Aufstieg des SSV Ulm 1846: Bilanz der Spitzenspatzen! Sie spielen häufiger Zu-Null als Bayer Leverkusen
Das Kunststück ist vollbracht. Der SSV Ulm 1846 Fußball hat den Durchmarsch geschafft, ist Drittliga-Meister. Nach 36 von 38 Spieltagen haben die Spatzen 71 Punkte auf der Habenseite und können nicht mehr von den Aufstiegsrängen verdrängt werden. Aus der Regionalliga Südwest in die zweite Liga in 351 Tagen.
Der Erfolg ist der ganzen Mannschaft zuzurechnen. Zweifellos gab es jedoch herausragende Figuren wie Dauerbrenner Christian Ortag oder Top-Scorer Leo Scienza. Welche Statistiken der Aufstiegssaison auffallen.
SSV Ulm im April formstärkste Mannschaft
„Die Mannschaft zeigt, dass sie mental voll auf der Höhe ist“, sagte Thomas Wörle vor dem Spiel gegen Viktoria Köln. Das zeigte sich besonders im April. Während Aufstiegsfavoriten wie Regensburg (5 von 12 Punkten) oder Dresden (2/12) schwächelten, strich der SSV Ulm in der entscheidenden Saisonphase die volle Ausbeute ein (12/12). Gemeinsam mit Bundesligist RB Leipzig waren die Spatzen das formstärkste Team im April. Dadurch erklomm Ulm erst die Tabellenspitze und verschaffte sich dann ein Punkte-Polster, das die Wörle-Elf nun zwei Spiele vor Saisonende schon den Aufstieg feiern lässt. Ein wichtiger Faktor war dabei die Defensivleistung. Nur einen Gegentreffer kassierten die Spatzen im April.
Sicher, sicherer, Christian Ortag
„Hinten muss die Null stehen“, lautet ein bekanntes Zitat von Huub Stevens. Diese Devise gab Thomas Wörle in dieser Saison zwar nie aus, doch lebt sie seine Mannschaft wie keine Zweite. Der SSV Ulm um Torhüter Christian Ortag weist in absoluten Zahlen die beste Zu-Null-Statistik im deutschen Profifußball auf: 16 Spiele ohne Gegentor. Vor Bayer Leverkusen, Holstein Kiel und der SpVgg Unterhaching (jeweils 14 Mal ohne Gegentreffer).
Besonders in der Rückrunde war der 29-jährige Schlussmann ein sicherer Rückhalt. Zwischenzeitlich blieb Ortag 565 Minuten unbezwungen. Das Ulmer Defensivbollwerk kann als Basis für den Erfolg angesehen werden: „Wir können uns ein Stück weit darauf verlassen, dass wir hinten nichts zulassen und vorne reicht uns dann oft ein Tor“, sagte Torhüter Ortag nach dem 0:0 gegen Dynamo Dresden im März.
Großer Zuschauerzuspruch im Donaustadion
Verlass war auch auf die Fans. Zwar verurteilte das DFB-Sportgericht den Verein vereinzelt wegen des Abbrennens von pyrotechnischen Gegenständen zu Strafzahlungen, doch sorgte die Unterstützung des Anhangs für unvergessliche Stadionerlebnisse. Zweimal war das Donaustadion in der Hinrunde mit 17.000 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauft. Mit 1860 München und Dynamo Dresden hatten sich klangvolle Namen angekündigt. Getragen vom Erfolg der Spatzen vermeldete der Verein auch in der Rückrunde mehrfach einen ausverkauften Heimbereich.
Berücksichtigt man lediglich die Heimspiele im Donaustadion und klammert die Ausweichspiele in der Aalener Centus-Arena aus, strömten im Schnitt mehr als 12.000 Fans ins Stadion. Zweitligareif. Inzwischen steht fest: Die Traditionsspielstätte wird auch in der nächsten Saison das Heimstadion sein. Der Ulmer Gemeinderat brachte einen Masterplan zum Stadionumbau auf den Weg und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erteilte die Lizenz.
Ulmer Scienza als Topspieler der dritten Liga
Die Spielberechtigung für die zweite Liga hat ein Ulmer ganz bestimmt. Wahrscheinlich ist er sogar für höheres bestimmt. „Leo, Leo“, hallte es während des Spiels gegen Jahn Regensburg erstmals durch das Donaustadion. Die Sprechchöre galten Leo Scienza, der in unnachahmbarer Weise das Siegtor von Felix Higl vorbereitet hatte. Spätestens in diesem Moment war den meisten klar: Der Aufstieg wird klappen. Einen großen Anteil daran hat eben dieser Scienza. Der Brasilianer, der nur deshalb in der dritten Liga spielberechtigt ist, weil er auch einen luxemburgischen Pass hat, ist der Top-Scorer der Ulmer. 9 Tore und 15 Vorlagen.
Der Edeltechniker ist der herausragende Spieler der Saison. Nicht nur bei den Spatzen, sondern in der gesamten Liga. Das Sportmagazin kicker führt ihn mit der Durchschnittsnote 2,48 als besten Drittliga-Profi auf. Einmal wurde er Spieler des Spieltags, fünfmal nominierte ihn das Fußball-Fachmagazin in die Elf des Tages.
Aufstieg trotz drittniedrigstem Marktwert
Im August 2023 waren die Spatzen mit dem günstigsten Kader in die Drittliga-Saison gestartet. Laut dem Branchenportal transfermarkt.de lag er vor zehn Monaten bei 3,85 Millionen Euro. Im Saisonverlauf steigerte sich der Wert um 9,6 Prozent, aber trotzdem: Der Marktwert von 5,13 Millionen Euro bedeutet im Liga-Vergleich Platz 18. Chapeau an die Kaderplaner.
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Kader, Einsätze, Tore
- Torhüter Christian Ortag (36 Einsätze bei 36 Partien), Lorenz Otto (–), Marvin Seybold (–)
- AbwehrTom Gaal (29 Einsätze/4 Tore), Thomas Geyer (24/0), Johannes Reichert (32/2), Sascha Risch (6/–), Lennart Stoll (17/2), Philipp Strompf (15/–), Lamar Yarbrough (21/1)
- Mittelfeld Lukas Ahrend (24/–), Bastian Allgeier (31/2), Max Brandt (35/3), Dennis Chessa (35/8), Moritz Hannemann (4/1), Julian Kudala (3/–), Andreas Ludwig (20/1), Philipp Maier (33/6)
- AngriffFelix Higl (32/6), Nicolas Jann (36/1), Thomas Kastanaras (15/3), Romario Rösch (34/–), Lucas Röser (30/4), Leonardo Scienza (32/9)
Meiste Karten: Nur Rösch flog vom Platz
86 gelbe Karten haben die Schiedsrichter an die Spieler des SSV Ulm 1846 Fußball verteilt. Damit gehören die Spatzen zur „faireren Hälfte“ der dritten Liga. Platzverweise? Nur einen. Beim Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden sah Romario Rösch die gelb-rote Karte.
- Philipp Maier: 12 gelbe Karten
- Romario Rösch: 9 gelbe Karten, eine gelb-rote Karte
- Philipp Strompf: 7 gelbe Karten
- Dennis Chessa: 7 gelbe Karten





