Die Deutschen mögen keinen Streit. Das ist wohl einer der Hauptgründe für die bemerkenswert schlechte Bewertung der bisherigen Ampel-Bilanz. Einerseits ist das verständlich, verlangt man von Politikern ja kluge Entscheidungen, weniger verbohrte Rechthaberei. Andererseits ist der Blick der Bürgerinnen und Bürger auf ihre Regierung womöglich auch etwas zu streng. Denn verglichen mit den Fehden, die SPD und Union in der Großen Koalition ausgetragen haben, gehen Sozialdemokraten, Grüne und Liberale geradezu liebevoll miteinander um – trotz des immensen Drucks, unter dem sie seit dem Einmarsch der Russen in der Ukraine stehen.
Mildernde Umstände wollen die Befragten aber anscheinend ebenfalls nicht gelten lassen. Dabei wurde der Koalitionsvertrag am 24. Februar in weiten Teilen Makulatur. Aus dem hehren Ziel „Mehr Fortschritt wagen“ wurde ein „Irgendwie durch den Winter kommen“. Das aber ist bisher größtenteils gelungen, wenn auch zu einem sehr hohen Preis – wobei sich das handwerkliche Gesetzesgeschick in manchem Ministerium als tatsächlich verbesserungswürdig erwiesen hat. Ausuferndes Selbstlob ist daher genauso fehl am Platz wie Grundsatzkritik.