Das Regierungschaos in Italien soll nun ein Ende finden: die Bürgerinnen und Bürger haben am Sonntag über ein neues Parlament abgestimmt. Die Neuwahlen wurden ausgerufen, nachdem am 21. Juli 2022 der bisherige Ministerpräsident Mario Draghi seinen Rücktritt verkündete. Am 25. September 2022 sollten die Italienerinnen und Italiener also entscheiden: Wer regiert als nächstes?
  • Wie sehen die Hochrechnungen und Prognosen aus?
  • Kandidaten und Parteien: Wer stand in Italien zur Wahl?
  • Wann wird der neuen Regierungschef bekannt?

Wahl in Italien: Hochrechnung sieht Rechtsbündnis vorn

Das Bündnis um die radikal rechten Fratelli d'Italia, die „Brüder Italiens“, hat die Parlamentswahl laut Hochrechnungen klar gewonnen. Giorgia Meloni, Chefin der nationalistischen, EU-kritischen und teils rassistischen Partei, hat nun gute Chancen, als Nachfolgerin des allseits geachteten Mario Draghi neue Ministerpräsidentin zu werden - im Schulterschluss mit der Lega von Matteo Salvini und der Forza Italia von Silvio Berlusconi.
Der Rechtsblock war bereits als klarer Favorit in die Wahl gegangen und kam den Prognosen zufolge auf 41 bis 45 Prozent der Stimmen. Durch eine Besonderheit im italienischen Wahlrecht dürfte dies dennoch für eine Mehrheit der Mandate reichen.
Die Links- und Zentrumsparteien machten im Wahlkampf nicht geschlossen Front gegen die Rechten. Das Wahlbündnis der Sozialdemokraten mit linken Parteien und Grünen kam den Prognosen zufolge auf 25,5 bis 29,5 Prozent. Die Fünf-Sterne-Bewegung landete bei 13,5 bis 17,5 Prozent der Stimmen. Die Zentrumsallianz lag abgeschlagen bei 6,5 bis 8,5 Prozent.

Italien mit historisch niedriger Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung bei der Wahl in Italien betrug 64,07 Prozent und lag damit deutlich unter der von 2018 mit 73,86 Prozent. Es ist die niedrigste Teilnahme an einer nationalen Parlamentswahl in Italien seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Offizielle Ergebnisse gibt das Innenministerium am Montag bekannt.

Parteien in Italien: Das waren die Kandidaten bei der Wahl 2022

In Italien gibt es, wie auch in Deutschland, viele Parteien, die in der Regel eine Koalition anstreben. Folgende Parteien standen 2022 in Italien zur Wahl:
  • Lega: rechtspopulistisch, anti-EU; Vorsitzender: Matteo Salvini
  • Movimento 5 Stelle (Fünf-Sterne-Bewegung): linkspopulistisch; Vorsitzender: Giuseppe Conte
  • Partito Democratico (PD): sozialdemokratisch, Mitte-Links; Vorsitzender: Enrico Letta
  • Forza Italia: chrisdemokratisch, Mitte-Rechts; Vorsitzender: Silvio Berlusconi
  • Fratelli d‘Italia: neo-faschistisch, nationalistisch; Vorsitzende: Giorgia Meloni
  • Italia Viva: sozialliberal, Mitte; Vorsitzender: Matteo Renzi
Das sind aktuell die größten Parteien im Land. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Parteien.
Die rechten Parteien Fratelli d‘Italia, Forza Italia und Lega streben nach der Wahl 2022 eine Koalition an. Aktuellen Umfragen zufolge könnten sie dafür auch genug Stimmen bekommen. Regierungschefin wäre dann Giorgia Meloni.

Parlamentswahl 2022: Letzte Umfrage in Italien vor der Wahl

Seit Auflösung des Parlaments im Sommer tobt der Wahlkampf in Italien. Viele Bürgerinnen und Bürger lässt die Wahl der Kandidaten genauso ratlos wie den Rest der EU. Seit Wochen sagen die Umfragen jedoch den Rechten bzw. Rechtsextremisten den Wahlsieg voraus. Laut einer Umfrage von „Politico“ könnte die Wahl wie folgt ausfallen:
  • Lega: 13 Prozent
  • Movimento 5 Stelle: 12 Prozent
  • Partito Democratico: 22 Prozent
  • Forza Italia: 8 Prozent
  • Fratelli d‘Italia: 24 Prozent
  • Italia Viva: 7 Prozent
  • Andere: 10 Prozent

Wahl in Italien: Wann gibt es das endgültige Ergebniss?

Die Bürgerinnen und Bürger Italiens wählen bei der Parlamentswahl einmal für den Senat (200 Sitze) und einmal für das Repräsentantenhaus (400 Sitze). Eine Partei braucht mindestens 3 Prozent der Stimmen, um ins Parlament einzuziehen. Die Wahllokale in Italien öffnen um 7 Uhr morgens und bleiben am Sonntag bis 23 Uhr geöffnet. Erste Hochrechnungen gibt es direkt im Anschluss, die genauen Ergebnisse werden erst am frühen Montagmorgen erwartet.