Wahl Türkei heute
: Erdogan gewinnt Stichwahl am 28.05.2023 knapp

In der Türkei fand am Sonntag, den 28. Mai, die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Ein knappes Ergebnis nach Prognosen, Hochrechnungen und Ergebnissen.
Von
Daniel Steiger
Ankara
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Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan ist erneut zum Präsident der Türkei gewählt worden. Mit knappen 52 Prozent der Stimmen gewann er gegen seinen Herausforderer und wurde von Anhängern bis in die Morgenstunden gefeiert - auch im Ausland gab es zahlreiche Hupkonzerte auf den Straßen.

Ali Unal, dpa

Am Sonntag, den 28. Mai 2023, hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in der Türkei stattgefunden. Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan trat gegen den Herausforderer Kemal Kilicdaroglu an. Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatte Erdogan die absolute Mehrheit knapp verfehlt und musste nun in die Stichwahl.

Prognose, Hochrechnung, Ergebnis - Alle Zahlen zur Stichwahl in der Türkei

Für die Türkei war es die erste Stichwahl über die Präsidentschaft in ihrer Geschichte. Im Inland waren rund 61 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Dazu kamen rund 3,4 Millionen im Ausland lebende Wahlberechtigte.

Die Wahllokale in der Türkei öffneten am Sonntag um 7 Uhr MESZ und schlossen um 16 Uhr MESZ. Danach hatte es erste Zahlen und Hochrechnungen geben. Mit vorläufigen Ergebnissen wurde in der Nacht zu Montag gerechnet.

Wahllokale geschlossen! Stichwahl zwischen Erdogan und Kilicdaroglu

Um 16 Uhr war die Stimmabgabe bei der Präsidentenwahl in der Türkei beendet. Die Wahllokale im Land haben geschlossen. Vorläufige Ergebnisse wurden am Abend erwartet.

Agenturen melden unterschiedliche Teilergebnisse bei Türkei-Wahl

Am großen Wahlsonntag in der Türkei melden zwei Nachrichtenagenturen kurz nach Schließung der Wahllokale zunächst unterschiedliche Teilergebnisse:

  • Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu lag Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan am Sonntag nach Öffnung von rund 44 Prozent der Urnen vorne. Er kam demnach auf rund 57 Prozent, sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu auf rund 43 Prozent.
  • Bei der oppositionsnahen Agentur Anka zeichnete sich jedoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Demnach lag Kilicdaroglu mit rund 51 Prozent vorne, Erdogan kam auf rund 49 Prozent.

Ein Wahlhelfer hält einen Stimmzettel mit den Namen und Bildern der beiden Präsidentschaftskandidaten Recep Tayyip Erdogan und Kemal Kilicdaroglu in einem Wahllokal in Ankara. Wann gibt es Prognosen, Hochrechnungen und Ergebnisse? Alle Infos und Zahlen zur Stichwahl.

Burhan Ozbilici/dpa

Erdogan führt laut Hochrechnungen bei Präsidentenwahl in der Türkei

Lange waren die Aussagen zu den Teilergebnissen der türkischen Präsidentenwahl unterschiedlich: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan führte staatlichen Medien zufolge mit knapp 55 Prozent der Stimmen. Die Zahlen meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu nach Auszählung von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmzettel. Sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu kam demnach auf 45 Prozent. Laut Oppositionsmedien jedoch lag Kilicdaroglu knapp vorn. Es bleibt spannend.

Erdogan knapp Sieger bei Präsidentenwahl in der Türkei

Der Wahlabend in der Türkei bringt gegen 20 Uhr langsam Gewissheit. Recep Tayyip Erdogan scheint ein weiteres Mal an die Spitze des Staates gewählt. Wie bereits im Wahlkampf hetzte Erdogan gegen lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Menschen. „Meine Brüder, ist diese CHP denn nicht für die LGBT?“, sagte er auch am Sonntag mit Bezug auf die Partei Kilicdaroglus. In seinem eigenen Wahlbündnis gebe es so etwas nicht, so Erdogan. Er erhielt dafür laute Zustimmung aus dem Publikum.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur kam der türkische Präsident nach Auszählung von knapp 99 Prozent der Stimmen auf 52 Prozent, Kilicdaroglu auf 48 Prozent. Die oppositionsnahe Agentur Anka verzeichnete fast gleiche Werte.

Die Wahlbeteiligung lag Anadolu zufolge bei rund 85 Prozent und damit niedriger als bei der ersten Runde mit 87 Prozent. Auch in Deutschland zeichnete sich den vorläufigen Zahlen von Anadolu zufolge ein deutlicher Sieg Erdogans ab - nach knapp 45 Prozent der ausgezählten Stimmen lag der Staatschef bei 67 Prozent.

Wahlsieger Erdogan ruft Türkei zu „Einheit und Solidarität“ auf

Es ist amtlich: der amtierende Präsident Erdogan wurde hat die historische Stichwahl in der Türkei für sich entscheiden können. Wenn auch nur sehr knapp. Zahlreiche Glückwünsche aus dem Ausland erreichten den wiedergewählten Staatschef. Erdogan rief sein Land zur „Einheit und Solidarität“ auf. Während Erdogan-Anhänger den Wahlsieg am Sonntagabend jubelnd und mit Hupkonzerten feierten, trafen aus dem Ausland zahlreiche Glückwünsche ein: Russlands Präsident Wladimir Putin, US-Präsident Joe Biden, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und EU-Vertreter gratulierten dem seit 20 Jahren regierenden Erdogan zu einer weiteren Amtszeit.

Es sei an der Zeit, „die Streitigkeiten des Wahlkampfes zu überwinden“ und sich in Einheit und Solidarität „um die Träume unserer Nation“ zu vereinen, sagte Erdogan in einer Ansprache vor dem Präsidentenpalast in Ankara. Sein unterlegener Herausforderer Kemal Kilicdaroglu zeigte sich „traurig“ über die Folgen von Erdogans Sieg für die Zukunft der Türkei.

Ergebnis der Stichwahl in der Türkei: Erdogan gewinnt mit 52 Prozent

Die Wahlbehörde hatte den 69-jährigen Erdogan zum Sieger der Stichwahl erklärt. Laut vorläufigen Ergebnissen erhielt der islamisch-konservative Amtsinhaber gut 52 Prozent der Stimmen, sein sozialdemokratischer Herausforderer Kilicdaroglu knapp 48 Prozent.

Auch in Deutschland, wie hier in Duisburg, haben Anhänger von Erdogan den knappen Sieg ihres Präsidenten bei der Stichwahl in der Türkei mit Hupkonzerten gefeiert.

Christoph Reichwein

Stichwahl in der Türkei - So wurde in Deutschland abgestimmt

Türkische Wähler im Ausland konnten bis Mittwoch, 24.5.2023, ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl abgeben.

Erdogan geht als Favorit in die Abstimmung. In der ersten Runde am 14. Mai lag er etwa 4,5 Prozentpunkte vor Kilicdaroglu von der CHP, verpasste aber die notwendige absolute Mehrheit. Türken im Ausland stimmten mit 57,70 Prozent mehrheitlich für den Amtsinhaber. Kilicdaroglu kam auf knapp 40 Prozent der Stimmen. In Deutschland waren es vorläufigen Zahlen zufolge 65 Prozent der Stimmen für Erdogan. In Deutschland gab jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme in der ersten Runde ab.

Bis Dienstagmittag hatten im Ausland bereits rund 1,5 Millionen Menschen abgestimmt. Das macht 46,3 Prozent der Wahlberechtigten aus. 2018 hatten insgesamt 44,6 Prozent der Wahlberechtigten im Ausland abgestimmt. Auch in der ersten Runde der Präsidentenwahl hatte die Beteiligung im Ausland mit 49,4 Prozent über der von 2018 gelegen. Damals gab es nur einen Wahlgang.

Bestimmende Themen im Wahlkampf in der Türkei

Die Abstimmung fällt auf ein für die Opposition symbolisches Datum: Am Sonntag jähren sich auch die regierungskritischen Gezi-Proteste zum zehnten Mal. Die Demonstrationen im Frühjahr 2013 hatten sich zunächst gegen die Bebauung des zentralen Istanbuler Gezi-Parks gerichtet. Sie weiteten sich zu landesweiten Demonstrationen gegen die immer autoritärere Politik Erdogans aus, der damals noch Ministerpräsident war. Dieser ließ die weitestgehend friedlichen Proteste brutal niederschlagen.

Bestimmendes Thema vor der zweiten Runde war das Thema Migration. Sowohl Erdogan als auch Kilicdaroglu sicherten sich die Unterstützung von rechtsnationalen Politikern. Vor allem Kilicdaroglu machte die Rückführung von Flüchtlingen nach Syrien zu seinem Hauptwahlkampfthema und verschärfte seinen Ton gegenüber der ersten Runde deutlich.

Die Türkei beherbergt rund 3,4 Millionen Flüchtlinge alleine aus Syrien. Für Europa spielt sie in der Migrationspolitik eine große Rolle.

Streit zwischen Deutschland und der Türkei vor der Wahl

Kurz vor der Stichwahl um das Amt des türkischen Präsidenten ist es zu einem neuerlichen diplomatischen Eklat zwischen der Türkei und Deutschland gekommen. Das Auswärtige Amt bestellte am Dienstag in Berlin den türkischen Botschafter ein, es reagierte damit auf Vorwürfe der Regierung in Ankara gegenüber Deutschland. Dem Botschafter sei mitgeteilt worden, „dass die Bundesregierung die Vorwürfe der türkischen Regierung in Bezug auf die Meinungs- und Pressefreiheit sowie die Justiz in Deutschland entschieden zurückweist“, erklärte das Auswärtige Amt im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Hintergrund des Streits sind Hausdurchsuchungen bei zwei türkischen Journalisten nahe Frankfurt am Main. Vergangene Woche hatte die türkische Regierung deshalb ihrerseits bereits den deutschen Botschafter einbestellt. Das Außenministerium in Ankara warf Deutschland vor, die türkische Presse „schikanieren und einschüchtern“ zu wollen. Deutschland wolle „die ganze Welt über die Presse- und Meinungsfreiheit belehren“ - gehe dabei aber mit „Doppelmoral“ vor, hieß es in Ankara.

Die Hausdurchsuchungen betrafen die Wohnungen von zwei Mitarbeitern der regierungsnahen Zeitung „Sabah“. Als Anlass nannten die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Polizeipräsidium Südhessen vergangene Woche den Verdacht auf „gefährdendes Verbreiten personenbezogener Daten“. Die 46 und 51 Jahre alten Journalisten waren demnach wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Angriffe auf Wahlbeobachter in der Türkei

Laut verschiedener Berichte sollen bei der Präsidentenwahl in der Türkei Wahlbeobachter in Istanbul und im Südosten des Landes angegriffen worden sein. Ali Seker, Abgeordneter der größten Oppositonspartei CHP, sagte am Wahlsonntag im oppositionellen Sender Halk TV, er und Wahlhelfer der Opposition seien von einer Gruppe angegriffen worden, nachdem sie Unregelmäßigkeiten beanstandet hätten. Der Vorfall habe sich in einem Dorf in der südosttürkischen Provinz Sanliurfa ereignet.

Zuvor hatte der CHP-Fraktionsvorsitzende Özgür Özel bereits auf Twitter geschrieben, dass Wahlbeobachter geschlagen und ihre Telefone kaputt gemacht wurden. Özel kritisierte zudem, dass nicht genügend Sicherheitskräfte vor Ort seien und forderte die Behörden auf, für die Sicherheit der Wahl zu sorgen.

(mit Material von dpa und AFP)