Am 8. November 2022 fanden in den USA Zwischenwahlen statt, die sogenannten Midterms. Bei den Zwischenwahlen werden ein Teil des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu bestimmt. Außerdem gibt es in 36 von 50 Bundesstaaten Gouverneurswahlen. Für Präsident Joe Biden geht es nun erneut um seine politische Zukunft. Denn die Kongress-Zwischenwahlen sind auch immer ein Votum über den amtierenden US-Präsidenten: Wähler nutzen die Midterms zur Hälfte der Amtszeit eines Präsidenten gern für eine Abrechnung mit der Regierungspartei.
Bei den Ergebnissen hat sich ein engeres Rennen abgezeichnet als von vielen Beobachtern erwartet. Die Demokraten von Präsident Joe Biden konnten ungeachtet schlechter Prognosen einige Erfolge erzielen. Während der Kampf um die künftige Senatsmehrheit deswegen spannend bleibt, könnten die oppositionellen Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen. Hier klären wir über alle wichtigen Ergebnisse auf – und was sie für die USA bedeuten.

Midterms 2022: Wann kommen die finalen Ergebnisse?

Die Demokraten hatten bei der Zwischenwahl zur Halbzeit von Bidens Amtsperiode am Dienstag besser abgeschnitten als in vielen Umfragen vorhergesagt. Weiterhin nicht ausgeschlossen ist, dass sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat - oder zumindest in einer der beiden Kongresskammern - halten. Bis die finalen Ergebnisse feststehen, können allerdings noch mehrere Tage oder gar Wochen vergehen.

Welche Partei gewinnt den Senat?

Extrem spannend ist das Rennen um den Senat - und die künftige Mehrheit in der Kongresskammer mit ihren 100 Senatoren könnte erst in einem Monat feststehen. Zuletzt hatten die Demokraten US-Sendern zufolge 48 Senatssitze sicher und die Republikaner 49. Offen sind die Rennen noch in den Bundesstaaten Arizona, Georgia und Nevada. In allen drei Duellen müssen sich demokratische Senatoren gegen republikanische Herausforderer behaupten.

Welche Partei gewinnt das Repräsentantenhaus?

Für die Mehrheit im Repräsentantenhaus sind 218 Sitze notwendig. Mit den Abstimmungen, zu denen es bereits Ergebnisse oder Prognosen zum Gewinner gibt, kommen die Republikaner bislang auf 209 Stimmen und die Demokraten auf 189 Sitze.

Gouverneurswahlen 2022: Wichtige Wahlen in den Staaten

Neben den beiden wichtigen bundespolitischen Wahlen finden in 36 US-Staaten noch Landeswahlen statt. Die Gouverneure haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Bundespolitik in den USA, sind aber in Amerika sehr mächtig. In einigen Staaten könnten die Landeswahlen Einfluss auf das bundespolitische Geschehen haben. Zudem gelten auch diese Wahlen als wichtiger Stimmungstest. In folgenden Staaten wurde in den Umfragen vor der Wahl ein enges Rennen prognostiziert:
  • Arizona
  • Kansas
  • Nevada
  • Oregon
  • Wisconsin
Der Erfolg des republikanischen Amtsinhabers in Florida, Ron DeSantis, stach bei den Gouverneurswahlen bislang besonders heraus. Rund 20 Prozentpunkten hatte der rechte Hardliner Vorsprung auf seinen demokratischen Herausforderer Charlie Crist und festigte damit seinen Status als möglicher Präsidentschaftskandidat bei der Wahl 2024. Der 44-jährige aufstrebende Star der Republikaner gilt bereits jetzt als schärfster innerparteilicher Konkurrent von Trump.
In Massachusetts gewann die Demokratin Maura Healey. Damit übernimmt zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine offen homosexuelle Frau ein Gouverneursamt. Eine weitere Premiere gab es in Maryland, wo der Demokrat Wes Moore als erster Afroamerikaner zum Gouverneur des Bundesstaates Maryland gewählt wurde. In Arkansas übernimmt die frühere Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders als erste Frau in der Geschichte des Bundesstaates das Gouverneursamt.
In Arizona ist der Ausgang indes weiterhin offen. Hier trat die Demokratin Katie Hobbs gegen die Republikanerin Kari Lake an, eine frühere TV-Nachrichtensprecherin, eingefleischte Trump-Anhängerin und prominente Wahl-Leugnerin, die regelmäßig Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftswahl 2020 äußert.

Wie ist die Prognose?

Bei den Zwischenwahlen in den USA haben mehr als 45 Millionen Menschen bereits vor dem Wahltag ihre Stimme abgegeben. Das geht aus Daten vom Dienstag (Ortszeit/18:00 Uhr MEZ) hervor, die das Umfrageinstitut US Elections Project veröffentlicht. Bei den Midterms 2018 habe es rund 39 Millionen sogenannte Frühwähler („Early Voters“) gegeben, 2014 noch 20,5 Millionen. Vorhersagen zufolge dürfte die Senatsmehrheit an mehreren knappen Rennen hängen. Es könnte daher Unsicherheiten bei der Stimmauszählung geben, womöglich auch rechtliche Anfechtungen der Resultate. Daher könnte es nach Experteneinschätzung mehrere Tage oder womöglich sogar Wochen dauern, bis feststeht, welche Partei künftig das Sagen im Senat haben wird. Auch Biden hatte die Bürger vor der Wahl zu Geduld aufgerufen.

Zeitplan und wichtige Termine

Der wichtigste Termin bei den Zwischenwahlen ist natürlich der 8. November, an dem im ganzen Land gewählt wird. Es gibt aber auch zwei mögliche Termine für Stichwahlen: am 6. Dezember 2022 könnte es eine Stichwahl im Bundesstaat Georgia geben (wenn kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt) und am 10. Dezember wäre eine Stichwahl in Louisiana denkbar. Am 3. Januar 2023 kommt dann der neu gewählt Kongress der USA erstmals seit der Wahl zusammen.