Zuckersteuer in Deutschland: Wann kommt sie und wie hoch fällt sie aus?

Eine Getränkedose mit einem Softdrink und zahlreiche Zuckerwürfel liegen auf einem Tisch.
Sven Hoppe/dpaNach jahrelanger Diskussion nimmt die Einführung einer Zuckerabgabe in Deutschland konkrete Formen an. Ziel ist es, den Zuckerkonsum zu senken, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und gleichzeitig die finanziell angeschlagenen gesetzlichen Krankenkassen zu entlasten. Doch wann genau kommt die Abgabe und mit welchen Preiserhöhungen müssen Verbraucher rechnen?
Zuckersteuer: Wann ist eine Einführung geplant?
Angaben der Tagesschau zufolge soll die Zuckerabgabe nach aktuellen Plänen ab dem Jahr 2028 gelten. Sie ist Teil einer umfassenden Gesundheitsreform, mit der steigende Kosten im Gesundheitssystem aufgefangen werden sollen. Experten rechnen allein im kommenden Jahr mit einem Milliarden-Defizit bei den gesetzlichen Krankenkassen. Die Einnahmen aus der Zuckerabgabe, geschätzt rund 450 Millionen Euro jährlich, sollen gezielt zur Stabilisierung beitragen. Noch ist das Gesetz aber nicht endgültig beschlossen. Im parlamentarischen Verfahren kann es noch zu Änderungen an den Plänen kommen.
Wie hoch fällt die Zuckerabgabe aus?
Geplant ist laut der Frankfurter Rundschau aktuell ein gestaffeltes Modell, das sich am Zuckergehalt der Getränke orientiert:
- Unter 5 Gramm Zucker pro 100 ml: keine Abgabe
- 5 bis 8 Gramm pro 100 ml: etwa 26 Cent pro Liter
- Über 8 Gramm pro 100 ml: etwa 32 Cent pro Liter
Viele klassische Softdrinks wie Cola oder Limonade fallen in die höchste Kategorie. Für Verbraucher bedeutet das konkret: Eine Dose Cola könnte um etwa 10 Cent teurer werden. Allerdings hängt die tatsächliche Preisentwicklung auch davon ab, ob Hersteller die Abgabe vollständig weitergeben oder ihre Rezepturen anpassen.
Kritik und Unterstützung
Die geplante Abgabe stößt auf unterschiedliche Reaktionen, wie der SWR berichtet. Ärzte, Verbraucherschützer und Teile der Wissenschaft begrüßen sie als wichtigen Schritt für eine gesündere Ernährung. „Das ist eine gute Nachricht. Sie ist ein zentraler Baustein für eine gesündere Ernährung und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem“, sagte die Vorständin des Verbraucherzentralen-Bundesverbands, Ramona Pop. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sprach von einem „Meilenstein für die Gesundheitsvorsorge in Deutschland“. Mehr als 100 Länder weltweit hätten bereits eine Zuckersteuer eingeführt - „es wäre so wichtig, dass Deutschland endlich nachzieht“, sagte Luise Molling von Foodwatch. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am 28. April 2026.
Die Lebensmittel- und Zuckerindustrie hingegen kritisiert die Maßnahme scharf. Sie bezweifelt den gesundheitlichen Nutzen und sieht hauptsächlich eine zusätzliche Belastung für Verbraucher und Unternehmen. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und des Lebensmittelverbandes, Christoph Minhoff, sagte der „Rheinischen Post“ laut dpa: „Es geht einzig und allein darum, mit dieser Steuer Haushaltslöcher zu stopfen.“ Man werde „im nun folgenden parlamentarischen Verfahren zeigen, dass das Narrativ, es gehe bei der Zuckersteuer um Kindergesundheit, falsch ist“, kündigte er an.
