„Du Pfingstochse“ ist ein Satz, der heutzutage wohl kaum noch bis gar nicht benutzt wird. Ob dies gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters. Für den gläubigen Christen auf dem Land ist die schwindende Bedeutung des „Pfingstochsens“ sicher eine traurige Angelegenheit - denn sie zeugt vom Verfall einer ehemals langen Tradition am Pfingstsonntag.
Während des Pfingstfestes, bei dem die Sendung des Heiligen Geistes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche gefeiert wird, wird nämlich in manchen ländlichen Städten und Gemeinden die Kuhherde zum ersten Mal im Jahr auf die Sommerweide getrieben, angeführt von einem mit Blumen, Stroh und Bändern geschmücktem Ochsen - dem „Pfingstochsen“.

„Pfingstochse“ und Pfingstlümmel“ lassen Langschläfer erröten

Für denjenigen, der schon als „Pfingstochse“ bezeichnet worden ist, mag es allerdings vielleicht von Vorteil sein, dass der Begriff mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Denn nicht nur ist der „Pfingstochse“ in manchen Regionen (z.B. Altbayern oder Österreich) auch eine scherzhafte Beleidigung für jemanden, der an Pfingstsonntag am längsten schläft. Sondern in manchen Gemeinden gehen die Menschen sogar einen Schritt weiter - und ziehen den Langschläfer scherzeshalber in einer „Schamaktion“ gar noch auf einer Schubkarre durch den Ort.
Sollte „Pfingstochse“ als Bezeichnung für Langschläfer aussterben, sind diese aber immer noch nicht hundertprozentig vor Schadenfreude sicher. Denn auch der Begriff „Pfingstlümmel“, der dieselbe Bedeutung wie der „Pfingstochse“ hat, ist noch Teil des deutschen Vokabulars.

„Palmesel“ hat dieselbe Funktion wie der „Pfingstochse“

Für den Palmsonntag (dem letzten Sonntag vor Ostern), an dem der triumphale Einzug von Jesus Christus in Jerusalem gefeiert wird, gibt es übrigens ebenfalls eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Langschläfer: den „Palmesel“. Und auch dieser hat ursprünglich eine rühmlichere, religiöse Bedeutung: Ein Esel war es nämlich, auf dem Jesus laut Bibel in Jerusalem einzog. Um ihren Messias und König zu feiern, streuten die jubelnden Einwohner der Stadt Jesus und dem Esel bei ihrem Marsch Palmzweige aus - damals als heilig verehrte Bäume.
Warum genau Begriffe wie „Pfingstochse“, „Palmesel“ und Co. aus kirchlichen Feiern im Laufe der Geschichte eine zweite Bedeutung zum Aufziehen von Langschläfern entwickelt haben, ist eine Frage für Sprachwissenschaftler und Theologen. Eine Vermutung liegt aber natürlich nahe: Dass sie ehemals Respekt vor den festlichen Traditionen lehren und zur Teilnahme daran aufrufen sollten.