Preisschock
: 50 Cent für die Milka-Tafel? So viel billiger waren Haribo, Snickers und Co. in den 2000ern

Für Snickers, Gummibärchen, Dickmann's und Co. muss man heute tiefer in die Tasche greifen als vor 20 Jahren. Wie viel teurer sind Süßigkeiten geworden? Dies erfahren Sie im ersten Teil unseres Preis-Checks.
Von
Nico Pannewitz
Stuttgart
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Süßigkeiten gehören zu einem normalen Einkauf dazu. Die Preise für Markenartikel sind in den vergangenen Jahrzehnten allerdings teils stark gestiegen.

Süßigkeiten gehören zu einem normalen Einkauf dazu. Die Preise für Markenartikel sind in den vergangenen Jahrzehnten allerdings teils stark gestiegen.

Mustermann/Adobestock, Montage: Pannewitz
  • Süßigkeiten kosten heute deutlich mehr, Schokolade verteuerte sich am stärksten.
  • Ritter Sport und Milka stiegen auf 1,99 Euro, Milka reduzierte 2025 auf 90g.
  • Haribo und Werther’s legten weniger zu – inflationsbereinigt teils günstiger.
  • Snickers 5er-Pack kletterte von 1,39 Euro auf um die 3,59 Euro ohne klare Shrinkflation.
  • Gericht: Milka-90g-Tafeln seien Mogelpackung, Verstoß gegen Wettbewerbsrecht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“. Mit diesem Spruch wirbt der Snickers-Konzern seit vielen Jahren für seine Schokoriegel. Doch beim Anblick des Snickers-Preises in deutschen Supermärkten stillen manche im Jahr 2026 ihren Hunger vielleicht doch lieber mit etwas Anderem. Um die 3,59 Euro für einen 5er-Pack – das war vor einigen Jahren doch noch wesentlich günstiger! Auch für Naschprodukte anderer bekannter Marken muss heute mehr Geld ausgegeben werden als früher, Softdrinks und Limos werden in den kommenden Jahren dank der beschlossenen Zuckersteuer preislich ebenfalls einen weiteren Sprung nach oben machen.

Doch wie viel billiger war der Süßigkeiten-Einkauf denn „in den guten alten Zeiten“ wirklich? Und sind klassische Schokoladen-, Gummi- oder Bonbon-Produkte auch Opfer von „Shrinkflation“ geworden, also hat ihr Gewicht/ihre Menge abgenommen? Wir haben uns tief durch alte Prospekte, Werbeanzeigen, Artikel und längst verschwundene Hersteller-Webseiten im Internetarchiv gewühlt, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. In diesem ersten Teil unseres großen Preis-Checks geht es um acht feste Größen im deutschen Süßigkeiten-Sortiment.

Ritter Sport Alpenmilch (100g)

Vor den 2000ern war Schokolade in Deutschland für mehrere Jahrzehnte relativ preisstabil. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Preis für 100g Milchschokolade von Markenanbietern Ende der 60er-Jahre bei rund 80 Pfennig – bis Ende des Jahrtausends blieb der Kaufbetrag durchschnittlich konstant bei 1 Mark oder knapp darunter.

Kurz vor der Euro-Umstellung, im Jahr 2001, erhöhten Hersteller wie Ritter Sport ihre 100g-Standardtafeln wie „Alpenmilch“ aber bereits auf leicht über eine Mark, der Euro-Preis betrug zu Beginn im Jahr 2002 daher durchschnittlich rund 60 Cent. In den Folgejahren stieg er leicht auf rund 0,69 Euro an, bis ihn Ritter Sport im Jahr 2008 um 20 Prozent auf 0,85 Euro anhob. Ab dem Jahr 2014 nahm das Tempo der Preiserhöhungen langsam zu: 2015 musste man um die 95 Cent für eine 100g-Tafel bezahlen, 2017 bereits rund 1,09 Euro und im Jahr 2021 etwa 1,19 Euro. In den vergangenen vier Jahren ging es dann noch mal schneller. 2022 kostete eine Tafel 1,29 Euro, im Jahr 2026 muss man mittlerweile abseits von Rabattaktionen 1,99 Euro hinlegen – für die Standardsorten. 100-g-Tafeln von Premium-Editionen wie z.B. der „Nussklasse“ kosten sogar 2,29 Euro.

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Gab es Shrinkflation? Nein, bei den Standardsorten bislang nicht. Allerdings könnte es sein, dass Ritter Sport in dieser Hinsicht gerade die Fahrwasser mit seiner neuen „Edelkakao“-Klasse testet. Deren Tafeln bringen nämlich nur noch 75g auf die Waage, im Gegensatz zu den 100g ihrer Vorgänger aus der bisherigen Kakao-Klasse, welche nicht mehr hergestellt werden.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +230%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +100%.

Milka Schokolade

100 Gramm bekommt man bei Milka heute nicht mehr. Seit 2025 wurde das Standardgewicht der Schokoladentafel auf 90g reduziert.

Sina Schuldt/dpa

Milka Alpenmilch (100g)

Die Preisentwicklung von herkömmlichen Milka-Schokotafeln (z.B. Alpenmilch) ähnelt der von Ritter Sport sehr. Zwar waren 100g-Tafeln im Jahr 2002 nach der Euro-Umstellung vielerorts noch ein klein wenig billiger als die des Konkurrenten aus Waldenbuch zu haben – für um die 50 Cent –, doch bereits ein Jahr später hatte Milka mit 60 Cent gleichgezogen. Danach fanden die allmählichen, kleinen Preisanstiege etwa in gleichem Maße statt: 2006 lag der Kaufbetrag zwischen 60 und 75 Cent, von 2008 bis 2014 bereits zwischen 79 und 89 Cent. Bis 2020 mussten zwischen 0,90 und 1,09 Euro bezahlt werden, was sich über Corona bis zum Jahr 2026 schließlich auf 1,99 Euro steigerte.

Gab es Shrinkflation? Ja, wenn auch erst seit Kurzem. Im Jahr 2025 reduzierte Milka-Hersteller Mondelez das Gewicht seiner 100g-Tafeln auf 90g – und das nicht mal bei gleichbleibendem Preis. Stattdessen stieg der durchschnittliche Preis in diesem Jahr sogar auf 1,99 Euro, zuvor hatte er vielerorts noch bei 1,49 Euro gelegen. Dies hatte aber bereits rechtliche Konsequenzen: Das Landgericht Bremen entschied im Mai 2026, dass die neuen Milka-Tafeln mit weniger Inhalt eine Mogelpackung seien und einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellten.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +298%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +100%.

Haribo Goldbären (200g)

Die klassischen „Gummibärchen“ von Haribo, die sogenannten Goldbären, sind im Laufe der Jahrzehnte wesentlich weniger im Preis gestiegen als andere, schokoladenhaltige Süßigkeiten. Zu Beginn des Jahrtausends wurden die 200g-Standardpackungen für zwischen 1,59 und 1,89 DM angeboten, umgerechnet also zwischen 80 und 95 Cent. Nach der Euro-Umstellung blieb der Preis tatsächlich viele Jahre stabil bei um die 89 Cent, selbst Anfang der 2010er-Jahre waren die Bären noch für diesen Betrag zu haben. Gegen Mitte des Jahrzehnts bis 2020 waren dann um die 0,95 Euro Normalität, nach 2020 stieg der Preis schnell auf 0,99 Euro und schließlich auf 1,19 Euro – trotzdem gerade mal ein Anstieg von 30 Cent in rund 25 Jahren.

Gab es Shrinkflation? Etwas kompliziert. Es ist kein Geheimnis, dass die 200g-Goldbären-Packungen vor ein paar Jahren ohne gleichzeitige Preissenkung auf 175g reduziert wurden. Allein aus dieser Perspektive ist also Shrinkflation gegeben. Tatsächlich sind die Haribo-Preise aber über die letzten Jahrzehnte real weniger gestiegen als man anhand der historischen Inflation vermuten würde. Mit letzterer entsprächen die 89 Cent für eine 200g-Tüte von vor über 20 Jahren heute einem Betrag von rund 1,40 Euro – mehr als je bisher wirklich für 200g verlangt wurde. Das bedeutet: Bei Haribo Goldbären gab es über die Jahre tatsächlich eine kleine verdeckte Preissenkung, welche auch noch weiterbesteht, wenn man den inflationsbereinigten Preis auf die aktuellen 175g umrechnet. Die Standardpackung ist also etwas kleiner, jedoch gibt man „inoffiziell“ auch etwas weniger Geld dafür aus.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +34%, bei etwa 13% weniger Inhalt.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund -3% (Preissenkung), bei etwa 13% weniger Inhalt.

Ob in lokalen Supermärkten oder nationalen Ketten wie Netto und Edeka: In den 2000ern und 2010ern waren etliche Süßigkeiten doch deutlich günstiger als heute.

Ob in lokalen Supermärkten oder nationalen Ketten wie Netto und Edeka: In den 2000ern und 2010ern waren etliche Süßigkeiten doch deutlich günstiger als heute (oben rechts noch mit D-Mark--Angabe).

SWP-Archiv

Snickers (5er-Pack)

Dass ein 5er-Pack Snickers heute um die 3,59 Euro kostet, wissen wir ja bereits aus der Einleitung. Aber wie sah es zu Beginn des Jahrtausends aus? Im Jahr 2002 gab es dasselbe Produkt in deutschen Supermärkten für schlappe 1,39 Euro zu kaufen – ein großer preislicher Unterschied zum Jahr 2026. Bei diesem vergleichsweise supergünstigen Angebot blieb es aber nicht lange. Bereits in den Jahren darauf lag der Preis bei um die 1,49 Euro, von 2008 bis 2014 variierten die örtlichen Angebote teils stark zwischen 1,49 und 1,79 Euro. Von 2015 bis in die Corona-Jahre lag der Preis relativ stabil bei etwa 1,89 Euro, bis es in den letzten paar Jahren eine kleine „Preisexplosion“ gab. 2024 waren an der Kasse schon um die 2,59 Euro fällig, was aber immer noch ein Euro weniger ist als im aktuellen Jahr 2026.

Gab es Shrinkflation? Vermutlich nicht. Das Gewicht der einzelnen Snickers-Riegel hat sowohl im 5er-Pack als auch einzeln oder in anderen Verpackungsgrößen über die Jahrzehnte immer mal wieder ganz leicht variiert (von etwas unter bis etwas über 50g), ein klarer Mengenverlust bzw. eine geradlinige Entwicklung nach unten ist aber nicht zu erkennen. Spätestens seit 2010 bekommt man zumindest im 5er-Pack bislang verlässlich 50g pro Riegel.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +158%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +63%.

Kinder Schokolade (8 Riegel)

Die Ferrero-Süßigkeit „mit der Extraportion Milch“ kostete in der Standardschachtel (8 Riegel) vor der Euro-Umstellung 1 Mark, 2002 wurden daraus dann 60 Cent. Bis 2008 lag der Preis meist zwischen 65 und 70 Cent, von 2009 bis 2012 zwischen 75 und 89 Cent. Zur Mitte des Jahrzehnts war der Kaufbetrag bei 0,99 Euro angekommen und wurde 2015 auf 1,29 Euro angehoben. Nach einem Anstieg auf 1,49 Euro sank der Preis 2020 wieder auf 1,29 Euro, was aber nicht lange anhielt. Heute kosten 8 Riegel durchschnittlich 1,69 Euro.

Gab es Shrinkflation? Ja, aber das kommt auf den Beobachtungszeitraum an. Würde man nur das heutige Produkt mit dem vor 25 Jahren vergleichen, wäre der Vorwurf der Shrinkflation unangebracht – heute wie damals bekommt man in der Standardpackung acht Riegel à 12,5 Gramm, insgesamt also 100g. Allerdings hat Ferrero vor über zehn Jahren etwas „getrickst“: Der Preis von 0,99 Euro stieg im Jahr 2015 nämlich auf 1,29 Euro, weil der Konzern die Anzahl der Riegel in der Packung standardmäßig von acht auf zehn erhöhte. Fünf Jahre später wurde daraus wieder eine 8er-Packung, der dabei leicht gesenkte Preis betrug aber wiederum 1,29 Euro ,für den man ursprünglich zehn Riegel bekommen hatte. Das heißt: Langfristig betrachtet gab es keine Shrinkflation, kurzzeitig betrachtet schon.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +180%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +70%.

Werther's Original

Die klassischen „Werther's Original“-Sahnebonbons von Storck gingen Anfang der 2000er (als sie noch „Werther's Echte“ hießen) für um die 1,59 Euro pro 275g-Beutel über die Ladentheke. Eine 1:1-Preisentwicklung bis heute lässt sich hier aber nur schwerlich nachzeichnen, da sich die angebotenen Standardverpackungsgrößen im Laufe der Zeit häufig geändert haben: Von 125g über 180g und 240g bis 275g war so einiges im Umlauf. Zumindest seit 2018 ist die 245g-Packung aber eine feste Größe im Sortiment – der damalige Preis von 1,89 Euro hat sich bis heute (1,99 Euro) nicht stark verändert.

Gab es Shrinkflation? Wegen der unterschiedlichen Bonbon-Abfüllungen über die Jahrzehnte ist auch diese Frage schwer zu beantworten, aber aufgrund der generell gering gestiegenen Preise ist das eher unwahrscheinlich. Eine Umrechnung des einstigen 275g-Preises auf 240g und die Inflationsbereinigung ergeben zudem ein ähnliches Bild wie bei den Haribo Goldbären: Der tatsächliche Preisanstieg für „Werther's Original“ liegt unter dem der historischen Inflation, das Produkt ist also insgesamt etwas billiger geworden.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +43%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund -8% (Preissenkung).

Milchschnitte (5er-Pack)

Wir bleiben bei Ferrero: Die Milchschnitte, die sich entgegen anderer Süßigkeiten im Kühlregal befindet, hat in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls einen deutlichen Preisanstieg erfahren. Den regulären 5er-Pack konnte man nach der Euro-Umstellung mehrere Jahre lang für 89 Cent mit nach Hause nehmen. In den letzten Jahren der 2000er waren zwischen 0,99 und 1,19 Euro fällig, von 2010 bis 2021 blieb der Preis sogar sehr stabil bei um die 1,29 Euro. Ab 2022 gab es allerdings in jedem Jahr eine Erhöhung, aktuell sind wir bei rund 2,15 Euro angekommen.

Gab es Shrinkflation? Nein. Angebotene Menge und Gewicht blieben stets bei 5 Schnitten à 28 Gramm (insgesamt 140g).

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +140%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +53%.

Super Dickmann's (9er-Pack)

Die Schoko-Schaumküsse der Marke „Dickmann's“ von Storck sorgen bei englischsprachigen Menschen aufgrund ihres Namens oft für Schmunzler („Dick“ kann auf Englisch eine beleidigende oder sexuelle Bedeutung haben), die Preisentwicklung des Produkts wird hingegen wohl kaum Belustigung auslösen. Im Jahr 2002 legte man sich den „Super Dickmann's“-9er-Pack für 1,29 Euro in den Einkaufswagen – und dieser Preis blieb auch einige Jahre stabil. Erst ab 2008 kletterte er langsam auf einen Betrag von zwischen 1,39 und 1,59 Euro. Von 2012 bis 2016 waren es schon zwischen 1,69 und 1,89 Euro, von 2018 bis 2022 waren 1,99 Euro die Norm. Seit 2023 kosten „Super Dickmann's“ in Supermärkten größtenteils um die 2,39 Euro.

Gab es Shrinkflation? Nein. Damals wie heute bekommt man im Handel eine 250g-Packung mit neun Schaumküssen.

Offizieller Preisanstieg zu den frühen 2000ern: rund +85%.

Inflationsbereinigter Preisanstieg: rund +18%.

Was ist daraus zu schließen?

Es zeigt sich: Die größten Preisanstiege sind bei schokoladehaltigen Süßigkeiten zu finden. Dies lässt sich neben gewöhnlicher Inflation sowie höheren Herstellungskosten unter anderem mit den stark angestiegenen Preisen für Kakao erklären. Fälle klarer „Shrinkflation“ sind aber zumindest (noch) in der Minderheit, größtenteils bekommt man heute noch die selbe Menge bzw. Gewicht wie vor über 20 Jahren – wenn auch teilweise zu Preisen, die einige abschrecken könnten. Was hilft: auf billigere Alternativprodukte ausweichen, weniger konsumieren oder auf Rabattaktionen warten. So kann man teilweise bei Rewe eine 100g-Tafel von Ritter Sport mal wieder für 0,99 Euro bekommen – was vor über 10 Jahren noch der Normalpreis war.

In unserem nächsten Preis-Check schauen wir uns die Entwicklung acht weiterer Süßigkeiten-Klassiker in Deutschland an – von Raffaelo über Nimm 2 bis hin zu beliebten Stieleisen wie Magnum oder Cornetto.