Brief an Trigema-Mitarbeiter: Wolfgang Grupp: „Habe versucht, mein Leben zu beenden“

Seit zehn Tagen rätseln die Bürgerinnen und Bürger nicht nur in Grupps Wohn- und Firmenstandort Burladingen, was geschehen ist.
Bernd Weißbrod/dpa- Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp bestätigt Suizidversuch in einem Brief an Mitarbeiter.
- Grupp leidet nach eigenen Angaben an Altersdepression und befindet sich in Behandlung.
- Vorfall sorgte in Burladingen und Umgebung für Spekulationen; Polizei schließt Fremdeinwirkung aus.
- Der Brief wurde mit Einverständnis von Grupp und seiner Familie öffentlich gemacht.
- Polizei gibt bekannt, dass keine weiteren Ermittlungen erfolgen und verweist auf den Pressekodex.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Burladinger Unternehmer Wolfgang Grupp hat sich am Donnerstagnachmittag mit einem Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Familienunternehmens gewandt. In dem Brief schreibt der frühere Trigema-Chef, er habe einen Suizidversuch unternommen: „Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. Da macht man sich auch Gedanken darüber, ob man überhaupt noch gebraucht wird. Ich habe deswegen auch versucht, mein Leben zu beenden.“ Ein Mitarbeiter von Trigema bestätigte unserer Redaktion die Echtheit des Schreibens.
Grupp war am Montag vergangener Woche in eine Klinik geflogen worden, mehr hatte bisher weder die Familie noch die Firma preisgegeben. Nun geht der frühere Trigema-Chef mit seinem Suizidversuch an die Öffentlichkeit. Die „Bild“-Zeitung schreibt, Grupp wolle damit für die Krankheit Altersdepression sensibilisieren und anderen Betroffenen Mut machen, darüber zu sprechen. Der Brief sei mit Einverständnis von Grupp und seiner Familie veröffentlicht worden.
„Ich würde es gerne ungeschehen machen“, schreibt Grupp weiter. Und: „Es kann etwas länger dauern, bis ich wieder ganz gesund bin.“
Zehn Tage lang war die Sorge um den Unternehmer groß, doch auch die Polizei hüllte sich in Schweigen. Die Kriminalpolizei erklärte offiziell, es liege keine Straftat und keine Fremdeinwirkung vor, es werde nicht weiter ermittelt und es seien keine weiteren Meldungen von ihrer Seite zu erwarten. In einem solchen Fall sei man dem „Pressekodex“ verpflichtet.
Der Textilunternehmer wurde 1942 in Burladingen geboren. 1969 übernahm Grupp die von seinem Großvater gegründete Firma. Mit eiserner Hand führte er Trigema aus den roten Zahlen. 2023 lag der Produktionsumsatz bei 129,3 Millionen Euro, die Mitarbeiterzahl bei gut 1.140.
„Ich weiß, dass ich oft unbequem war“
In seinem Brief schreibt Grupp: „Ich habe versucht mein ganzes Leben in den Dienst von Trigema und den Kampf für die Interessen der Wirtschaft und des Mittelstands in Deutschland zu stellen. Ich weiß, dass ich oft unbequem war, aber ich bin dankbar für das was ich erreichen und erleben durfte.“
Anfang 2024 räumte Grupp den Chefposten und gab die Geschäftsführung an seinen Sohn Wolfgang Grupp junior und seine Tochter Bonita ab. Beide Kinder waren schon zuvor in der Firma tätig.
Grupp senior gilt als einer der profiliertesten und schillerndsten Kaufleute in Deutschland. Er wurde durch kultige Fernsehspots bekannt. In diesen warb ein Schimpanse im weißen Hemd und mit schwarzer Krawatte – verkleidet als Nachrichtensprecher – für T- und Sweatshirts des Mittelständlers. Das lebendige Tier wurde inzwischen von einer Computeranimation ersetzt.
Auch in Talkshows war der frühere alleinige Trigema-Inhaber häufig zu Gast. Dort kritisierte er einen Größenwahn mancher Unternehmer und forderte die persönliche Haftung für alle Bosse: „Wir brauchen wieder Unternehmer mit Verantwortung, Disziplin und Vorbildfunktion.“
Hilfe bei negativen Gedanken und Depression
Wenn Sie sich in einer persönlichen Krise befinden und Hilfe brauchen, reden Sie darüber. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, die es Ihnen ermöglichen, anonym mit Menschen über Ihre Situation zu sprechen.
- Bei der Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) geht das online, telefonisch oder vor Ort. Sie erreichen die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800 1110 111 und 0800 1110 222.
- Auch im Chat oder via E-Mail finden Sie dort Unterstützung.
- Außerdem gibt es mit der App „Krisen Kompass“ eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen. Die App erhalten Sie kostenlos im Apple App Store und bei Google Play.













Der Schritt des Burladinger Unternehmers, offen über den versuchten Selbstmord und seine Altersdepressionen zu sprechen, ist mutig und verdient Anerkennung.