Bundestagswahl 2025: Deutschland hat gewählt – Das Wahlergebnis in Grafiken

Begehrter Selfie-Partner: Wahlsieger Friedrich Merz (CDU).
Christoph Soeder/dpa- Die Union gewann die Bundestagswahl 2025; Friedrich Merz wird voraussichtlich Kanzler.
- Die AfD erreichte Platz zwei, während SPD und Grüne Verluste erlitten.
- FDP und BSW scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.
- Union erzielt 208 Sitze, SPD 120, AfD 152, Grüne 85, Linke 64.
- Wahlergebnisse in Baden-Württemberg: CDU 31,6%, AfD 19,8%, Grüne 13,6%.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Deutschland steht vor einem Machtwechsel: Die Union hat die Bundestagswahl klar gewonnen und dürfte mit Friedrich Merz den nächsten Kanzler stellen. Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die rechte AfD auf Platz zwei. Dahinter folgen die SPD, die auf ein historisches Tief abstürzt, sowie die Grünen. Die Linke ist überraschend stark im Bundestag vertreten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und FDP scheitern dagegen an der Fünf-Prozent-Hürde und verpassen den Einzug ins Parlament. Während sich das Scheitern der FDP bereits am Sonntagabend in den Hochrechnungen immer deutlicher abzeichnete, zitterte das BSW bis spät in die Nacht. Am Ende war es hauchdünn: Laut Bundeswahlleitung kommt die neue Partei auf 4,972 Prozent, dem Bündnis fehlten lediglich rund 14.000 Stimmen zum Erreichen der Fünf-Prozent-Hürde.
Vorläufiges Endergebnis und Sitzverteilung im neuen Bundestag
Der neue Bundestag hat 630 Sitze – für eine Mehrheit sind 316 Sitze nötig. Die Union erreicht nach dem vorläufigen Ergebnis 208 Sitze im neuen Parlament. Die SPD erringt 120 Mandate. Eine Regierungskoalition der beiden Fraktionen ist damit möglich. Für eine schwarz-grüne Koalition reichen die Ergebnisse nicht: Die Grünen bekommen lediglich 85 Abgeordnete. Die AfD vergrößert ihre Fraktion mit 152 Sitzen deutlich. Die Linke stellt 64 Abgeordnete. Ein Mandat erringt erneut der Südschleswigsche Wählerverband, der als Partei der dänischen und friesischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Hürde befreit ist.
Damit läuft alles auf ein Bündnis aus Union und SPD hinaus, denn eine schwarz-grüne Koalition hat keine Mehrheit der Mandate. Ein Zusammengehen mit der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften AfD, die sich auf 20,8 Prozent verdoppelte (10,4 Prozent), hat CDU-Chef Merz ausgeschlossen.
Rechner: Welche Koalitionen jetzt möglich sind
Die Wahlbeteiligung stieg am Wahlabend auf Rekordhöhen und lag mit rund 82,5 Prozent deutlich höher als 2021 (76,4 Prozent); sie erreichte den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Zur Stimmabgabe aufgerufen waren 59,2 Millionen Menschen, davon gut 42 Prozent 60 Jahre oder älter. In Ostdeutschland heißt der Sieger klar: AfD.
So hat Deutschland gewählt (interaktive Karte zum Durchklicken)
Diese vorgezogene Wahl nach dem Aus der „Ampel“-Koalition hat die politische Landschaft durcheinander gewirbelt. In einer ersten Analyse des Instituts Infratest dimap dürfte die Union vor allem von frustrierten „Ampel“-Wählern profitiert haben. Allein gut 1,8 Millionen Wählerinnen und Wähler wanderten von der SPD zur Union, ebenso 1,3 Millionen von der FDP und immerhin 390.000 von den Grünen. Zudem konnte die Union demnach über eine Million Nichtwähler mobilisieren. Sie verlor aber auch 910.000 Wähler an die AfD sowie eine Reihe von Anhängern an BSW und Linke.
Die AfD konnte diesmal offenbar vor allem Nichtwähler überzeugen: Sie bilden laut Infratest mit fast 1,9 Millionen die größte Gruppe der Wählerwanderung. Auch von allen anderen Parteien bis auf das BSW konnte die AfD laut Infratest dimap Wähler abwerben, vor allem von Union (910.000), FDP (800.000) und SPD (680.000). Die SPD verlor laut Infratest deutlich Stimmen an fast alle Parteien. Allein 1,8 Millionen Menschen wanderten zur Union, zwischen 300.000 und 680.000 jeweils zu Grünen, BSW, Linken und AfD.
Wer nahm wem Stimmen ab? Wählerwanderung als interaktive Grafik
Die Grünen verloren vor allem Stimmen an die Linkspartei (600.000) und an die Union (390.000). Hingegen konnten die Grünen der SPD rund 300.000 Stimmen abnehmen sowie Nichtwähler mobilisieren und FDP-Wähler von sich überzeugen. Auch zur Linkspartei wanderten eine Menge früherer „Ampel“-Wähler, allein von Grünen und SPD zusammen genommen deutlich über eine Million Menschen. Die Linke konnte Infratest zufolge auch 320.000 Nichtwähler überzeugen und Union und FDP einige Stimmen abnehmen. Sie verlor indes 340.000 Stimmen an das abgespaltene BSW. Ginge es nach den 18- bis 24-Jährigen, hätte die Linke die Wahl gewonnen. Sie liegt laut der Forschungsgruppe Wahlen in dieser Altersgruppe mit 27 Prozent vorn.
Die FDP hat Infratest zufolge an alle anderen Parteien Wählerinnen und Wähler abgetreten. Die größte Wanderschaft ging mit allein 1,3 Millionen Menschen zur Union, auch an die AfD verlor die FDP deutlich Wähler (800.000). Das BSW ist zum ersten Mal angetreten und hat folglich lediglich anderen Parteien Stimmen abgenommen, vor allem SPD und Linkspartei. Sie brachte zudem laut Infratest rund 410.000 Nichtwähler an die Urnen.
Die Ergebnisse in den Bundesländern zum Durchklicken
Auch in Baden-Württemberg hat die CDU die Bundestagswahl mit deutlichem Abstand gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen die Christdemokraten auf 31,6 Prozent der Stimmen – und schnitten damit besser ab als im Bund. Die AfD wurde zweitstärkste Kraft im Südwesten und verdoppelte sich auf 19,8 Prozent. Danach folgen SPD, Grüne, Linke und FDP. Die Grünen, die in Baden-Württemberg in der Vergangenheit immer wieder stärker abschnitten als im Bund, kamen laut vorläufigem amtlichen Endergebnis lediglich auf 13,6 Prozent – nur etwas mehr als im Bund. Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zugeschriebene Bonus im Südwesten ist also deutlich abgeschmolzen. Die Linke konnte dem vorläufigen Endergebnis zufolge 6,8 Prozent der Stimmen auf sich verbuchen, die FDP erzielte in ihrem Stammland 5,6 Prozent der Stimmen. Das BSW erlangte 4,1 Prozent der Stimmen.
Bei den Erststimmenergebnissen dominiert landesweit die CDU – die Grünen verteidigten aber immerhin ihre Direktmandate in Freiburg (Chantal Kopf) und Karlsruhe-Stadt (Zoe Mayer). Auch in Stuttgart reichte es für ein Grünen-Direktmandat – wenn auch denkbar knapp. Mit nur 16 Stimmen Vorsprung lag Simone Fischer (Grüne) im Wahlkreis Stuttgart I nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vor Konkurrentin Elisabeth Schick-Ebert (CDU).
AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel verpasste das Direktmandat in ihrem Wahlkreis am Bodensee. Sie kann über die Liste dennoch ins Parlament einziehen. Auch SPD-Parteichefin Saskia Esken musste eine Niederlage in ihrem Wahlkreis Calw einstecken. Sie bleibt aber über die Landesliste abgesichert und weiter Bundestagsabgeordnete. Das gilt auch für Grünen-Chefin Franziska Brantner im Wahlkreis Heidelberg und die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd. Beide Politikerinnen verloren im Wahlkreis, ziehen aber ein.
Mit Material von dpa.
Bundestagswahl 2025
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