Nachdem er wegen Insolvenzbetruges verurteilt worden war, saß Boris Becker 231 Tage in London hinter Gittern. Dann wurde er überraschend vorzeitig aus der Haft entlassen und aus Großbritannien nach Deutschland abgeschoben. Am Dienstag, 20.12.2022, stellte sich die Tennis-Legende erstmals der Öffentlichkeit und gab Steven Gätjen ein exklusives Interview. Auf Sat.1 sprach er über seine Zeit im Gefängnis, sein Gefühlsleben und seine Zukunftspläne. Wir haben euch die wichtigsten Aussagen von Boris Becker zusammengefasst.

Boris Becker über seine Haft in London

„Im Gefängnis bist du niemand. Du bist nur eine Nummer. Meine war A2923EV. Ich wurde nicht Boris genannt. Ich war eine Nummer. Und es interessiert sie einen Scheißdreck, wer du bist.“

Boris Becker über seine Lehren aus dem Gefängnisaufenthalt

„Ich habe eine harte Lektion gelernt. Eine sehr teure. Eine sehr schmerzhafte. Aber das Ganze hat mich etwas Wichtiges und Gutes gelehrt. Und manche Dinge passieren aus gutem Grund. Ich habe meine Fehler eingesehen. Ich habe über Jahre Fehler gemacht, hatte die falschen Freunde. Dieser Gefängnisaufenthalt hat mich aber zurückgeholt. Jetzt besteht meine Aufgabe darin, diesen richtigen Weg nicht mehr zu verlassen. Deshalb glaube ich, das Gefängnis war gut für mich.“

Boris Becker über seine letzten Stunden im Knast

„Ich saß ab sechs Uhr in der Früh auf meiner Bettkante und hoffte, dass die Zellentür aufgeht. Sie kamen um halb acht, schlossen auf und fragten: Bist Du fertig? Ich sagte: "Los geht's!" Ich hatte auch schon alles gepackt.“

Boris Becker und seine Schuld

„Nein, natürlich war ich schuldig. Ich habe vor Gericht in vier Punkten von 29 verloren.“

Boris Becker und seine Gesundheit

„Ich habe im Gefängnis sehr viel Gewicht verloren. Als ich ins Gefängnis ging, wog ich 97 Kilogramm. Als ich wieder rauskam, waren es noch 90. Ich habe im Gefängnis zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gespürt, habe monatelang sehr wenig gegessen. Natürlich gab es im Gefängnis für mich auch keinen Alkohol.“

Boris Becker und der Abschied von seiner Partnerin

„Der Abschied von Lilian war schwer. Ich habe die drei Wochen vor der Urteilsverkündung genutzt. Die Chancen, dass ich ins Gefängnis komme, war 50:50. Also habe ich mich von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet. Das tat mir sehr gut. Das schwierigste war der Abschied von meiner Partnerin. Ich habe ihr gesagt: „Du bist eine junge Frau. Du musst nicht auf mich warten.“ Da hat sie mich angeschaut und gesagt: „Wir sind ein Team, rede keinen Scheiß.“

Boris Becker und seine Angst im Gefängnis

„Aus dem Gericht kam ich ins Wandsworth Prison. Das ist extrem schmutzig und extrem gefährlich. Da sitzen Mörder, Kinderschänder und Drogendealer. Da geht es ums nackte Überleben. Jeden Tag musst du aus der Zelle raus und auf deine Haut aufpassen, denn die Wächter tun es nicht. Ich hatte zwei große Ängste. Die erste war, dass ich in eine Doppelzelle komme. Und die zweite Angst hatte ich vor dem Duschen. Es gibt aber große Duschen mit einzelnen Kabinen, da geht man rein und zieht sich dort erst aus. Und ich habe auch eine Einzelzelle bekommen, weil ich eine Einstufung High Risk hatte. Die wollten mich also auch in der Zelle schützen.“

Boris Becker über lebensgefährliche Situationen im Gefängnis

„Im Wandsworth Prison hat mich ein mehrfacher Mörder - der saß schon 25 Jahre - versucht, zu erpressen. Der wollte Geld von mir. Im Huntercombe Prison hatte ich eine Begegnung mit einem Häftling, der wollte mich umbringen. Der saß auch schon 16 Jahre. Der konnte einfach nicht verstehen, dass ich mit meinem schwarzen Zellennachbarn so umging, wie ich es getan habe. Das war erst jetzt im Oktober. Ich hatte da aber so eine Stellung im Gefängnis, dass die anderen Häftlinge kamen und mir geholfen haben. Das waren die zwei Momente, in denen ich Angst hatte um mein Leben.“

Boris Becker über seine Arbeit im Gefängnis

„Ich hatte bereits nach zehn Tagen im Gefängnis ein Jobangebot. Normalerweise dauert sowas viele Wochen. Ich sollte Englisch und Mathe unterrichten. Das habe ich dann gemacht. So wurde mein Leben etwas leichter, weil ich aus der Zelle kam.“

Boris Becker und Besucher im Gefängnis

„Zwei Besucher pro Monat waren mir im Wandsworth erlaubt. Die musste ich anmelden. Mich wollten zum Beispiel Jürgen Klopp und Johannes B. Kerner besuchen, mit beiden bin ich gut befreundet. Jürgen durfte mich aber nicht besuchen, der ist zu bekannt. Da hatten die Verantwortlichen Angst, dass es zu gefährlich wird.“

Boris Becker und sein 55. Geburtstag

„Mein Geburtstag war am 22.11.22 - das ergibt zusammen übrigens 55. Da habe ich von anderen Häftlingen drei Kuchen bekommen. Das hatte ich nicht erwartet. Das war ein ganz besonderer Moment.“

Boris Becker über unerwartete Post im Knast

„Michael Stich hat mir einen dreiseitigen Brief geschrieben. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich habe jeden Tag Post bekommen - insgesamt sehr viele Briefe. Ich habe alle gelesen und werden über Weihnachten jeden einzelnen beantworten.“

Boris Becker und seine Beziehung zu Lilian

„Ich hatte keinen Moment Angst, dass Lilian die Liebe und Lust verliert. Wir haben jeden Tag ein- oder zweimal miteinander telefoniert. Durch ihre Entscheidung, dass diese Beziehung nicht an einem Gefängnis scheitert, habe ich überlebt. Ihre Besuche waren das Highlight der Woche. Meine Partnerin ist relativ hübsch, das sorgt für Gesprächsstoff im Gefängnis.“

Boris Becker über sein Geld

„Ich wusste nicht, wieviel Geld ich habe und wieviel Geld ich ausgebe. Mich hat Geld nie interessiert. Ich habe mit 17 meine erste Million verdient. Jetzt hat mich das ins Gefängnis gebracht. Das war also eine teure Lehre.“

Boris Becker über seine Verluste

„Verloren habe ich meine Finca auf Mallorca im Wert von 10 Millionen Euro, meine Wohnung in Chelsea im Wert von 2,5 Millionen Pfund und mein Haus in Leimen im Wert von 2 Millionen Euro. Meine Mutter hat da aber trotzdem lebenslanges Wohnrecht.“

Boris Becker über seinen ersten Tag in Freiheit

„Ich bin im Privatjet - den ein Freund von mir organisiert hat - nach Stuttgart geflogen. Ich selbst habe nicht das Geld dafür. Über den Flug wussten nur wenige Menschen Bescheid. Ich wollte meine Privatsphäre schützen. Das ist auch gelungen. Dann habe ich bei Freunden in der Nähe von Heidelberg gewohnt und die Freiheit genossen.“

Boris Becker über seine Zukunft

„Ich kann zum ersten Mal nachdenken, was ich mit dem Rest meines Lebens anfange. Wo will ich wohnen? Ich glaube nicht in Deutschland, weil ich meine Privatsphäre sehr schätze. Vielleicht wird es Dubai. Ich bin jetzt 55 Jahre alt, will noch 25 schöne Jahre haben, hoffentlich mit meiner großen Liebe Lilian. Ich darf aber über unsere privaten Pläne nichts sagen. Ich will meine Zukunft aber mit ihr und meinen Kindern verbringen und hoffe, dass noch ein paar dazukommen.“