Am 8. November 2022 wurde in den USA im Rahmen der Zwischenwahlen wieder gewählt. Diese Wahlen, auch Midterms genannt, markieren die Hälfte der Amtszeit des amtierenden US-Präsidenten Joe Biden. Die Zwischenwahlen werden von den Wählerinnen und Wählern traditionell genutzt, um ihre Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit der Partei des Präsidenten zu äußern.
Für Biden ging das Ergebnis bei den Midterms deutlich besser aus, als erwartet – die Demokraten halten den Senat, beim Repräsentantenhaus gibt es noch immer keinen klaren Sieger. Für die Republikaner war es aber eine bittere Wahl – und insbesondere für den Ex-Präsidenten Donald Trump eine Niederlage.
Angesichts dieser Ergebnisse muss sich Biden nun die Frage stellen, ob er eine zweite Amtszeit anstreben will. Es gibt viele Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Wird Joe Biden 2024 nochmal kandidieren?

Alter: 2024 wäre Präsident Joe Biden 82 Jahre alt

Eine der wichtigsten Aspekte, die Joe Biden wohl bei einer erneuten Kandidatur abwägen muss, ist sein Alter. Im November 2022 wird der US-Präsident 80 Jahre alt, zum Ende seiner jetzigen Amtszeit ist er dann schon 82. Würde er eine zweite Amtszeit gewinnen wäre er bis deren Ende 86 – und damit ein sehr alter Mann. Schon jetzt ist Biden der älteste Präsident, den die Amerikaner seit dem zweiten Weltkrieg hatten. Vor Biden war US-Präsident Donald Trump der älteste Präsident der Vereinigten Staaten. Trump ist mit seinen 75 Jahren nur unwesentlich jünger als Biden.
Im Fernsehsender MSNBC sagte Biden im Oktober, es sei legitim, das Alter von Kandidaten in Erwägung zu ziehen, „auch meines“. Man solle beobachten, was er tue. „Werde ich langsamer? .... habe ich nicht mehr das gleiche Tempo?“ Die Frage nach dem Alter desjenigen, der als Präsident den Einsatz von Atomwaffen befehlen kann und zugleich verstehen soll, wie die internetaffine jüngere Generation tickt und warum sie sich solche Sorgen macht um eine Klimakatastrophe, ist nicht neu.

Joe Biden will Anfang 2023 Kandidatur bekanntgeben

Doch nicht nur das Alter des Präsidenten wird für Biden entscheidend sein. Für ihn und für die Demokraten wird es eine Abwägung geben müssen: Sind seine Umfragewerte so schlecht, dass die Partei lieber mit einem neuen Kandidaten ins Rennen geht? Oder gehen sie davon aus, dass Biden einen Amtsbonus haben wird – und damit gegen einen republikanischen Kandidaten im Vorteil steht?
Biden erklärte nach den Midterm-Wahlen am 8. November, er habe vor, noch einmal anzutreten, werde das aber mit seiner Frau Jill besprechen und seine Entscheidung vermutlich Anfang 2023 bekannt machen.
Zuvor hatte das Weiße Haus mehrfach erklärt, Biden werde 2024 wieder antreten. Vor den Midterms sagte der Präsident selbst, für eine entsprechende Entscheidung sei es "viel zu früh". Er habe "großen Respekt" vor dem Schicksal. Auf die Bemerkung, er sei bereits jetzt der älteste Mensch aller Zeiten im Amt des Präsidenten, antwortete Biden: "Ziemlich gut in Form, was?"
Auf seine niedrigen Zustimmungswerte angesprochen, sagte Biden, diese wiesen darauf hin, dass die USA eine "wirklich schwierige Zeit" erlebten.
Wichtig für seine Kandidatur wird ebenfalls sein, wen die Republikaner aufstellen. Sollte Donald Trump erneut der republikanische Kandidat werden, wäre der Amtsbonus von Biden sicher von Vorteil. Aber die Entscheidung bleibt offen.

Umfragen aktuell: Wie beliebt ist Joe Biden in den USA?

Präsident Joe Biden genießt aktuell keine besonders guten Umfragewerte. Im Verlauf des Jahres haben dieses sich auch immer mehr verschlechtert. Den neusten Umfragen zufolge sind 41,4 Prozent der Amerikaner mit Biden zufrieden, 51,9 Prozent sind aber unzufrieden. Eine andere Umfrage sieht die Beliebtheistwerte bei genau 50-50 Prozent. Den niedrigsten Wert erreichten Bidens Beliebtheitswerte im Sommer, als fast 60 Prozent der US-Bürger sich unzufrieden zeigten. Den besten Wert hatte Biden 2022 im Februar, kurz vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine: 61 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürworteten seine Präsidentschaft.
Zum Vergleich zwei andere Präsidenten der USA der jüngsten Geschichte: Trump und Obama. Während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump waren seine Beliebtheitswerte immer sehr schlecht. Am beliebtesten war Trump im März 2020, ganz zu Beginn der Pandemie, als 49 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit ihm zufrieden waren. Seinen schlechtesten Wert erreichte er im Januar 2021 nach der Stürmung des Kapitols: 62 Prozent der Amerikaner lehnten ihn ab.
Die beiden Amtszeiten von Präsident Barack Obama waren von relativ stark schwankenden Beliebtheitswerten geprägt. 2009 begann er seine erste Amtszeit mit Topwerten: 68 Prozent der Bürger waren zufrieden mit ihrem neuen Präsidenten. Seinen schlechtesten Wert erhielt er 2014, als 55 Prozent sich unzufrieden zeigten. Zum Ende seiner Präsidentschaft im Januar 2017 wendete sich das Blatt erneut, 60 Prozent fanden Obama als Präsidenten wieder gut.
In diesem Kontext muss man also sagen, dass US-Präsident Biden aktuell weder besonders beliebt noch besonders unbeliebt ist. Im Zeichen der Inflation und der drohenden Rezession sind die Wählerinnen und Wähler unzufrieden – das ist erwartbar. Ob das in zwei Jahren noch der Fall sein wird, ist in Krisenzeiten schwer zu sagen.

Midterms 2022: Tritt Donald Trump erneut an?

Nicht nur für Biden sind die Wahlen von großer Bedeutung. Auch die Republikaner schauen sich schon nach ihrem Kandidaten für die Wahl 2024 um. Einer der Favoriten ist immer noch Donald Trump, der womöglich eine weitere Kandidatur 2024 in Erwägung zieht. Hier geht‘s zum Artikel über Trump 2024.