Am 8. November 2022 fanden in den USA Zwischenwahlen statt, die sogenannten Midterms. Zwei Jahre nachdem Präsident Joe Biden es geschafft hat, den Republikaner Donald Trump im Weißen Haus abzulösen, geht es jetzt wieder um seine politische Zukunft. Je nachdem wie seine Demokraten bei der Wahl abschneiden, will Biden entscheiden, ob er 2024 erneut kandidieren will.
Außerdem entscheidet sich bei den Zwischenwahlen, wie viel Biden während seiner jetzigen Amtszeit noch erreichen kann. Umfragen hatten eine sogenannte rote Welle für die Republikaner vorhergesagt. Es könnte aber sein, dass sich die Demokraten deutlich besser behaupten als erwartet.
In diesem Text erklären wir, wie genau die Wahlen ablaufen, in welchen Staaten es besonders spannend wird und was das alles für Biden bedeuten könnte.

Wahlen in den USA: Senat und Repräsentantenhaus

Die Zwischenwahlen in den USA am 8. November 2022 umfassen mehrere wichtige Wahlen. Zum einen wird das Repräsentantenhaus neu gewählt, eines der Kammern des Kongresses. Alle 435 Sitze des Hauses werden neu gewählt. In der zweiten Kammer, dem Senat, steht nur ein Teil der Sitze zur Wahl: 35 von insgesamt 100 Sitzen werden neu bestimmt. Die Republikaner müssten netto einen Sitz im Senat und fünf Sitze im Abgeordnetenhaus hinzugewinnen, um in beiden Kammern eine Mehrheit zu haben. Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner deutlich bessere Chancen, ihren derzeitigen Rückstand von 212 zu 220 Stimmen umzukehren. Neben diesen beiden entscheidenden Wahlen gibt es einige wichtige Gouverneurswahlen in den Bundesstaaten: in insgesamt 36 der 50 Staaten wird ein neuer Regierungschef bestimmt.

Umfragen vor der Wahl: Demokraten haben aktuell die Macht

Bei den Wahlen 2022 wird über das Kräfteverhältnis in den USA neu entschieden. Aktuell haben die Demokraten im US Kongress eine knappe Mehrheit. Sollte das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Republikaner kippen, könnten diese das Leben von Präsident Biden besonders schwer machen, indem sie wichtige Gesetze blockieren. In der Regel ist es so, dass die Partei, die nicht den Präsidenten stellt (in diesem Fall also die Republikaner), bei den Zwischenwahlen besser abschneidet und den Kongress für sich gewinnen kann.

Repräsentantenhaus

Im Repräsentantenhaus haben die Demokraten aktuell eine Mehrheit. Sie haben 221 Sitze, die Republikaner 212 Sitze. Zwei Sitze sind noch bis zur Wahl unbesetzt. Aktuellen Umfragen zufolge könnten die Republikaner die Wahl für sich entscheiden und die Macht im Repräsentantenhaus gewinnen. Prognosen zufolge könnten sie 229 Sitze bekommen, die Demokraten 206. Damit würden die Republikaner zum ersten mal seit 2018 im Repräsentantenhaus wieder eine Mehrheit haben. Schon seit Monaten wird prognostiziert, dass die Republikaner in diesem Jahr das Repräsentantenhaus sichern werden. Die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse wird wohl in einzelnen Wahlkreisen fallen. Die endgültigen Ergebnisse zur Verteilung der Sitze im Repräsentantenhaus stehen aktuell noch nicht fest. Laut dem Portal politico.com konnten die Republikaner nach aktuellem Stand allerdings tatsächlich mehr Sitze gewinnen als die Demokraten.

Senat

Im Senat ist die Lage etwas komplizierter, da nicht alle Sitze neu gewählt werden. 35 der 100 Sitze stehen zur Wahl, davon gehören 14 aktuell den Demokraten und 21 den Republikanern. Um das Kräfteverhältnis zu verschieben müssen die Republikaner mindestens 22 Sitze gewinnen. Um ihre Macht im Senat zu erhalten müssen die Demokraten mindestens 14 Sitze gewinnen. Den neusten Umfragen zufolge wird erwartet, dass die Demokraten den Senat halten können und am Ende 50 von 100 Senatssitze halten werden. Damit würde das Kräfteverhältnis genau so bleiben wie jetzt: 50-50. Da die Demokraten aber die Vizepräsidentin stellen, haben sie eine Stimme mehr als die Republikaner. Die endgültigen Ergebnisse zu den Senatswahlen stehen noch nicht fest. Der aktuelle Stand bestätigt allerdings die Tendenz zu einer relativ ausgewogenen Verteilung zwischen Demokraten und Republikanern.

Gouverneure

Neben den beiden wichtigen bundespolitischen Wahlen finden in 36 US-Staaten noch Landeswahlen statt. Die Gouverneure haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Bundespolitik in den USA, sind aber in Amerika sehr mächtig. In einigen Staaten könnte es deutliche Veränderungen geben: In Massachusetts und Maryland wurde erwartet, dass die regierenden Republikaner die Macht verlieren. Nach aktuellem Stand hat sich diese Prognose bestätigt. In Nevada, Wisconsin und sogar Oregon könnte es andersherum sein: Die Demokraten schneiden in den Umfragen schlechter ab als die Republikaner.

Darum sind die Midterms 2022 so wichtig

Die USA sind seit der turbulenten Präsidentschaftswahl 2020 und der gewaltsamen Attacke von Trump-Anhängern auf das Kapitol nie wirklich zur Ruhe gekommen. Präsident Joe Biden konnte das Land nach seinem Amtsantritt nicht einen. Die politische Stimmung ist immer noch extrem angespannt. Kurz vor der Wahl verstärkte ein brutaler Angriff auf den Ehemann der Spitzen-Demokratin Nancy Pelosi die Angst vor politisch motivierter Gewalt. Demokraten und Republikaner stehen sich so unversöhnlich und teils feindlich gegenüber wie selten, haben auf verschiedenen Politikfeldern fundamental unterschiedliche Pläne für das Land - zum Beispiel was Migration, soziale Sicherungssysteme und das Thema Abtreibung angeht. Übernehmen die Republikaner die Kontrolle im Kongress, dürften die kommenden zwei Jahre von Blockade, Reformunfähigkeit und parteipolitischen Kämpfen geprägt sein.

Wahlen 2022: In diesen Staaten wird es besonders spannend

In manchen US-Staaten könnte es besonders spannend werden. Entweder, weil die Sitze besonders hart umkämpft werden oder weil sich Umfragen zufolge ein großer Wechsel abzeichnet. In diesen Staaten wird es sich lohnen, genauer hinzuschauen:
  • Arizona (Enges Rennen bei der Gouverneurswahl)
  • Georgia (Spannendes Rennen bei der Gouverneurswahl)
  • Indiana (Enges Rennen bei der Senatswahl)
  • Kansas (Enges Rennen bei der Gouverneurswahl)
  • Nevada (Enges Rennen bei der Gouverneurswahl & Senatswahl)
  • North Carolina (Enges Rennen bei der Senatswahl)
  • Ohio (Enges Rennen bei der Senatswahl)
  • Oregon (Enges Rennen bei der Gouverneurswahl)
  • Wisconsin (Enges Rennen bei der Gouverneurswahl & Senatswahl)

Kongresswahlen 2022: Wird Joe Biden 2024 kandidieren?

Für US-Präsident Joe Biden sind die Wahlen im November 2022 ein wichtiger Stimmungstest. Möglicherweise könnte es sich für ihn danach entscheiden, ob er 2024 für eine zweite Amtszeit kandidieren will. Neben Beliebtheitswerten spielt auch sein Alter eine Rolle. Hier geht‘s zum Artikel.

Midterms 2022: Tritt Donald Trump erneut an?

Nicht nur für Biden sind die Wahlen von großer Bedeutung. Auch die Republikaner schauen sich schon nach ihrem Kandidaten für die Wahl 2024 um. Einer der Favoriten ist immer noch Donald Trump, der womöglich eine weitere Kandidatur 2024 in Erwägung zieht. Hier geht‘s zum Artikel über Trump 2024.