Der frühere Bundestagspräsident und langjährige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Deutschen auf Entbehrungen eingestimmt und zugleich vor überzogenen Ansprüchen an den Staat gewarnt.
Zu der Möglichkeit, dass im Winter wegen der hohen Energiepreise viele Bürger frieren werden, sagte er "Bild-TV": "Dann zieht man halt einen Pullover an. Oder vielleicht noch einen zweiten Pullover. Darüber muss man nicht jammern, sondern man muss erkennen: Vieles ist nicht selbstverständlich", sagte Schäuble, der im September 80 Jahre alt geworden ist. Auch der Strom könne mal ausfallen: "Deshalb sollte man tatsächlich immer auch ein paar Kerzen, Streichhölzer und auch eine Taschenlampe zu Hause haben."

Kritik an Kretschmanns „Waschlappen“-Äußerung

Schäuble ist nicht der erste Politiker, der öffentlich Tipps zum Sparen in der Energiekrise gibt. Vor wenigen Wochen hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit einer Äußerung in einem Interview mit unserer Redaktion bundesweit Schlagzeilen gemacht. Seine Aussage, tägliches Duschen sei nicht nötig und der Waschlappen sei „auch eine brauchbare Erfindung“ wird seitdem immer wieder diskutiert und aufgegriffen. Kretschmann hatte für die Aussage viel Kritik geerntet, auch wenn Hautärzte seiner Aussage aus medizinischer Sicht zustimmten.

Schäuble: „Zur Not kannst du dann mal eine Urlaubsreise nicht machen“

Schäuble warnte bei „Bild-TV“ vor der Annahme, der Staat könne den Bürgern die enormen Belastungen wegen der hohen Inflation und der stark gestiegenen Energiepreise abnehmen: "Man muss daraufsetzen, dass man nur denen hilft, die es wirklich brauchen. Den anderen muss man auch mal sagen: Zur Not kannst du dann eine Urlaubsreise mal nicht machen." Er sehe die Gefahr, "dass wir glauben, der Staat sei etwas, der seinen Bürgern bloß immer mehr liefern müsse. So eine Art Supermarkt, wo die Bürger Schnäppchenjäger sind. Nein! Wenn wir den Menschen suggerieren, dass alles unbegrenzt ist, betreiben wir Raubbau. Dann entsteht bei den Menschen der Eindruck: Der Staat kann alles. Das ist nicht nachhaltig!"

Sorge über Trend zur Teilzeit-Arbeit

Ihm mache Sorgen, dass viele Deutsche gerade lieber weniger arbeiten wollten, zum Beispiel in Teilzeit und nie am Wochenende, so der Politiker, der seit 1972 Mitglied im Deutschen Bundestag war. "Das wird nicht funktionieren. Denn überall fehlen Arbeitskräfte", so Schäuble. Seine Erfahrung sei: "Immer nur Spaß haben - das ist keine Lebenserfüllung."