Rückblick auf 2025
: Die meistgelesenen Geschichten des Jahres im Zollernalbkreis

Wolfgang Grupp, ein totes Baby in der Waschmaschine und ein angeschossener 12-Jähriger: Diese Geschichten haben unsere Leserinnen und Leser 2025 am meisten interessiert.
Von
Lea Irion
Zollernalbkreis
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Wolfgang Grupp, ein Müllchaos und Straßenblockaden – im Zollernalbkreis war auch 2025 wieder einiges los.

Wolfgang Grupp, ein Müllchaos und Straßenblockaden – im Zollernalbkreis war auch 2025 wieder einiges los.

Bernd Weißbrod/dpa/Sabine Hegele/Privat
  • Babyleiche in Albstadt: Mutter erhielt über fünf Jahre Haft, Fall sorgte für großes Aufsehen.
  • Taubenjagd in Weilstetten: Pfeil, Bogen und Säure sorgten für Tierschutz-Skandal.
  • 12-Jähriger aus Irslingen erblindete nach Schuss ins Gesicht – Jugendlicher Täter zu Haft verurteilt.
  • Wolfgang Grupp machte Depressionen und Selbstmordversuch öffentlich – bundesweite Diskussion entfacht.
  • Aktivisten blockierten B 27 gegen Zementwerk Holcim – Polizei ermittelt nach Protestaktion.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Was war das doch für ein Jahr!“ – ein Satz, den man wohl seit Anbeginn der Zeitrechnung für jedes bislang verstrichene Jahr der Menschheitsgeschichte nutzen könnte. Und doch bot 2025 Dinge, die noch 2024 undenkbar gewesen wären. Wir haben unsere meistgeklickten Artikel des Jahres ausgewertet und zeigen auf, was unsere Leserinnen und Leser auf swp.de in diesem Jahr am meisten interessiert hat.

Totes Baby schockt den Landkreis

Eine besonders dramatische Geschichte nahm zu Beginn des Jahres in Albstadt ihren Lauf. Dort hatte die Polizei im März eine Babyleiche in der Waschmaschine eines Paares entdeckt. Einige Monate später landete der Fall vorm Hechinger Landgericht. Angeklagt war die 35-jährige Mutter des toten Babys. Im Prozess ging es vor allem um den psychischen Zustand der Frau und ihre Lebensverhältnisse. Auch die Beziehung zu ihrem damaligen Partner spielte eine tragende Rolle.

So beteuerte die 35-Jährige mehrfach, nichts von einer Schwangerschaft gewusst zu haben – und von der plötzlichen Geburt des Kindes so überfordert gewesen zu sein, dass sie sich nicht anders zu helfen wusste, als es in der Waschmaschine abzulegen, die später von ihrem unwissenden Partner angeschaltet wurde. Schlussendlich urteilte das Gericht auf über fünf Jahre Haft für die Mutter des toten Kindes, die hinterher in Revision ging. Ein Fall, der Albstadt wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Taubenjagd mit Säure, Pfeil und Bogen

Tauben gelten gemeinhin als Plage in Städten und Gemeinden. In Weilstetten erreichte diese Abneigung im Sommer aber ein völlig neues Level: Bürgerinnen und Bürger gingen teilweise mit Pfeil und Bogen auf Taubenjagd, auch Säure soll im Spiel gewesen sein. Sehr zum Ärger von Tierschützern, die daraufhin Anzeige gegen unbekannt erstatteten.

Es war ein Konflikt, der nur Verlierer kannte: die Anwohner einerseits, die die Stadt Balingen um Hilfe baten, aber keine erhielten, weil die Stadt die Pflicht bei den Grundstückseigentümern sah. Die Tauben andererseits, die sich ihre Nistplätze nicht aus Argwohn gegenüber Menschen aussuchen, sondern nach attraktiven Schutzorten für ihre Jungen. Nichtsdestoweniger wurde die Geschichte sicherlich auch aufgrund ihrer skandalösen Dramaturgie besonders oft gelesen.

Ein Schuss, der viele Leben veränderte

Das Schicksal des kleinen Damian aus Irslingen bewegte auch im Zollernalbkreis Tausende Menschen. Im Dezember 2024 schoss dem 12-Jährigen ein 14-jähriger Bekannter mit einer Waffe ins Gesicht. Damian überlebte, verlor aber sein Augenlicht. In Tieringen begannen Freunde der Familie, Spenden über das Internet für den Jungen zu sammeln. Eine beachtliche Summe stand am Ende der Kampagne, mit der Damians Familie das Zuhause so umbauen konnte, dass der tapfere Kerl trotz seiner Einschränkungen weiter ein Leben in Würde führen kann.

Den schweren Schicksalsschlag nannte Damians Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion „eine riesige Wunde für uns alle“. Deutliche Worte fand sie auch in Bezug auf den Täter: „Selbst, wenn er ein Leben lang im Gefängnis sitzen müsste, würde ich keine Genugtuung empfinden.“ Das Landgericht verurteilte den Teenager hinterher zu sechs Jahren Jugendhaft wegen versuchten Mordes.

Wolfgang Grupp macht Depressionen öffentlich

Im Juli 2025 wurde es ungewöhnlich still um den sonst so medial präsenten Wolfgang Grupp, der sich Tage zuvor beim Tag der offenen Tür seines Unternehmens vermeintlich lebensfroh zeigte. Wenig später machte der ehemalige Trigema-Chef einen überlebten Selbstmordversuch öffentlich und sprach offen über Altersdepressionen – eine psychische Erkrankung vorwiegend älterer Menschen, die unter anderem aufgrund gesellschaftlicher Stigmata oft im Verborgenen bleibt. Grupp stieß damit einen bundesweiten Dialog über die Erkrankung an und verhalf der Thematik somit zu mehr Beachtung. Inzwischen geht es Grupp laut Aussage der Familie wieder besser.

Hilfe bei negativen Gedanken und Depression

Wenn Sie sich in einer persönlichen Krise befinden und Hilfe brauchen, reden Sie darüber. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, die es Ihnen ermöglichen, anonym mit Menschen über Ihre Situation zu sprechen.

Aktivisten protestieren über B 27 gegen Holcim

Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass das Zementwerk von Holcim in Dotternhausen öffentlichen Gegenwind erfährt. Doch Mitte Oktober griffen einige Aktivistinnen und Aktivisten der Organisation „End Cement“ zu besonders harten Mitteln zum Ausdruck ihres Protests: Sie kletterten auf die Seilbrücke, die über die B 27 führt, und hingen Banner mit den Slogans „Bäume statt Beton“ und „Holz statt Holcim“ auf. Die Polizei sperrte daraufhin die Bundesstraße – an einem Abschnitt, den täglich Tausende Autos passieren müssen.

Riesige Staus waren die Folge. Nach Angaben des Bündnisses sollte die Aktion auf den CO₂-Ausstoß der Zementindustrie sowie auf mögliche Umweltfolgen der Zementproduktion aufmerksam machen. Die Polizei leitete Ermittlungen ein, Holcim wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht dazu äußern.

Zu guter Letzt: das Müllchaos des Jahrhunderts – zumindest gefühlt

Wie könnten die Ereignisse des Jahres im Zollernalbkreis auch anders enden als mit der Geschichte, die als das Aufregerthema schlechthin galt? Natürlich ist die Rede vom leidigen Müllchaos, das im Sommer seinen Anfang nahm und bis zuletzt die Gemüter erhitzte. Und das alles nur, weil ein einziges Abfuhrfahrzeug des Unternehmens Prezero ausgefallen war. Ersatz gab es keinen, die Reparatur zog sich über Monate.

Selbst das Grosselfinger Unternehmen Bogenschütz geriet in das Fadenkreuz der Wutbürger, weil es dem Landkreis eigentlich unter die Arme greifen wollte, aber dann als vermeintlicher Verursacher der olfaktorischen Odyssee bezichtigt wurde. Haarscharf überlebten die Bürgerinnen und Bürger schlussendlich die leicht verzögerte Abfuhr ihres Hausmülls. Die gute Nachricht: 2026 übernimmt wieder die Firma Bogenschütz die Abholung des Rest- und Biomülls. Man klopfe dreimal auf Holz, dass sich 2025 nicht wiederholen möge.