stehen, die sich seit Sommer 2022 zwei verfeindete Gangs in der Region Stuttgart liefern. Ihren Bandenkrieg fechten sie mit Mitteln aus, die an Gangsterfilme erinnern: Es fallen Schüsse aus vorbeifahrenden Autos („Drive-by-shooting“), es werden Brände gelegt, sogar eine Kriegswaffe kam, wie berichtet, zum Einsatz. Die Ermittler arbeiten die zahlreichen Schüsse, Bedrohungen und Schlägereien rund um die Gewalttaten Stück für Stück ab. In Eislingen waren in der Nacht auf 24. Februar 2023 vor der Shisha-Bar „Phoenix Lounge“ an der Stuttgarter Straße aus einem Auto heraus etwa ein halbes Dutzend Schüsse gefallen, vermutlich aus einer Kurzwaffe. Eine 21-jährige Frau, die offenbar ein Zufallsopfer war, wurde an den Beinen verletzt.
