Bombendrohung an Schulen
: Immer mehr Einrichtungen bedroht? – GEW: „Schulen als geschützter Raum“

Angst und Unsicherheit prägen den letzten Schultag vor den Herbstferien in Baden-Württemberg: Wie die Polizei mit den Bombendrohungen an mehreren Schulen und einer Hochschule umgeht – und was Politiker fordern.
Von
Sven Kaufmann
Schorndorf/Göppingen/Stuttgart
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Nach Bombendrohungen hat die Polizei am Freitag auch Schulen im Göppinger Stadtteil Faurndau geräumt, durchsucht und bewacht.

SDMG / Kern

Alle Schüler und Lehrer nach draußen: Nach Bombendrohungen hat die Polizei am Freitagmorgen – am letzten Schultag vor den Herbstferien – in Baden-Württemberg mit einem Großaufgebot mehrere Schulen und eine Hochschule geräumt. Zunächst ging eine Drohung an einer Schule in Schorndorf ein, später auch in Fellbach und Waiblingen (alle drei im Rems-Murr-Kreis). Unbekannte schickten am Morgen auch an Schulen im Kreis Göppingen eine „E-Mail mit bedrohlichem Inhalt“, teilte die Polizei auf Anfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim wurde nach einer Droh-Mail ebenfalls geräumt: 150 Studierende mussten am Morgen das Gebäude verlassen, bestätigte ein Polizeisprecher. Die Maßnahmen seien aber mittlerweile abgeschlossen, es bestehe keine Gefährdung mehr. Auch in einem Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen ging noch vor Schulbeginn eine Droh-Mail ein.

Alle Schulen abgesperrt und durchsucht

Auch wenn die Polizei keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung hatte: Grundsätzlich müsse man jede Drohung ernst nehmen, sagte ein Polizeisprecher. Alle Schulen wurden durchsucht, die Umgebung abgesperrt.

Zusammenhang mit Nahost-Konflikt?

Das Innenministerium berichtete auf Nachfrage, dass bislang alle Polizeipräsidien autark an den Fällen arbeiteten. Man habe das noch nicht zusammengezogen, weil sich bisher die Ernsthaftigkeit der Drohungen nicht bestätigt habe, sagte eine Sprecherin. Es werde aber jedes Mal geprüft, ob die Fälle zusammengezogen werden sollten. „Wir beobachten das akribisch und prüfen die Drohungen jedes Mal auf Echtheit“, sagte eine Sprecherin. Man nehme jede Drohung ernst. Das ist das Dilemma der Einsatzkräfte: Sie müssen jedem Hinweis nachgehen, auch wenn es sich am Ende als leere Drohung herausstellt. Bezüge zum Konflikt im Nahen Osten konnte die Sprecherin nicht bestätigen.

Bombendrohungen auch in anderen Bundesländern

In jüngster Zeit häufen sich Ereignisse, in denen Unbekannte mit Bombendrohungen für Aufsehen und Angst sorgen. Nicht nur der Südwesten ist von den Bombendrohungen betroffen, auch in anderen Bundesländern halten Drohungen die Behörden auf Trab. Besonders im Fokus sind Schulen, zuletzt auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen betroffen.

Die Urheber sind unbekannt, die Hintergründe unklar. In einigen Fällen wurden in den Schreiben Bezüge zur islamistischen Hamas sowie zum Gaza-Krieg hergestellt, aber auch der Ukraine-Konflikt war Thema.

Drohungen nicht nur an Schulen

Aber auch andere Einrichtungen wurden in den vergangenen Tagen Ziele von Bedrohungen:

SPD-Politiker Sascha Binder spricht von „unsäglichem Trend“

Man müsse diesen „unsäglichen Trend“ im Keim ersticken, fordert Sascha Binder. Der baden-württembergische SPD-Innenpolitiker kritisiert, dass die Ermittlungen trotz der ähnlichen Fälle nicht zusammengezogen werden: „Im Netz nach gefälschten Absendern zu suchen, kann nicht die Aufgabe einzelner Reviere sein.“ Und weiter: „Wir müssen genug Know-How und Kapazitäten einsetzen, um die Urheber dieser Drohungen schnell zu ermitteln.“ Eine Welle von Nachahmungstaten sei ein echtes Risiko.

GEW: „Schulen sollen geschützter Raum sein“

Auch Vertreter der Bildungseinrichtungen melden sich zu den Vorfällen zu Wort: „Wenn das nun wochenlang die Schulen begleitet, ist das eine richtige Hausnummer“, sagt der Geschäftsführer der Bildungsgewerkschaft GEW im Südwesten, Matthias Schneider. Aber eine ausgefallene Unterrichtsstunde sei weniger schlimm als wenn Menschen ums Leben kämen. „Schulen sollten ein geschützter Raum sein, kommentierte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull die Ereignisse vom Freitag. „Ein trauriger Ferienbeginn! Ich wünsche allen, dass Sie Zeit haben, zur Ruhe zu kommen.“