Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts haben am Freitag (10.15 Uhr) über die Corona-Lage in Deutschland informiert. Auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, war bei der Pressekonferenz dabei.

Welche Themen wurden bei der Pressekonferenz besprochen?

  • Die Bundesregierung hat den Lockdown verlängert - jetzt informierten Spahn und Wieler über die nächsten Schritte in der Bekämpfung der Pandemie.
  • Außerdem wurde zu den Impfungen gegen das Corona-Virus informiert.

Spahn spricht von „ermutigender Entwicklung“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), betonte, dass die Corona-Zahlen sinken. „Aber nicht stark genug“. Trotzdem sei der Rückgang eine „ermutigende Entwicklung“. Man habe außerdem fast 80 Prozent des Pflegepersonals das erste Mal geimpft. Es müssten zuerst die geschützt werden, die am stärksten gefährdet sind, so Spahn.
Er betonte: „Das Virus ist noch nicht müde und wir dürfen es auch nicht werden.“ Das Virus sei der gemeinsame Gegner. Es kostete Leben und verursache viel Leid. „Wir haben den Weg heraus begonnen, aber es sind harte Wochen, die vor uns liegen“, sagte Spahn.
Hinsichtlich der Virus-Mutationen sagte der Bundesgesundheitsminister, dass nächste Woche Konzepte mit den Ministerpräsidenten erarbeitet werden sollen. Medizinische Schutzmasken noch mehr zu tragen, sei ein wichtiger Punkt.

Impfungen gegen das Corona-Virus: Angebot für erste Gruppe bis Ende März

Der Gesundheitsminister kam außerdem auf das Thema Impfungen zu sprechen: Der Impfstoff AstraZeneca werde vor allem für jüngere Menschen verwendet. Ältere Personen und Pflegekräfte sollen vor allem mit Impfstoff von Biontech geimpft werden. Alle Impfstoffe seien aber gleichermaßen geeignet.
Man müsse hinsichtlich der Impfungen weiterhin priorisieren. Er gehe davon aus, dass allen Menschen, die zur ersten Priorisierungsgruppe gehören, bis zum Quartalswechsel ein Impfangebot gemacht werden könne. In dieser Gruppe sind unter anderem Menschen im Alter über 80 Jahre und Menschen in Pflegeheimen. Für Kinder und Jugendliche gebe es noch keine Studien.
Es würden weitere harte Wochen der Knappheit kommen, sagte Spahn. Man werde weitere Verträge zur Herstellung von Impfstoffen schließen.

Lothar Wieler: Variante B117 ist eine große Gefahr

Der RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, dass ihm die neuen Virus-Varianten des Coronavirus große Sorge bereiteten. Drei neue Varianten seien in Deutschland bereits nachgewiesen worden. Besonders gefährlich sei die Variante B117. Sie wurde erstmals in Großbritannien nachgewiesen und ist in Deutschland am weitesten verbreitet. Die Variante habe sich in 13 Bundesländern ausgebreitet.
Es gebe Hinweise darauf, dass B117 für besonders schwere Verläufe verantwortlich ist. Wieler betonte, dass der R-Wert bei den Mutationen um 0,5 höher liege. Das sei „eine riesige Zahl“. Die Variante stecke mehr Menschen an als es die ursprüngliche Form des Virus. Damit erhöhe sich auch die Anzahl der Menschen, die ins Krankenhaus kommen, so Wieler. „Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden.“

Virus-Mutationen: Weitere Forschung ist nötig

Noch dominierten die neuen Varianten das Virusgeschehen in Deutschland nicht, so Wieler. Man müsse nun verhindern, dass neue Varianten entstehen. Er erklärte, dass alle zwei Wochen Proben nachuntersucht werden, um mehr über die Virus-Mutationen zu erfahren.
Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sagte, man forsche weiterhin dazu, inwiefern die Impfstoffe gegen die neuen Varianten wirken. Weiter zu impfen, helfe auch gegen neue Varianten.

„Virus macht mit jedem von uns etwas“: Spahn nimmt psychische Belastung durch Corona ernst

Spahn sagte, er nehme die Fragen nach der psychischen Belastung durch die Pandemie ernst. „Das alles macht mit jeden von uns etwas“, sagte der Minister. „Sowohl emotional als auch psychisch und physisch.“ Die Menschen würden unterschiedlich mit der Belastung umgehen. Möglicherweise könnten auch Krankheitsbilder entstehen.
Spahn wies aber auch auf positive Entwicklungen hin. So sei die Zahl der Herzinfarkte zurück gegangen. Das könne eventuell daran liegen, dass die Menschen weniger beruflichen Stress haben, so Spahn. Belegen könne er das aber nicht: Noch gebe es keine belastbaren Behandlungsdaten.

Neue Virus-Variante in Tirol: Das sagt Wieler dazu

In Tirol hat sich eine neue Virus-Variante ausgebreitet. Im Kampf gegen diese südafrikanische Mutation hat das österreichische Bundesland Tirol in der Nacht neue Ausreisebeschränkungen in Kraft gesetzt.
Die Variante in Tirol habe sich sehr stark ausgebreitet, sagte Wieler. Sehr viele Menschen hätten sich dort beim Skifahren angesteckt. „Das ist eben schlichtweg keine clevere Entscheidung, wenn man sowas zulässt.“