Der Handel in Baden-Württemberg warnt vor neuen Corona-Regeln beim Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Mindestfläche von 20 oder 25 Quadratmeter pro Kunde könnte laut Verbandskreisen zu langen Schlangen vor den Geschäften führen, wie sie schon beim Lockdown im April zu beobachten waren, hieß es am Mittwoch.
Beim letzten Bund-Länder-Gipfel konnte die Auflage in letzter Minute noch von den Ländern gekippt werden, nachdem aus der Branche auf mögliche Versorgungsprobleme bei lebensnotwendigen Gütern wie Lebensmittel verwiesen worden war. Ein Brandbrief war damals bereits verfasst, doch dann gab es eine Last-Minute-Abschwächung: Im November mussten die Händler nur 10 Quadratmeter Fläche pro Kunde garantieren, damit auch wirklich jeder hungrige Einkäufer im Supermarkt Platz findet. Zu denjenigen, die sich vor vier Woche gegen die eigene Partei- und Regierungsspitze für maßvolle Corona-Regeln stark machten, soll auch Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gehört haben.
Trotzdem tauchte die Zahl von 25 Quadratmetern am Dienstag und Mittwoch plötzlich wieder in Beschlussvorlagen aus dem Kanzleramt auf. Am Mittwochmittag wurde sie bei den Beratungen offenbar nur auf 20 Quadratmeter reduziert, so jedenfalls ein Entwurf, der „Bild“ vorliegt.

Hamsterkäufe von Klopapier und Nudeln

Warenengpässe an sich werden zwar nicht befürchtet, doch war kurz vor dem „Lockdown light“ punktuell erneut das Hamstern von Klopapier und Nudeln zu beobachten – wie schon im vergangenen März und April. „25 Quadratmeter Mindestfläche hätten verheerende Folgen“, heißt es jetzt aus Verbandskreisen.

Corona-Gipfel: 20-Quadratmeter pro Kunde?

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird beim Corona-Gipfel am Mittwoch statt von 25 Quadratmetern pro Kunde, nun von 20 Quadratmetern pro Kunde in Kaufhäusern gesprochen. Wie die „Bild“ berichtet, sollte diese Regel eventuell auch für große Supermärkte mit mehr als 800 Quadratmeter Fläche gelten. In kleineren Geschäften sind es 10 Quadratmeter, ebenso auch für alle Flächenanteile bis 800 Quadratmeter. Nur wer darüber liegt, muss voraussichtlich anteilig die neue Regel beachten, was unter anderem auf das Shopping in Einkaufszentren abzielt, denn dort werden die Gesamtverkaufsflächen zugrunde gelegt, heißt es. Mit derlei Regeln hatten die Länder beim Lockdown im Frühjahr jedoch mehrfach Schiffbruch vor Gericht erlitten und mussten den Handel am Ende wieder komplett öffnen.
Weder die Arbeit noch das Einkaufen im wirtschaftlich wichtigen Weihnachtsgeschäft wären für die Menschen wohl eine Freude, wenn man überall 15 bis 30 Minuten anstehen müsse, so nun die Befürchtung von vielen für die Vorweihnachtszeit. Verwiesen wird auch darauf, dass der Handel in der Regel etwa 30 Prozent vom Umsatz in den letzten 5 Wochen des Jahres erzielt und bereits durch den November-Lockdown über 50 Prozent Rückgang zu verzeichnen hatte.

„Lockdown durch die Hintertür“ statt Weihnachtsgeschäft

FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle bezeichnete die Pläne als „Verödungsprogramm für die Innenstädte“. Auch der Einzelhandelsverband HDE sprach sich auf Bundesebene offiziell dagegen aus. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth glaubt sogar, dass so etwas „am Ende zu neuen Hamsterkäufen im Lebensmittelhandel“ führen könnte, berichtet der Sender n-tv.
Das böse Wort vom „Lockdown durch die Hintertür“ macht in der Branche bereits die Runde. Laut Volkswirten wären auch die Folgen für das zuletzt relativ freundliche Konsumklima und die konjunkturelle Erholung in Deutschland unabsehbar, zumal aktuell niemand vorhersagen mag, ob neue Corona-Regeln bis 20. Dezember, Ende Januar oder gar Februar gelten würden. Die drohende Schließung von Schulen könnte sich ebenfalls negativ auf die Wirtschaft auswirken.