Wien Terroranschlag: Täter war IS-Anhänger - Vier Menschen gestorben, mehrere verletzt
- In Österreichs Hauptstadt Wien hat es am Montagabend Schießereien an sechs Orten gegeben
- Vier Menschen sind bisher bei dem Terroranschlag gestorben, 22 wurden zum Teil schwer verletzt. Kanzler Kurz nannte erste Details zu den Toten
- Am Dienstagmorgen gab Innenminister Karl Nehammer auf einer Pressekonferenz weitere Informationen bekannt
- Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag für sich reklamiert
- Inzwischen wurden Wohnungen im Umfeld des Täters durchsucht und mehrere Personen festgenommen
Internationales Entsetzen nach Anschlag in Wien
Der mutmaßlich islamistisch motivierte Terroranschlag in Wien mit mehreren Toten hat international Entsetzen ausgelöst. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte am Dienstag den Anschlag scharf. Die Bevölkerung und die Regierung Österreichs könnten sich der Solidarität der UN sicher sein, betonte Guterres.
Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Wir verurteilen diese abscheuliche Gewalt. Wir werden vor ihr und vor dem Hass, der sie treibt, nicht zurückweichen.“ Auch Religionsvertreter zeigten sich schockiert.
„Wir Deutsche stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem am Dienstag bei Twitter verbreiteten Statement. Der islamistische Terror sei „unser gemeinsamer Feind“, sagte sie. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer.
Nehammer auf Pressekonferenz: Die News zum Terroranschlag in Wien am Dienstag
Der während des Terroranschlags in Wien von der Polizei erschossene Täter war ein Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der österreichische Innenminister Karl Nehammer bezeichnete den getöteten Angreifer am Dienstagmorgen auf einer Pressekonferenz als „Sympathisanten der Terrormiliz IS“.
Der Mann wollte Nehammer zufolge in der Vergangenheit nach Syrien ausreisen, um sich dort dem IS anzuschließen. Er sei daran gehindert worden und stattdessen am 25. April 2019 wegen Mitgliederschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, teilte Österreichs Innenminister der Nachrichtenagentur APA am Dienstag mit. Der Mann mit nordmazedonischen Wurzeln sei am 5. Dezember „vorzeitig bedingt entlassen“ worden. Demnach galt er als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes.
Weitere Tatverdächtige? - Kurz nennt Details zu Toten
Am Dienstagnachmittag gingen die Behörden von einem einzigen Attentäter aus, wollten aber noch nicht endgültig ausschließen, dass weitere Terroristen an dem Anschlag unmittelbar beteiligt gewesen sein könnten, da noch umfangreiches Bildmaterial ausgewertet werde.
Die Zahl der durch den Anschlag getöteten Menschen erhöhte sich am Dienstag nach Angaben der Polizei um ein weiteres Opfer auf vier. Bei den Todesopfern handelt es sich demnach um zwei Männer und zwei Frauen. Am Dienstagabend teilte der deutsche Außenminister Heiko Maas auf Twitter mit, dass es sich bei einem Todesopfer um eine Deutsche handle.
Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat am Dienstag Details zu den Todesopfern der Terrorattacke bekannt gegeben. Es kamen demnach ein älterer Mann und eine ältere Frau, ein junger Passant und eine Kellnerin ums Leben, wie Kurz sagte.
Sieben Menschen schweben nach Terror in Wien noch in Lebensgefahr
Nach Angaben des Gesundheitsverbunds der Stadt schweben mindestens sieben Opfer der Attacke noch in Lebensgefahr. Sie befänden sich „in kritischem, lebensbedrohlichem Zustand“, sagte eine Sprecherin des Klinikverbandes am Dienstagmorgen der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Zur Identitätder Verletzten machte sie keine Angaben. Ein bei dem Anschlag verletzter Polizist befinde sich in „kritisch-stabilem“ Zustand.
Nach Angaben Nehammers könne aktuell noch nicht ausgeschlossen werden, dass es noch weitere Attentäter gebe. Die Attentäter hatten am Montagabend in der Wiener Innenstadt um sich geschossen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“.

Innenminister Karl Nehammer gab am Dienstagmorgen in Wien eine Pressekonferenz nach dem Terroranschlag vom Montagabend. Demnach handele es sich bei dem getöten Attentäter um einen IS-Anhänger, mindestens ein weiterer Täter werde von der Polizei aber noch gesucht.
DPANehammer auf Pressekonferenz: Mehrere Festnahmen nach Terror in Wien
Nehammer führte auf der Pressekonferenz weiter aus, dass der später getöte Attentäter mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen sei und zudem eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen habe. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.
Im Umfeld des Täters wurden mehrere Objekte durchsucht. Insgesamt sind nach Aussage von Innenminister Karl Nehammer 18 Wohnungen durchsucht worden. Es seien 14 Personen festgenommen worden.
„Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt“, sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Bevölkerung habe der Polizei inzwischen Tausende von Videoaufnahmen für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz.
Wiener Innenstadt wegen des Terroranschlags zeitweise nicht erreichbar
Die Wiener Innenstadt war zeitweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr erreichbar. Weder Busse noch Bahnen steuerten Ziele im historischen Kern der Zwei-Millionen-Metropole an.
Die Regierung hielt angesichts des Anschlags um 9 Uhr - per Videokonferenz - einen Sonderministerrat ab. Um 11.30 Uhr wendete sich Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dann in einer Rede an die Bevölkerung.
Um 12 Uhr empfingen Kurz und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sowie die Fraktionschefs der Parlamentsparteien im Bundeskanzleramt zu einem Gespräch. Danach folgt eine gemeinsame Kranzniederlegung am Tatort, um der Opfer zu gedenken. Aufgrund der weiteren polizeilichen Ermittlungen wurden die Bürger dazu aufgerufen, die Innenstadt zu meiden.
Nach Terroranschlag in Wien: Bundespolizei kontrolliert verschärft an deutsch-österreichischer Grenze
Nach dem Anschlag in Wien kontrolliert die Bundespolizei die deutsch-österreichische Grenze mit erhöhter Wachsamkeit. „Unsere Kräfte sind entsprechend sensibilisiert“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Kontrolle der Grenze sei nun ein „taktischer Schwerpunkt“. Die Grenzbeamten beachteten genau, ob es Auffälligkeiten „aus dem entsprechenden Spektrum“ gebe.
Die Attentäter hatten am Montagabend in der Wiener Innenstadt um sich geschossen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“. Der während des Anschlags erschossene Täter war ein mutmaßlicher Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), der österreichische Innenminister Karl Nehammer bezeichnete den getöteten Angreifer am Dienstagmorgen als „Sympathisanten der Terrormiliz IS“.
Die österreichische Polizei fahndete unterdessen mit einem Großaufgebot von hunderten Beamten nach mindestens einem weiteren flüchtigen Attentäter.
Netz feiert Helfer des verletzten Polizisten
Das Netz feiert zwei junge Männer für ihren selbstlosen Einsatz während der Terrorattacke in Wien. Recep Gültekin und Mikail Özen haben am Montagabend - während noch Schüsse fielen - einer älteren Dame und einem angeschossenen Polizisten geholfen, wie auf Videos in sozialen Medien zu sehen ist.
„Wir wollten den letzten Kaffee vor den Ausgangssperren trinken und dabei sind wir mitten im Gefecht gelandet“, schilderte Özen die Situation auf Instagram. Die beiden Kampfsportler hörten nach eigenen Aussagen am Schwedenplatz in der Wiener Innenstadt auf einmal Schüsse und sahen blutende Passanten. Ein Anwohner nahm die dramatischen Szenen aus seiner Wohnung in einem oberen Stockwerk auf.
Die beiden Männer halfen zunächst einer älteren Dame, sich in Sicherheit zu bringen. Danach sahen sie einen verwundeten Polizisten. Die Männer verurteilten die Tat scharf: „Wir türkisch-stämmigen Muslime verabscheuen jegliche Art von Terror, wir stehen zu Österreich, wir stehen für Wien“, erklärte Özen.
+++ Terroranschlag in Wien: Die Entwicklung nach den Schüssen am Montagabend zum Nachlesen +++
Großeinsatz der Polizei in Österreichs Hauptstadt Wien: Am Montagabend hatte es zunächst eine Schießerei in der Nähe des Schwedenplatzes gegeben, berichtete unter anderem der „Kurier“. Die Schießereien hatten demnach gegen 20 Uhr begonnen und sich der Polizei zufolge an sechs Tatorten ereignet. Ganz in der Nähe von einem der Tatorte befindet sich eine Synagoge.
Gerüchte über Anschlag auf Synagoge in Wien zunächst nicht bestätigt
Anfangs hatten Gerüchte kursiert, es handle sich um einen Anschlag auf eine Synagoge in der Seitenstettengasse. Doch das bestätigte sich nicht, wie der „Kurier“ unter Berufung auf Oskar Deutsch, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde berichtet. Deutsch twitterte, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. „Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.“
Video zeigt Schießerei in Wien - Meldungen über Tote und Verletzte
Ein Video zeigte, wie in der Gegend zahlreiche Schüsse fallen und Menschen schreien und fliehen. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt. Die Lage war am späten Abend noch unklar, aber es soll sich um mehrere Täter handeln. Meldungen zufolge hat es bis zu sieben Tote und Verletzte gegeben. Der ORF berichtete sogar von drei bis acht Todesopfern. Gegen 22.50 Uhr bestätigte die Polizei lediglich zwei Tote. Es handle sich um einen der Täter und einen Passanten. Außerdem gebe es mehrere Schwerverletzte, darunter sei ein Polizist. Das sagte auch eine Ministeriumssprecherin, demnach wurde bei einem der Schusswechsel in der Nähe des Schwedenplatzes ein Polizeibeamter angeschossen und schwer verletzt.
Nach Angaben des Wiener Rettungsdienstes habe es mehrere Tote und Verletzte gegeben. „Zahlenmäßig eingrenzen können wir das noch nicht, wir sind noch dabei, uns einen Überblick zu verschaffen“, sagte der Sprecher der Wiener Berufsrettung, Daniel Melcher, der Nachrichtenagentur APA. Am späten Abend war von bis zu 15 verletzten Menschen die Rede.
Selbst gegen Mitternacht lief der Großeinsatz der Polizei weiter, es wurde immer noch nach Verdächtigen gesucht, Autos und Passanten wurden kontrolliert.
Gerüchte über Schüsse in Lokale, Explosion und Geiselnahme
Im Laufe des Abends waren zahlreiche Gerüchte ins Kraut geschossen: Nicht bestätigt wurde, dass die Täter wahllos in Restaurants und Lokale geschossen haben sollen oder dass Geiseln genommen worden seien. Auch von einer Sprengstoff-Explosion war die Rede. Berichten zufolge soll ein Täter sich in die Luft gesprengt haben. Auch dies wurde nicht bestätigt.
Laut der Nachrichtenagentur APA hieß es, dass einer der Angreifer tot sei, ein weiterer befinde sich möglicherweise auf der Flucht. Ein mutmaßlicher Täter ist festgenommen worden. Dies berichtete APA unter Berufung auf das Innenministerium.
Minister: Terroranschlag - Mehrere Täter mit Gewehren
Nach den Worten von Innenminister Karl Nehammer handele es sich augenscheinlich um einen Terroranschlag. „Der Angriff läuft noch“, sagte der Minister gegen 21.30 Uhr. Er erklärte, dass dass es mehrere Verletzte und wohl auch Tote gegeben habe. Nehammer appellierte an die Bevölkerung, zuhause zu bleiben und auch die Lokale nicht zu verlassen.
Wiener Polizei warnt Bevölkerung
Die Polizei twitterte: „Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet.“ In der Wiener Innenstadt werden nach Angaben der Polizei derzeit keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. „Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend“, twitterte die Polizei weiter.

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte in der Wiener Innenstadt. Bei den Schüssen in Wien handelt es sich nach den Worten von Innenminister Nehammer augenscheinlich um einen Terroranschlag.
Foto: Roland Schlager/APA/dpaAugenzeuge: Täter hat mit Sturmgewehr geschossen
Auf Videos, die der Privatsender „Oe24“ am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. Ein Augenzeuge sagte dem Fernsehsender ORF, ein Täter habe nahe der Synagoge „mit einer automatischen Waffe wild geschossen“. Es soll sich um ein Sturmgewehr des Typs AK47 handeln. Dem Sender oe24.TV berichtete ein anderer Zeuge, es seien „mindestens 50 Schüsse“ abgegeben worden.






