GZ-Weihnachtsaktion 2023: Wie die Malteser trauernden Kindern und Jugendlichen helfen wollen

Die Ehrenamtlichen der Malteser spenden beim Verlust von Angehörigen Trost (Symbolbild).
Thomas KiehlWas brauchen Kinder und Jugendliche, die einen Angehörigen verloren haben? Welche Hilfestellung benötigen Eltern, die ein Kind verloren haben?
Dorothe Heidgreß betreut den Jugend- und Hospizdienst und hat selbst die Trauerbegleiterqualifikation; sie ist seit fünf Jahren im Dienst und ist durch persönliche Betroffenheit dazu gekommen. Der Malteser Hilfsdienst begleitet beispielsweise Familien, in denen ein schwerstkrankes Kind lebt und bietet kostenfrei Trauerbegleitungen im Landkreis Göppingen an. Für die GZ-Weihnachtsaktion geht es dieses Mal um drei ganz unterschiedliche Projekte, „weil Trauer von jedem anders verarbeitet wird“, sagt Heidgreß.
Die Trauerbegleitung finde für jene statt, die in den Familien begleitet wurden oder die eine Anfrage nach einem Todesfall stellen – grundsätzlich kämen die Anfragen aber aus unterschiedlichen Richtungen. Manchmal weisen Freunde die Angehörigen auf die Möglichkeit zur Trauerbegleitung hin, oder Sozialarbeiter fragten an, weil sie von einem Trauerfall in einer Familie wissen. „Für die Trauernden können wir erstmal ein Einzelgespräch anbieten“, berichtet sie.
Zirkuspädagogik erleichtert Einstieg
Von den drei Projekten sind zwei in Planung – eines davon ist die Trauergruppe für Eltern. Wieso explizit für Eltern? „Weil es für die Kinder wichtig ist, dass die Eltern stabiler sind“, sagt sie. Bei dieser neuen Gruppe für Eltern soll eine Schreibwerkstatt den Zugang schaffen – es sei für jene Trauernden, „die noch nicht das Passende gefunden haben“.
Eines der Projekte gibt es bereits seit zwei Jahren; trauernde Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren können zur Zirkuspädagogik kommen – dafür gibt es vier Termine im Jahr, wie Dorothe Heidgreß berichtet. Das Zirkusprojekt biete einen niederschwelligen Einstieg, denn: „Nicht jedes Kind will in eine Trauergruppe und darüber reden, aber es ist ganz essentiell, dass die Kinder merken: ‚Ich bin nicht alleine auf der Welt.’“ Denn die Jungen und Mädchen wüssten, dass die anderen Teilnehmer einen Verlust haben. Bei dem Projekt gehe es um die körperliche Wahrnehmung und da heiße es dann: „Menschenpyramiden bauen, aufeinander vertrauen.“
In dem Kurs können sie auch „ein bisschen was zaubern“ und: „Das ist sowas wie eine positive Auszeit aus der Trauer“, meint sie. Der Vorteil der Gruppe ist, dass daran auch kleine Kinder – wie Vierjährige – daran teilnehmen können. Manchmal können die Mädchen und Jungen dann auch in einer Trauergruppe für Kinder weitermachen.
Trauerbegleitung wird nicht von Krankenkassen unterstützt
Karen Straubmüller, Leitende Koordinatorin, ergänzt: „Bei der Zirkuspädagogik hatten wir schon mal eine Anschubfinanzierung.“ Neu ist – neben der Schreibwerkstatt für trauernde Eltern – die geplante Gruppe für Rhythmuspädagogik. „Was uns wichtig ist: Wir wollen keine finanziellen Aufwendungen von den Familien.“ Denn der Tod eines Familienmitglieds sei oftmals von finanziellen Engpässen begleitet. Straubmüller erklärt: „Deshalb sind alle unsere Angebote kostenfrei und deswegen sind wir auch auf Spenden angewiesen.“ Die Trauerbegleitung werde nicht von Krankenkassen unterstützt, aber: Es solle nicht am Finanziellen scheitern, „deshalb sind wir dankbar, dass die GZ das unterstützt“, berichtet Straubmüller.
Das Projekt zur Rhythmuspädagogik sei als Überbrückungsprojekt für Kinder und Jugendliche gedacht, die über andere Angebote keinen Zugang finden. Dorothe Heidgreß meint: „Der Rhythmus ist ja in uns drin, wie der eigene Herzschlag.“ Ein Verlust wie der eines geliebten Menschen könne diesen Rhythmus aus dem Takt bringen. „Die Überlegung ist, dass die Kinder und Jugendlichen sich ein kleines Trommelinstrument selber gestalten und lernen, im Rhythmus zu spielen und zu arbeiten – auch in der Gruppe“, unterstreicht sie.
Heidgreß: „Diese Geschichte muss zu meiner Geschichte werden“
Was erhoffen sich die Malteser von der Trauerbegleitung? Heidgreß koordiniert alle drei Projekte, die Zirkuspädagogik laufe seit Ende 2021. Für sie steht fest: „Das ist ein super Projekt.“ Die Ehrenamtlichen kämen immer mit einem Lächeln heraus, einfach, weil die Kinder anders aus dem Projekt hinausgehen. Sie seien in ihrer Trauer meistens viel direkter „und es ist wichtig, dass Kinder in dieser Zeit gut begleitet werden“, meint sie. Für sie ist besonders wichtig, „dass ich das Zirkusprojekt weitermachen und das Rhythmusprojekt etablieren kann“. Sie will den Kindern und Jugendlichen in ihrer Individualität etwas anbieten, denn „jeder hat seinen ganz eigenen Weg“. Bei allen drei Projekten gehe es um „neue Inspiration und neue Zugänge zur Trauer“.
Straubmüller und Heidgreß betonen, dass alle Angebote kostenlos und unabhängig von der Konfession oder Nationalität sind. Jeder dürfe sich an sie wenden, das sei über die gängigen Kontaktdaten wie die E-Mail-Adresse möglich. Denn man müsse jedes Mal schauen, „wo der Trauernde auf seinem Weg steht“, meint Heidgreß. Sie weiß: „Es ist bei allen Trauernden wichtig, dass die mal ihre Geschichte erzählen können.“ Die wenigsten wollten das hören. Den Betroffenen ist etwas ganz schlimmes passiert – zentral sei dann, dass „diese Geschichte zu meiner Geschichte wird“. Und Straubmüller ergänzt: „Man muss lernen, dem Leben wieder zu vertrauen.“
32 ehrenamtliche Hospizbegleiter gibt es – diese konnten „wir auch dank der GZ zur ehrenamtlichen Begleitung ausbilden; das Projekt hat die GZ letztes Jahr unterstützt und das trägt jetzt Früchte“, erklärt Straubmüller zufrieden. Die Malteser hoffen daher für Ihre Projekte zum Einen auf Spenden, zum Anderen aber auch auf weitere Ehrenamtliche, denn nächstes Jahr startet im Herbst ein neuer Kurs zum ehrenamtlichen Kinder- und Jugendhospizbegleiter.
Alles zur GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“
Mit Veranstaltungen können Sie die Projekte der diesjährigen GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht‘s besser“ unterstützen. Möglich sind beispielsweise Konzerte, Kabarett-Abende, Benefiz-Essen, Basare, Partys oder Tombolas – zum Beispiel im Betrieb oder im Verein.
Sie können entscheiden, ob Sie für alle Projekte spenden möchten oder für einzelne (bitte auf der Überweisung vermerken). Die Spendenkonten:
Kreissparkasse Göppingen, IBAN: DE24 6105 0000 0006 0770 99
Volksbank Göppingen, IBAN: DE14 6106 0500 0608 0000 00
Jeder Spender wird in der GEISLINGER ZEITUNG genannt und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung (bitte Adresse angeben). Anonyme Spenden sind auch möglich (dies bitte auf der Überweisung vermerken).
Die sieben ausgewählten diesjährigen Projektpartner sind das ökumenische Projekt „Aktion Rückenwind“ von Caritas und Diakonie; der Förderverein der Bodeschwinghschule Geislingen; die Organisation „Christliche Mission International“ mit ihrem Gesundheitszentrum in Kenia; der Förderverein Freibad Geislingen; der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser; die Fahrradwerkstatt der SAB sowie der Tagestreff „Lichtblick“ des Vereins Viadukt.
Wer eine Spende bei der GZ abgeben möchte, wird gebeten, vorab einen Termin zu vereinbaren. Das GZ-Team kommt gerne auch zu Ihnen, um Ihre Spende abzuholen. Bei allen Fragen und Ideen zur GZ-Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“ können Sie sich an GZ-Redakteurin Rebecca Hummler wenden – unter Telefon (07331) 202-48 oder per E-Mail an r.hummler@swp.de
Infos zum Kinder- und Jugendhospizdienst
Seit 2009 gibt es den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser im Kreis Göppingen. Er begleitet Kinder und Jugendliche mit lebensbedrohlicher Erkrankung sowie deren Geschwister und Eltern. Der Hospizdienst bietet Begleitung für Kinder und Jugendliche, wenn ein Elternteil schwer krank ist und die Kinder Abschied nehmen müssen.
Zusammen mit den Familien wird nach Möglichkeiten zur Entlastung und Unterstützung im Alltag gesucht und diesen geschulte Ehrenamtliche an die Seite gestellt. Bei Bedarf werden ergänzende Hilfen und Fachdienste vermittelt.
Der Hospizdienst bietet auch Beratung in Kindergärten und Schulen in akuten Fällen an, aber auch zur Prävention in krisenfreien Zeiten.
Darüber hinaus bietet der Kinder- und Jugendhospizdienst Kinder- und Jugendtrauergruppen, sowie eine Trauergruppe für verwitwete Mütter und Väter, in deren Haushalt Kinder beziehungsweise Jugendliche leben. Außerdem gibt es Einzelbegleitungen für trauernde Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Alle Angebote sind für Familien kostenfrei und unabhängig von Nationalität, Konfessions- oder Religionszugehörigkeit.
Bei Fragen: (07161) 9 32 32-28 oder E-Mail: kinderhospizdienst.goeppingen@malteser.org

