: Wie viele Stimmen haben die letzten Kanzler im Bundestag bekommen?
Bisher ist Friedrich Merz der erste Kanzlerkandidat, der im ersten Wahlgang durchgefallen ist. Das ein oder aber knappe Ergebnis gab es aber bei seinen Vorgängern. Ein Überblick.
Der Kanzlerkandidat von CDU, CSU und SPD, Merz, ist im ersten Wahlgang durchgefallen. Das ist noch nie passiert. Knappe Ergebnisse gab es in der Vergangenheit aber durchaus.
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Friedrich Merz scheitert als Kanzlerkandidat im ersten Wahlgang, ein Novum.
Überblick über Stimmenverteilungen früherer Kanzlerwahlen:
- Olaf Scholz (2021): 395 Ja-Stimmen.
- Angela Merkel (2005-2018): von 323 bis 462 Ja-Stimmen.
- Gerhard Schröder (1998, 2002): 351 und 305 Ja-Stimmen.
- Helmut Kohl (1982-1998): von 256 bis 378 Ja-Stimmen.
- Helmut Schmidt (1974-1982): von 264 bis 269 Ja-Stimmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
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Die Wahl des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin durch den Deutschen Bundestag ist ein zentraler Moment jeder Legislaturperiode. Seit der ersten Wahl 1949 gab es zahlreiche Abstimmungen – teils mit klaren Mehrheiten, teils mit knappen Ergebnissen. Friedrich Merz, der Kandidat der CDU/CSU, ist als erster in der Geschichte der Bundesrepublik im ersten Wahlgang gescheitert. Im zweiten Durchgang bekam er nun aber die Mehrheit. Ein Überblick darüber, wie viele Stimmen die jeweiligen Kandidaten in der Vergangenheit im Bundestag erhielten.
Am 8. Dezember 2021 wurde Olaf Scholz vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. Er erhielt 395 von 707 gültigen Stimmen. 303 Abgeordnete stimmten gegen ihn. Er übertraf damit deutlich die notwendige Kanzlermehrheit von 369 Stimmen. Olaf Scholz führt das Amt des Bundeskanzlers seit dem 25. März 2025 nur noch geschäftsführend weiter, bis der neu gewählte 21. Deutsche Bundestag über seine Nachfolge entscheidet. Am 5. Mai 2025 erfolgte seine offizielle Verabschiedung im Rahmen eines Großen Zapfenstreichs.
Angela Merkel (CDU) – 2005 bis 2018
Angela Merkel wurde viermal zur Bundeskanzlerin gewählt. Besonders 2013 erreichte Merkel eine breite Mehrheit.
Gerhard Schröder gewann die Kanzlerwahl 1998 mit 351 Ja-Stimmen und wurde 2002 mit 305 Stimmen erneut gewählt. Er führte die rot-grüne Koalition mit den Grünen.
Kohl war der am längsten amtierende Kanzler der Bundesrepublik. Seine Wiederwahl 1994 fiel knapper aus als erwartet, dennoch konnte er seine Koalition fortführen.
Willy Brandt gewann die Kanzlerwahl 1969 mit 251 Stimmen. Im Bundestag stimmten 110 Abgeordnete gegen ihn. Als vierter Bundeskanzler der Bundesrepublik führte er von 1969 bis 1974 eine sozialliberale Koalition aus SPD und FDP.
Kurt Georg Kiesinger (CDU) – 1966
Kiesinger wurde mit 340 Ja-Stimmen gegen 109 Nein-Stimmen Bundeskanzler der ersten Großen Koalition.
Ludwig Erhard (CDU) – 1963 bis 1966
Erhard trat das Amt 1963 an und wurde mit 279 Stimmen gewählt. 1965 wurde er erneut bestätigt, konnte sich jedoch nicht lange halten.
Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik wurde 1949 mit gerade einmal 202 Stimmen bei 402 Abgeordneten gewählt – die knappste Mehrheit in der Geschichte der Kanzlerwahlen. Er wurde drei weitere Male wiedergewählt, mit jeweils steigenden Mehrheiten.
So hatte er sich den Tag sicherlich nicht vorgestellt. Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) musste im Bundestag bei der Kanzlerwahl eine historische Schlappe einstecken.
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Das Bundeskanzleramt am Morgen der Wahl.
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Auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kam zu der Sitzung und verfolgte das Geschehen von der Zuschauertribüne aus.
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Genauso wie Charlotte Merz (M), die Ehefrau des designierten Bundeskanzlers Merz. Sie kam mit ihren Töchtern Carola Clüsener (l) und Constanze Merz.
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Da lachten beide noch: Merz im Gespräch mit seinem Vorgänger Olaf Scholz (r).
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Händeschütteln vor dem großen Tag. Merz genoss das Bad in der Menge sichtlich.
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Merz und Unions-Fraktionschef Jens Spahn im Gespräch.
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Merz auf dem Weg zur Wahlurne. Das Ziel waren 316 Stimmen, die Koalition hat 328 Abgeordnete.
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Daumen hoch von der Gattin.
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Dann brauchte Merz Trost von seinen Parteikolleginnen und -Kollegen. Durchgefallen! Nur 310 Abgeordnete stimmten für ihn als Kanzler. Das gab es noch nie!
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Die Spitzenpolitiker Merz und Spahn verließen den Plenarsaal.
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Charlotte Merz mit versteinertem Lächeln auf dem Weg aus dem Plenarsaal.
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Noch SPD-Fraktionschef Lars Klingbeil, designierter Finanzminister, zieht sich ebenfalls zu Beratungen zurück.
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Bundestagspräsidentin Julia Klöckner war diejenige, die ihrem Parteifreund Friedrich Merz und der versammelten Welt die Hiobsbotschaft überbringen musste.
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Im Schloss Bellevue war alles für die Übergabe der Ernennungsurkunde durch Bundespräsident Steinmeier an Merz vorbereitet. Doch für die Kamera gab es erst einmal nichts zu fotografieren.
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Vor dem Reichstagsgebäude hatten sich etliche Menschen versammelt. Auch sie dürfte die Nachricht überrascht haben, dass es zumindest vorerst nichts zu feiern gibt.
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Alexander Dobrindt (CSU, 2.v.l), designierter Innenminister, Thorsten Frei (CDU, 2.v.r), designierter Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, und Jens Spahn (CDU, r) in intensiven Gesprächen.
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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gab von München aus ein Statement ab und stärkte Friedrich Merz den Rücken. Er rief die Union zur Geschlossenheit auf.
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Olaf Scholz blieb zumindest vorübergehend im Amt. Erst am Vorabend war er mit einem großen Zapfenstreich als Kanzler verabschiedet worden.
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Die Sitzung des Bundestags wurde in der Folge der Nicht-Wahl Merz' vorerst unterbrochen.
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Blick in den fast leeren Plenarsaal im Bundestag, aufgenommen während der Sitzungspause.
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Auch der Deutsche Aktienindex Dax reagierte auf die politische Entwicklung.
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Dann die Nachricht: Um 15.15 Uhr wird die Abstimmung wiederholt. Hier checkt Alexander Dobrindt, wie spät es ist.
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Jetzt will es die Koalition nochmal wissen: Friedrich Merz und Lars Klingbeil vor der zweiten Abstimmung.
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Tief durchatmen hieß es dann für Friedrich Merz. Die Sitzung ging pünktlich weiter.
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Zunächst galt es aber noch über die Formalitäten abzustimmen: Für den zweiten Wahlgang musste die Geschäftsordnung geändert werden.
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Danach ging es erneut zur geheimen Abstimmung.
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Ob Olaf Scholz Friedrich Merz hier viel Glück gewünscht hat?
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Inmitten der Grünen Claudia Roth, Felix Banaszak und Robert Habeck steht Olaf Scholz in der Schlange vor der Wahlurne.
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Merz selbst rang sich in der Wahl-Schlange ein optimistisches Lächeln ab.
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Während Angela Merkel die zweite Abstimmung nicht mehr verfolgte, fieberten Merz' Frau Charlotte und die Töchter Constanze Merz (l.) und Carola Clüsener auch bei der zweiten Wahl mit.
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Daumen nach oben: Gegen 16.15 Uhr kam die erlösende Nachricht: Olaf Scholz kann nun doch das Amt an Friedrich Merz übergeben.
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Applaus für den neuen Kanzler: Jens Spahn klatscht für Friedrich Merz.
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Von seinen Fraktionskollegen gab es Standing Ovations
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Und auch die Familie applaudierte erleichtert.
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Na also, geht doch. Olaf Scholz gratuliert seinem Nachfolger.
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Friedrich Merz wird bei seiner Ankunft am Schloss Bellevue von Dörte Dinger (l), der Chefin des Bundespräsidialamtes, empfangen.
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Nun kommen die Kameras in Schloss Bellevue endlich zum Einsatz: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt Bundeskanzler Friedrich Merz die Ernennungsurkunde.
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Ende gut, alles gut? Steinmeier gratuliert dem frisch gebackenen Kanzler Merz.
Die Niederlage im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl ist historisch und katastrophal. Es zeigt sich, die Demokratie braucht die AfD nicht, um zu scheitern. Merz ist bereits jetzt beschädigt.