OB-Wahl in Albstadt: Roland Tralmer wird der neue Oberbürgermeister
Ein Déjà-vu der anderen Art erlebten die Albstädter am Sonntagabend. Während mit Michael Gonsers Interessensbekundung einige an eine Wiederholung der vergangenen Oberbürgermeisterwahl glaubten, als Klaus Konzelmann trotz zunächst fehlender Bewerbung gewählt wurde, zeigte sich ein verwandtes Bild: Roland Tralmer führte schon nach der Auszählung nur weniger Wahllokale, gefolgt von Udo Hollauer und Markus Ringle.
Liveticker: Das war der Wahlabend
An dieser Platzierung hatte sich bis zum Schluss nichts verändert, sodass das Ergebnis der Neuwahl des Oberbürgermeisters wenig überraschend war: Roland Tralmer wird das neue Oberhaupt der Stadt und erntete dafür Jubel und Applaus. „Ich bin sehr ergriffen“, sagte Tralmer, der kurz nach der Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses durch Klaus Konzelmann zunächst innehielt und überlegte, bevor er mit seiner Rede begann.
Bereits bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur im vergangenen Jahr hatte der 56-Jährige bekundet, dass er für Albstadt brenne. Das wiederholte er auch am Sonntag. „Warum tue ich das? Weil mir diese Stadt als meine Heimatstadt am Herzen liegt, und deswegen möchte ich eines vorwegsagen“, richtete er das Wort an die Anwesenden und sprach direkt ein wenig erfreuliches Thema an: „Die Wahlbeteiligung am heutigen Tag ist nach wie vor nicht besser als noch vor zwei Wochen. Das muss uns allen, dem künftigen Oberbürgermeister, der Kommunalpolitik und allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, zu denken geben. Dem werden wir uns annehmen“, versprach er.
Wahlbeteiligung nur 0,42 Prozentpunkte höher
Deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger waren am Wahlsonntag ins Ebinger Rathaus gekommen, um dort die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale zu verfolgen. Das machte zunächst Hoffnung auf eine bessere Wahlbeteiligung als noch beim ersten Wahlgang. Verbessert hat sie sich allerdings nur um 0,42 Prozentpunkte. Damit lag sie bei nur 35,14 Prozent. „Es ist eine Schande für die Demokratie“, sagt der ehemalige Bürgermeister von Grosselfingen, Hans Josef Möller. Der Albstädter war einer der zahlreichen Besucher.
Wie aber möchte der neue Oberbürgermeister das Interesse an Politik bei den Albstädtern fördern? Nicht-Wähler müsse man dazu bringen, sich wieder mehr mit der Stadt zu identifizieren. „Diese Stadt steht vor großen Herausforderungen“, die in den vergangenen Wochen hinreichend beschrieben worden seien. „Das wird ein Oberbürgermeister allein nicht leisten können.“ Dazu brauche es ein hervorragendes Rathaus-Team – „das haben wir schon“ –, die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger und die Mehrheiten im Gemeinderat. „Auch der wird zusammenarbeiten. Hier werde ich Brücken bauen.“
Damit fing er am Sonntagabend direkt an, indem er einen Mitbewerber hervorhob: „Ich habe ihn besonders fair und standhaft erlebt und bin angenehm überrascht. Ich hatte ihn so nicht erwartet. Stellvertretend für alle Mitbewerber, Markus Ringle, bedanke ich mich bei Ihnen.“ Auch dafür erntete er viel Applaus. „Es gehört Kraft und Mut dazu, sich einem solchen Amt in der heutigen Zeit als Kandidat zu stellen, und es gehört noch mehr Kraft und Mut dazu, auch wenn einem der Wind ins Gesicht bläst, eine Kandidatur weiterzutreiben. Das finde ich gut.“
Markus Ringle freute sich über diese „schöne Geste“ und den „Fairnesspreis“, wie er ihn bezeichnete. Er wolle mitarbeiten an diesen Zielen des neuen Oberbürgermeisters, losgelöst von allen farblichen Schattierungen, wie er das Gebaren der Fraktionen bezeichnete. Sein Ergebnis habe ihn nicht überrascht. Er vermutete eine Reduzierung seiner Stimmen, weil die Albstädter mit Michael Gonser eine weitere Alternative zu Hollauer und Ringle hatten. „Diese Alternativen wurden angenommen.“
Alternative anbieten und antreten, um zu gewinnen
Ringle hatte schon früh kaum eine Chance, den Vorsprung zu Roland Tralmer einzuholen. Bei Udo Hollauer sah es indes knapper aus. Am Ende waren es 8,25 Prozentpunkte. „So ist es halt“, sagte der Erste Bürgermeister, der nun in seinen Beruf zurückkehren wird. „Ich bin angetreten, um zu gewinnen.“ Allerdings habe er keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern könne erhobenen Hauptes nach Hause gehen und zurück in die Normalität, wie er es beschrieb. Sehr zur Freude aller Familien, die die Kandidaten unterstützt hatten und für die der Wahlkampf eine anstrengende Zeit war.
Info 677 Stimmen wurden in der freien Zeile abgegeben. Wie viele davon für Michael Gonser abgegeben worden sind, wird erst am Montagabend mitgeteilt.







