Der harte Lockdown geht weiter. Restaurants, Bars, Kinos – alles bis 31. Januar zu. Mindestens. Je länger die drastischen Corona-Maßnahmen gelten, desto größer wird bei vielen Deutschen die Sehnsucht nach dem alten Leben, dem Leben vor der Pandemie. Die Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, werden immer kleiner, das Fernweh immer größer. Reisen sind zwar noch erlaubt, wer auf die Karte blickt, sieht allerdings rot.

Auswärtiges Amt stuft viele Urlaubsziele als Risikogebiet ein

Das Auswärtige Amt stuft viele beliebte Urlaubsziele als Risikogebiet ein und spricht Reisewarnungen aus. Ob Italien oder die Malediven: Von touristischen Reisen in Gebiete mit hohen Infektionszahlen wird abgeraten. Die Einstufung erfolgt, wenn in einem Gebiet mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche registriert werden.
Wer trotzdem fährt oder fliegt und nach seinem Aufenthalt zurückkommt, muss sich nicht nur für zehn Tage in Quarantäne begeben, sondern auch 48 Stunden vor oder unmittelbar nach Einreise zwingend auf das Virus testen lassen. Entspannung klingt anders.

Tui-Vorstandschef erwartet „weitgehend normalen Sommer“

Viele Touristen warten deshalb, bis sich die aktuell dramatische Pandemie-Situation verbessert. Sobald aus Wunsch Wirklichkeit wird, gehen Experten davon aus, dass die Flugpreise steigen. So auch Aage Dünhaupt, Pressechef von Tui-Deutschland. „Das ist natürlich immer ein Angebot- und Nachfrage-Thema. Wahrscheinlich werden Flüge teurer werden“, sagte Dünhaupt dem Branchenmagazins „Travelbook“. Und: „Ich glaube, die Lust zu Reisen wird schneller wieder zurückkommen, als die Flugzeuge zur Verfügung stehen werden.“
Bei Tui rechnet man damit, dass ein Boom bereits im Sommer kommt. „Wir erwarten einen schon weitgehend normalen Sommer“, sagte Tui-Vorstandschef Fritz Joussen der „Rheinischen Post“. Man werde aber „nur rund 80 Prozent so viele Flugreisen anbieten wie in den Jahren vor der Corona-Krise, um eine optimale Auslastung zu erreichen.“ In den Ferien im Juli und August sei es wahrscheinlich, dass viele Flüge auf Strecken im Mittelmeerraum schnell ausgebucht seien. Das Angebot für Mai sei zu 50 Prozent ausgebucht.
Joussen ist der Ansicht, dass die aktuellen Impfungen alle Reiserestriktionen unnötig machen werden: „Wenn wir die besonders gefährdeten Gruppen vor einer Infektion geschützt haben, können die Einschränkungen insgesamt stark fallen.“ Reiserestriktionen wären dann nicht mehr verhältnismäßig.

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Tui auf dem Weg zum teilverstaatlichten Touristikkonzern

Nun muss der Konzern aber erst mal die Corona-Durststrecke im Winter überstehen. Der deutsche Staat springt dabei für Tui in die Bresche: Der Bund steigt als Großaktionär ein. Vollzogen ist der Tausch von Einlagen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in direkte Anteile am größten Touristikkonzern der Welt zwar noch nicht. Die bisherigen Tui-Eigner beschlossen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag jedoch fast einstimmig, dass der WSF nun das Recht dazu erhält.
Damit bekommt der Staat nach der Lufthansa bei einem weiteren angeschlagenen Unternehmen der Reisebranche erheblichen Einfluss. Aber auch private Eigentümer lassen Tui über eine Kapitalerhöhung dringend benötigtes Geld zufließen. Teile früherer Hilfen sind aufgebraucht, der Winter ist selbst ohne Pandemie eine schwache Saison, und auch danach dürfte das Reisegeschäft nicht so schnell zu alter Größe zurückfinden. Tui hätte der finanzielle Kollaps gedroht, wäre ein ergänzendes Rettungspaket nicht rasch zustande gekommen.