GZ-Weihnachtsaktion 2023
: Recycling-Werkstatt: Es geht um viel mehr als Fahrräder

Die Fahrradwerkstatt repariert nicht nur Fahrräder, sondern liefert auch Essen für Kita- und Schulkinder aus – und bietet insgesamt 37 Menschen eine Beschäftigung. So geht es in der Werkstatt zu.
Von
Rebecca Hummler
Geislingen
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Stefan Tielesch und André Fries überprüfen in der Werkstatt, was an dem Fahrrad zu tun ist.

Markus Sontheimer

Ob es darum geht, Fahrräder zu reparieren und zu transportieren oder sich weiterhin bürgerschaftlich zu engagieren: Die Geislinger Fahrradwerkstatt der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung (SAB) braucht Spenden. Zwei Transporter hat die Werkstatt zur Verfügung. „Wir brauchen beide Fahrzeuge für Essensauslieferungen und für Fahrradtransporte“, berichtet Stefan Tielesch, der dort als Arbeitsanleiter angestellt ist.

Geschäftsführer: „Wir brauchen zwei Fahrzeuge“

Denn die Fahrradwerkstatt liefert Essen an insgesamt neun Schulen und Kindergärten aus. An einem VW-Bus müssen das Schwungrad vom Getriebe und die Kupplung ausgetauscht werden – die SAB rechnet mit Kosten von rund 4000 Euro. „Es wollen ja alle zur gleichen Zeit was essen, daher brauchen wir in diesen Ballungszeiten zwei Fahrzeuge“, sagt SAB-Geschäftsführer Kai Münzing.

Die Zahl der Auslieferungen von Mahlzeiten aus der WMF-Kantine hat sich wohl wegen ausgebauter Betreuungsangebote deutlich erhöht. Essen auszuliefern sei ein historisches Erbe, das man von der Recyclingwerkstatt „Drahtesel“ der Initiative Bürgerengagement – die zwischen 2002 und 2004 im Tälesbahnhof untergebracht war – übernommen hat, wie Karin Woyta erklärt. Woyta ist vielen im Landkreis Göppingen als langjährige Geschäftsführerin der SAB bekannt – zum 1. November hat sie ihren Posten an Nachfolger Kai Münzing übergeben und unterstützt ihn noch bis Februar in der Einarbeitung.

Im Sommer gibt es mehr Reparaturen

Und dann gibt es da noch die Fahrräder. Die erhält die SAB aus Haushaltsauflösungen und Wertstoffhöfen, die meisten kommen von Privatpersonen. „Wir arbeiten die Fahrräder wieder auf“, erläutert Tielesch. Rund 500 Räder gibt es derzeit vor Ort. Um ein vollständig funktionsfähiges Fahrrad zu erhalten, brauchen sie dafür manchmal mehrere Räder, um es zu einem neuen zusammenzusetzen. Denn nicht mehr jedes abgegebene und gespendete Fahrrad ist noch vollständig verwendbar.

Die Arbeit in der Werkstatt hängt zudem von der Jahreszeit ab; so werden im Winter die Fahrräder eher aufbereitet, im Sommer gibt es mehr Reparaturen. Der Strom an Spenden ist nie abgerissen, wie Tielesch erfreut feststellt und ergänzt: „Wir holen die Fahrräder auch ab – niemand soll sich scheuen, bei uns anzurufen.“ Das Spektrum an Käufern sei breit; vom klassischen Studenten mit wenig Geld bis hin zu den Großeltern, die für den Enkel ein Fahrrad kaufen wollten. Der Absatz gehe auf das typische Zweit- oder Drittrad zurück – also jene Räder, die man auch am Bahnhof abstellen kann, wie der Arbeitsanleiter erläutert. Pro Jahr reparieren sie hier schätzungsweise 600 Fahrräder, rund 300 verkaufen sie.

Spezialwerkzeuge helfen beim Reparieren

Einer, der hier repariert, ist André Fries. Der 48-Jährige berichtet, dass er an dem lila-schwarzen Fahrrad die Kette und die Kurbelgarnitur gewechselt hat. Seit mehr als zwei Jahren ist Fries als Mitarbeiter in der Fahrradwerkstatt angestellt. Als Fahrradkurier hat er schon immer gern mit Rädern zu tun gehabt – „früher war’s mehr das Fahren, jetzt ist es mehr das Rumbasteln“, meint er schmunzelnd. Für seine Arbeit nutzt er Werkzeuge wie einen sogenannten Kurbelabzieher: „Das ist wichtig und das brauchen wir öfter.“ Tielesch ergänzt, dass es sonst kaum eine Möglichkeit gibt, die Kurbelgarnitur zu wechseln und diese Spezialwerkzeuge eben auch Werkzeuge mit höherem Verschleiß seien. Auch für die Spezialwerkzeuge erhofft sich die SAB Spenden.

„Die Unterstützung mit den Werkzeugwagen war wirklich klasse“, bemerkt Tielesch und meint damit die Spenden, die die Fahrradwerkstatt über die GZ-Aktion 2021 erhalten hat. Mit den mobilen Werkzeugwagen ist die Arbeit effektiver (wir berichteten). Karin Woyta ergänzt: „Wir kriegen Geld für die Leute, aber nicht für die Ausstattung. Wir sind jedes Mal total dankbar, wenn wir in die Spendenaktion reinkommen.“

In einem Team arbeiten Russen und Ukrainer zusammen

Die SAB hat über die Reparaturwerkstatt hinaus zudem eine ganz wesentliche soziale Funktion, wie Karin Woyta erklärt: „Sie ist dazu da, langzeitarbeitslose Menschen zu qualifizieren und sie wieder in die Beschäftigung zu bringen.“ Dazu gehört auch die sozialpädagogische Begleitung. Oftmals hätten die Menschen Probleme mit ihrer Gesundheit oder sie hätten Brüche in ihrer Vita. SAB-Geschäftsführer Kai Münzing sagt: „Es geht darum, Vermittlungshemmnisse abzubauen und neue Perspektiven aufzuzeigen – und wir versuchen, aus jedem seine Stärken herauszulocken.“ Auch Woyta unterstreicht, dass es darum geht, die Menschen wieder zu aktivieren, „damit sie wieder Mut fassen“. Sie ist fasziniert davon, was passiert, wenn Menschen in Arbeit kommen – „sie gucken dann von selbst wieder nach sich und anderen“.

Ein Beispiel dafür ist ein syrischer Flüchtling, der laut Geschäftsführer Münzing bei der SAB inzwischen der Chef-Buchhalter ist. „Der hat dieses Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, das hat er gefeiert“, berichtet Münzing begeistert, und erklärt: „Der Mann ist ein ganz wertvoller Mitarbeiter und wichtig für die SAB.“ In der Fahrradwerkstatt wird in Teams gearbeitet; in diesen sind mittlerweile an die 30 Nationalitäten vertreten. Arbeitsanleiter Tielesch berichtet von einer Gruppe, in der Russen und Ukrainer zusammenarbeiten. Tielesch meint: „Die haben vielleicht schon reflektiert, dass sie sich da drüben im Schützengraben kaputt machen würden, aber hier arbeiten sie zusammen.“ Kai Münzing ergänzt mit Blick auf dieses Team: „Das geht in Richtung internationales Friedensprojekt.“

Alles zur GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“

Mit Veranstaltungen können Sie die Projekte der diesjährigen GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht‘s besser“ unterstützen. Möglich sind beispielsweise Konzerte, Kabarett-Abende, Benefiz-Essen, Basare, Partys oder Tombolas – zum Beispiel im Betrieb oder im Verein.

Sie können entscheiden, ob Sie für alle Projekte spenden möchten oder für einzelne (bitte auf der Überweisung vermerken).

Die Spendenkonten:

Kreissparkasse Göppingen, IBAN: DE24 6105 0000 0006 0770 99

Volksbank Göppingen, IBAN: DE14 6106 0500 0608 0000 00

Jeder Spender wird in der GZ ­genannt und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung (bitte Adresse angeben). Anonyme Spenden sind auch möglich (dies bitte auf der Überweisung vermerken).

Die diesjährigen Projektpartner sind das ökumenische Projekt „Aktion Rückenwind“ von Caritas und Diakonie; der Förderverein der Bodeschwinghschule Geislingen; die Organisation „Christliche Mission International“ mit ihrem Gesundheitszentrum in Kenia; der Förderverein Freibad Geislingen; der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser; die Fahrradwerkstatt der SAB; der Tagestreff „Lichtblick“ des Vereins Viadukt.

Wer eine Spende bei der GZ abgeben möchte, wird gebeten, vorab einen Termin zu vereinbaren. Das GZ-Team kommt gerne auch zu Ihnen, um Ihre Spende abzuholen.

Bei allen Fragen und Ideen zur ­GZ-Weih­nachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“ können Sie sich an GZ-­Redakteurin Rebecca Hummler wenden – unter Telefon (07331) 202-48 oder per E-Mail an r.hummler@swp.de