Das Zitat eines AfD-Mitarbeiters von Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg ist das krasseste: „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. ... Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. Sieg heil!“ Dieses und weitere Zitate von AfD-Sympathisanten sind am Samstag zur Mittagszeit von Aktivisten der Linken auf einem roten, dreieckigen Tuch ausgelegt worden.

Ellena Schumacher Koelsch (32), die im Mai für die Partei Die Linke in den Haller Gemeinderat und Kreistag gewählt worden ist, steht unter den zirka 15 Unterstützern am Rand des Wochenmarkts und spricht mit Passanten. Anlass für den Flashmob sei der Mord am CDU-Regierungspräsident Walter Lübcke in Kassel. „Wir sind überzeugt, dass es ein rechtes Netzwerk gibt, das auch vor Mord nicht zurückschreckt“, sagt Schumacher-Koelsch. Etwa 50 bis 60 Marktbesucher gehen über das rote Tuch, einige bleiben stehen und lesen sich ein. „Das irritiert“, sagt sie, „wir wollen irritieren.“  Bewusst sei das rote Dreieck gewählt worden, in Anlehnung an den roten Winkel, den politische Gefangene in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten tragen mussten.

Michael Rebmann kommt vorbei, er hat auf dem Markt einen Topf Basilikum gekauft. Er liest die Texte. Der Haller sieht in den Aussagen Parallelen zur Haltung der Menschen während der NS-Zeit. Überhaupt hat er beobachtet: „Oft werden Totschlagargumente  übernommen.“  Ihm ist wichtig, dass diese hinterfragt werden. „Wer sagt das? Was sind das für Argumente? Mit welcher Absicht wird das gesagt?“ Eine Änderung werde es nur dann geben, wenn die Gespräche über umstrittene Zustände so geführt werden, dass auch die Gefühle der Menschen erreicht werden. „Ich frage mich oft: Wie erreiche ich wirklich etwas, dass sich was bewegt? Sich im Alltag mit anderen über die politischen Aussagen auseinandersetzen ist wichtig. Damit zeigt man anderen: Man kann auch mutig sein.“

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